ethnografische notizen 233: france 2017/06

16 Jun
Kouign Amann, Morlaix, Juni 2017

Kouign Amann, Morlaix, Juni 2017

Man kann ja nicht ständig im Restaurant sitzen, weil wir aber dennoch ein bisschen Appetit haben, beschließen wir uns vor dem Aufstieg auf den Eisenbahn-Viadukt von Morlaix (der Partnerstadt von Würselen) ein bisschen Kuchen in einer der örtlichen Pattisserien zu kaufen. Die Auslagen der ersten Konditorei gefallen uns gut, aber wir sind zu erfahren, um direkt die erstbesten Waren zu kaufen. Die Patisserie Martin aber, ein paar Meter weiter, hat zwar definitiv den schöneren Laden, die Torten erinnern mich dann aber doch zu sehr an deutsche Wirtschaftswunder-Sahneschnitten – und die konnte ich noch nie besonders leiden. Nicht im In- und auch nicht im Ausland. Also doch zurück zu Traon.

P., als ehemaliger Konditor mit einem besonderen Gespür für Gebäck ausgestattet, berät mit der Verkäuferin über die korrekte Auswahl eines halben Dutzend Macarons, danach lässt er sich ein Stück Croûte à thé einpacken und dann bin ich an der Reihe. Als Kind aus dem Volk interessieren mich hingegen vor allem die Blechkuchen und während ich noch zwischen den verschiedenen Varianten von Far Breton und Kouign Amann abwäge, tauschen die beiden schon Blicke aus. Letztendlich entscheide ich mich für ein Stück des letzteren, nicht zuletzt weil miich ein liebevoll gestaltetes Schild darauf hinweist, dass diese Spezialität des Hauses vom Guide Michelin empfohlen sei. Was die Aussprache ihres Names – auch nach deutlicher Wiederholung durch die Verkäuferin – nicht wirklich leichter macht.

Wir steigen die steile Venelle de la Roche hinauf bis auf das erste Plateau der Eisenbahnbrücke und verzehren den mitgebrachten Kuchen mit Blick auf die Stadt. „Das Leben kann ungerecht sein“, sage ich und wickele mein Stück aus dem weißen Papier, „stell dir vor, du bist Schüler von hier und musst zum Schüleraustausch nach Würselen.“ „Ich bestäube die Stadt“, sagt P. und bläst den Puderzucker von seinem eher unspektakulären Rührkuchen ins Tal (das „thé“ im „Croûte à thé“ bezieht sich übrigens auf das dazugehörige Getränk, wie ich durch investigative Netzrecherche und den Vergleich diverser Rezepte herausfinde). Mein Kouign Amann hingegen ist umwerfend lecker und die Schichtung aus Teig, Zucker und gesalzener Butter genau der richtige Proviant für einen Aufstieg auf 58 Meter.

Später, wieder unten im Tal, kaufe ich eine Postkarte mit dem folgenden Rezept: „sucre+beurre=et voilà!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

PÂTISSERIE TRAON | Morlaix

ethnografische notizen 232: france 2017/05

15 Jun
Artischocken vorher/nachher, Saint-Michel-en-Grève, Juni 2017

Artischocken vorher/nachher, Saint-Michel-en-Grève, Juni 2017

„Die Küste zwischen St-Michel-en-Grève und Roscoff wird wegen ihrer bedeutenden Landwirtschaft (v.a. Artischocken) ‚Ceinture Dorée’ genannt“, lese ich im Baedeker. „Du fährst“, sage ich zu P., der schon wissend die Augen verdreht.

Ein erstes Artischockenfeld lasse ich noch vorbeiziehen, beim zweiten fahren wir rechts ran und ich laufe mit Handy und Kamera (sicher ist sicher!) auf den Acker. Kniehoch sind die Pflanzen hier und alle paar Meter sitzen bereits ziemliche dicke Knospen. „Nein“, denke ich, „ich bin Tourist und muss mich benehmen.“ Ich steige mit leeren Händen wieder ein und lese im Auto – der EU und ihrer Abschaffung der Roaming-Gebühren sei dank – aus Wikipedia vor: dass man ab dem zweiten Jahr ernten kann, dank der frühen Blüte bei Zuchtpflanzen sogar mehrmals im Jahr und bis zu fünf Jahre hintereinander. Und plötzlich stehen auf jedem zweiten Feld Artischocken. Viele davon scheinen uns Laien erntereif, aber nirgends sehen wir Menschen oder Maschinen auf den Feldern. In der Frage nach der Erntemethode kann übrigens auch das Internet nicht helfen.

