ethnografische notizen 270: köln in zeiten von corona

Bay Freud, An Groß St. Martin, Köln, 25.03.2020

Altstadt

Am maiBeck, dem sprichwörtlich ersten Haus der Altstadt, wird auf dem Aushang die Schließung aller Restaurants mit dem Ziel der Eindämmung des Virus erläutert. Der Claim unter der Botschaft lautet nicht wie gewohnt „stay hungry“, sondern diesmal etwas förmlicher „Bleiben Sie gesund“. Weiterlesen

ethnografische notizen 254: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Jan C. Maier, Restaurant maiBeck

Jan C. Maier, Restaurant maiBeck, Köln

Der 42-Jährige betreibt seit 2013 mit seinem Kompagnon Tobias Becker das Restaurant in der Altstadt. Das Lokal hat über Karneval gerade seine 14-tägige, jährliche Schließung hinter sich.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Wir hatten uns eigentlich schon ein paar Tage vorher überlegt, auf eigene Initiative zuzumachen. Weiterlesen

ethnografische notizen 243: foodcamp cologne 01

Food Camp Cologne im Restaurant maiBeck, 08/2018

Food Camp Cologne im Restaurant maiBeck, 08/2018

 

Dass in Köln gerade nicht nur viele interessante Restaurants eröffnen, sage ich, sondern, dass da generell eine Aufbruchsstimmung zu verspüren sei. Endlich!

Die 16 anwesenden Journalist*innen, Blogger*innen und Expert*innen im maiBeck schauen mich erwartungsvoll an, während ich das Programm der nächsten Tage durchgehe.

Und plötzlich merke ich, während ich mir selber zuhöre, was eigentlich meine Mission geworden ist. Weiterlesen

miniportion 015: kölsch

Kölsch im Angebot, Kölner Altstadt 2011

Kölsch im Angebot, Kölner Altstadt 2011

Mein erstes Bier trank ich – Kind kulturbürgerlicher Eltern, denen gelegentlich das für Gäste gekaufte Bier im Keller schlecht wurde – erst nach meinem 16. Geburtstag. „Gesetzlich ja so vorgeschrieben“, mag man jetzt denken, ohne zu wissen, dass die Gesetze in meiner Heimat in der Nordeifel in Sachen jungendlichen Bierkonsums, nun, sagen wir „etwas weitläufiger“ ausgelegt werden. Trinken lernte man dort für gewöhnlich nicht erst bei der Bundeswehr.

Mein erstes Mal geschah auf einem Zeltplatz mit dazugehöriger Grillhütte auf halbem Wege zwischen Schule und Zuhause, auf dem wir für zwei Tage kampierten, um den Abschluss der 10. Klasse zu feiern. Die Sonne ging langsam unter, ein batteriebetriebener Kassettenrekorder spielte REMs „Loosing my religion“ in einer gefühlten Endlosschleife und hier und da wurde bereits geknutscht. Irgendwer hatte einen Kasten Pils organisiert und irgendwann hatte ich genug Cola getrunken und ausreichend Mut gesammelt, um mir eine Flasche zu nehmen. Das Bier war lauwarm und schmeckte bitter. Die Kohlensäure schoss mir durch die Nase. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, den Inhalt der Flasche diskret in den Brennnesseln zu entsorgen, während um mich herum im wörtlichen wie im übertragenen Sinne die Lampen angingen.

Danach kam lange Zeit nichts und dann der Erstkontakt mit einem gebürtigen Kölner in einer Aachener Micro-Diskotheque. Wieder hatte ich genug von Cola und plötzlich auch ausreichend Mut, um ein gemeinsames Getränk vorzuschlagen. Die Antwort war lauwarm und bitter: „Ach, vielleicht später.“ Diesmal aber, vielleicht in einer Vorahnung der zukünftigen Bedeutung dieses Moments, schlug ich mich nicht seitwärts in die Büsche. Frei nach Loriot dachte ich: „Das muss gehen, die anderen machen das doch auch!“ und blieb stehen. Und siehe da, der Abend endete mit einem gemeinsamen Kölsch, das mir so angenehm kühl und süffig vorkam, wie kein anderes Getränk zuvor in meinem Leben. Beiden bin ich seitdem treu geblieben.