Weil an diesem Abend noch einmal Picknick angesagt ist, schwenke ich im Super U (in der französischen Provinz ist eine Versorgung an den Supermärkten vorbei so gut wie unmöglich) in die Gemüseabteilung. „Artichaut“, steht auf dem Schild, „cru à la croque-au-sel ou cuit.“ Und wiederum muss ich googlen um herauszufinden, dass man Artischocken auch roh essen kann.Diese hier kommen aus der Bretagne, haben Kaliber 11/13 und kosten sagenhafte € 1,20 pro Stück. Die Frau an der Kasse lächelt, als sie mir die beiden Köpfe reicht. „Vielleicht ist ihr Bruder ja ein örtlicher Artischockenbauer“, denke ich.

In der Ferienwohnung gibt es nur einen mittelgroßen Topf. Die Artischocken sind aber so groß, dass wir sie hintereinander kochen müssen. Nach der ersten schon sind wir satt und zufrieden.

CEINTURE DOREE | Corniche d’Amorique

ethnografische notizen 231: france 2017/04

14 Jun
Place du Martray, Saint Brieuc, Juni 2017

Place du Martray, Saint Brieuc, Juni 2017

„Saint Brieuc?“, sagt Madame als wir uns verabschieden, „j’adore!“ Sie verschwindet in ihrem Arbeitszimmer und kommt mit einer Postkarte wieder zurück. Ein Kunstfoto vom Strand von St. Brieuc. „Habe ich gemacht. Wir fahren immer dorthin. Magnifique!“

In der gut 45.000 Einwohner*innen starken Stadt angekommen, sehen wir das aber bereits ein bisschen nüchterner. „Wir sind hier“, sagt der junge Mann im Office du Tourisme. Er zeigt auf eine Stelle auf dem ziemlich großen Stadtplan vor sich. Und weil ich ihn erwartungsvoll anschaue, fühlt er sich wohl genötigt, noch mehr zu erzählen. „Also wir haben hier eine sehr schöne Straße“, sagt er und zeichnet mit einem dicken Filzstift links und rechts der Rue Fardel eine Markierung. „Das gibt es hier ein Museum. Das ist kostenlos.“ Er zögert kurz. „Und hier bei der Kirche gibt es eine Keksmanufaktur.“

„Wenn man nicht viel hat, findet man auch wenig schön!“, sage ich ein wenig gehässig als wir die eingezeichnete Straße hinuntergehen. Obwohl die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Häuser mit ihren geschnitzten Löwenköpfen wirklich nicht uninteressant sind. Die Keksmanufaktur entpuppt sich allerdings als unscheinbares Outlet, dass wir links liegen lassen. Statt dessen gehen wir zurück zum Place du Martray, um endlich ein Galette Saucisse zu essen. Das ist nämlich, so las ich in diversen Reiseführern, der kleinste gemeinsame kulinarische Nenner der Bretonen.

In der Fußgängerzone und auf dem Platz selbst räumen die Marktbeschicker zusammen. Neben der Kathedrale warten noch ein paar Imbisswagen und ein Bouquinist auf Kundschaft. Auf dem Büchertisch fallen mir ein Roman namens „La soupe aux choux“ (als Film mit Louis de Funès) und eine Studie über männliche Prostitution ins Auge. Gegenüber sortiert ein sehr brauner junger Mann ohne Hemd mit einer Sonnenbrille in Tricolore-Farben einen Berg von Plastikartikeln zu je einem Euro zurück in Kisten. Wir kaufen unser Galette Saucisse bei „Sonja“, vor deren Bude drei kuriose Menschen Crêpes essen und Kaffee aus weißen Plastikbechern trinken. Alle drei tragen das gleiche orangefarbene Halstuch. In die Jahre gekommene Pfadfinder vielleicht.

Sonja wickelt die Bratwurst sorgfältig in einen Buchweizenpfannkuchen, den in ein Fettpapier und das ganze Paket schließlich noch einmal in einen Küchenpapier mit der Aufschrift „Bistro“. „Lecker“, sagt P., „schön kross gebraten, die Wurst.“

 

ethnografische notizen 230: france 2017/03

13 Jun
La Saint Georges, Rennes, Juni 2017

La Saint Georges, Rennes, Juni 2017

„Hm“, sagt die Dame in der schwarzen Bluse, „eine Reservierung?“ Mit dem Zeigefinger fährt sie die vor ihr liegende Liste auf und ab und der große Anhänger um ihren Hals schaukelt bedenklich hin und her. „Auf welchen Namen noch einmal bitte?“ Ich wiederhole meinen Namen, der Finger fährt rauf und runter und der Anhänger pendelt. Sie schüttelt den Kopf. „Vielleicht auf den Namen unserer Gastgeberin“, werfe ich in den Ring. „Aha“, sagt die Dame erleichtert, „die reserviert immer in unserem anderen Restaurant.“ Sie bittet uns, zu folgen. Kurz darauf stehe ich wieder bei ihr an der Theke, um darauf hinzuweisen, dass der Fehler bei mir liegt. Auf unsere Gastgeberin möchte ich nichts kommen lassen. „Kein Problem“, sagt die Dame und hält ihren Anhänger fest.

Damit haben wir es geschafft, in die berühmte Crêperie La Saint Georges. Und per Zufall sogar ins Stammhaus. Das ist weitaus beieindruckender, als ich erwartet hatte. Keine Floklore, keine alten Apfelkisten, Mehlsäcke oder andere landwirtschaftliche Gerätschaften. Dafür ein hochfloriger anthrazitfarbener Teppich, mit grauem Samt bezogene Sitzmöbel und ausladende Lampen, die an riesige Sonnenhüte erinnern. Auch mit den endlos vergrößerten gelben und blauen Stoffmustern an der Wand, den runden Parabolspiegeln und den kleinen Lüster-Lämpchen auf den Tischen hat sich ein Innenarchitekt mal so richtig ausleben können. Um so überschaubarer wiederum die Karte. Zwei Seiten Galettes – herzhaft aus Buchweizenmehl – und zwei Seiten süße Crêpes aus Weizen. Ich nehme zunächst die Galette de saison mit Artischocke, Kartoffeln, Linsen und Saucisse de Morteau und dann ein Crêpe mit Caramel au beurre salé. Beides ist ebenso schlicht wie großartig. Ende der Durchsage.

Aber noch nicht alle haben genug. Auf den Terrassen der Restaurants entlang des Heimwegs wird noch gegessen und auch die Zeit der Bestellungen ist noch nicht vorbei. Noch eine Weile sitzen wir auf dem Platz vor der Oper und beobachten die an- und abfahrenden Deliveroo-Fahrer. Wie die Mauersegler über den Dächern der Häuser sind sie ständig in Bewegung, halten kurz inne und setzen ihre würfelförnigen, türkisfarbenen Rucksäcke auf die Stufen, um im nächsten Moment wieder aufzuspringen, die Rennradschuhe wieder in die Pedale zu klicken und die Straße rauf oder runter zu fahren.

ethnografische notizen 229: france 2017/02

12 Jun
l’Abri du Marché, Rennes, Juni 2017

l’Abri du Marché, Rennes, Juni 2017

Der Montag ist wie der Sonntag ein schwieriger Tag in der französischen Provinz. Also außerhalb von Paris meine ich damit und restauranttechnisch.

„Kann ich noch irgendetwas für sie tun“, fragt die Vermieterin des Chambre d’hôte, nachdem sie uns den Salon, den Living und unser Zimmer gezeigt hat.

„Vielleicht ein Restaurant für heute abend?“, frage ich.

„Bien sûr“, sagt sie, „was für eine Richtung soll es denn sein?“

Wir bitten um regionale Küche und werden darüber informiert, dass es da eine äußerst sympathische Creperie gebe, in der man superbe Gallettes essen könne.

„Mit fois gras oder mit coquilles St. Jacques. Soll ich für sie reservieren?“

Madame benutzt in etwa so viele Superlative pro Satz wie Donald Trump in 140 Zeichen, ist aber ansonsten weitaus weniger beängstigend.

Als wir die breite Holztreppe wieder heruntersteigen, erwartet sie uns allerdings in der Eingangshalle mit einem sorgenvollen Gesicht. „Es tut mir leid“, sagt sie, „aber die Creperie hat heute geschlossen. Ich habe es immer wieder versucht, aber niemand nimmt ab.“

Wir versichern ihr, dass das nicht schlimm sei, dass wir uns das Lokal dann eben für den nächsten Tag aufheben würden und bestimmt etwas anderes finden würden. Das erweist sich jedoch als nicht ganz so einfach. Zum einen, weil fast alles geschlossen hat und zum anderen, weil das, was geöffnet hat, der rund 50.000 Köpfe starken Unibversität Tribut zollt und im wesentlichen große Portionen für betrunkene Studenten anbietet. Dazu belgisches Bier und Wodka-Shots für 2 Euro.

Aber das sind wir ja nun von zuhause gewohnt und sitzen letzendlich in einem auf Muscheln spezialisiertem Restaurant. P. vor einer Schüssel nach katalanischer Art (Tomate, Knoblauch, Chorizo) und ich vor meinen Moules Belle Epoque mit Weißwein, Champignons und den Coquille St. Jacques, die ich an und für sich lieber in einer Galette zu mir genommen hätte. Nun denn. Die Miesmuscheln seien noch klein, so erklärt die Bedienung am Nachbartisch, weil die Saison noch nicht angefangen habe. Dafür schmecken sie ziemlich gut – an einem Montag außerhalb von Paris.

L’ABRI DU MARCHÈ | Places des Lices | Rennes

ethnografische notizen 228: france 2017/01

11 Jun
Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Auf dem Weg in die Bretagne übernachten wir in Rouen. Zum zweiten Mal sind wir hier. Noch auf der Autobahn erinnern wir uns an den letzten Besuch. Das funktioniert am besten über Unterkünfte und Restaurants. Beides ist in diesem Fall schnell ermittelt, obwohl die Tour durch die Normandie schon sieben Jahre her ist.

Wir übernachteten im Haus einer Galeristin hinter dem Bahnhof, die ihre mit afrikanischen Masken und zeitgenössischer Kunst bestückte Villa mit ein paar „chambres d’hôtes“ aufgestockt hatte. Zum Frühstück gab es neben Croissant und Baguette frische Kirschen in einer kleinen Schale aus schwarzer Keramik. So etwas kann ich mir merken, nicht aber meine Telefonnummer.

Gegessen wurde im zu einem hochpreisigen Restaurant zugehörigen Bistro am Place Jeanne d’Arc. P., der zu diesem Zeitpunkt niemals auch nur in Erwägung gezogen hätte, Schweinebauch zu bestellen, aß „poitrine de porc“ in einer Soße mit hellen Rosinen. Die Dame am Nachbartisch lachte über die überdimensionierte Portion bis sie ihren Nachtisch bekam – das Äquivalent einer Puddingschüssel. Danach lachte sie nicht mehr, sondern aß.

Das Bistro ist immer noch da, aber da es noch zu früh ist, spazieren wir eine Runde durch die Innenstadt und bleiben vor einem sehr kleinen chinesischen Restaurant stehen. „Chez Nou“, helles Holz, weiß gestrichenes Gebälk und alle zwei Minuten neue Lieferdienst-Fahrer, die mit ihren Bestellungen über das Kopfsteinpflaster davon radeln.

Weil wir am Tag zuvor mehr als genug und darüber hinaus sehr raffiniert gegessen haben, ist uns heute nach etwas Rustikalem. Neben uns isst ein chinesisches Paar. Der junge Mann wedelt mit der Hand, weil sein Essen offensichtlich ziemlich scharf ist. Nach den ersten Löffeln meines Mapo Tofu verstehe ich, was er meint. Das Leitungswasser schmeckt nach dem ganzen Szechuan-Pfeffer aber angenehm zitronig.

CHEZ NOU | 10 Rue Perciere | Rouen

ethnografische notizen 227: sachstand

25 Mai

Es ist viel passiert, auch wenn hier in den letzten Monaten eher wenig zu lesen war. Selbst als Freiberufler muss man sich die Zeit zum Schreiben nehmen! Daher ein dieser Stelle ein Blick zurück und einer nach vorne – bevor es mit den ethnografischen Notizen und anderen Texten weitergeht:

Geländegang

Gelände-Gang: Johannes J. Arens, Jan C. Maier, Tobias Becker und Danny Frede (v.l.n.r.), Köln 2017

Gelände-Gang: Johannes J. Arens, Jan C. Maier, Tobias Becker und Danny Frede (v.l.n.r.), Köln 2017

Ein Jahr lang waren Jan C. Maier und Tobi Becker (Restaurant maiBeck), Danny Frede (Fotografie) und ich unterwegs in der Region, um Menschen zu besuchen, die mit Leidenschaft Lebensmittel produzieren. Ein weiteres Jahr haben wir gebraucht, um Texte, Bilder und Rezepte in Form zu bringen. Wohl in kein anderes Projekt habe ich jemals mehr Herzblut, Liebe, Schweiß und Tränen investiert als in den Geländegang. Und nie habe ich mehr zurückbekommen – danke Boys!

224 Seiten für spektakuläre € 16,80 auf www.gelaendegang.de.

Soulfood Düren

Wiemele & Wormele – Soulfood Düren

Wiemele & Wormele – Soulfood Düren

Die erste Runde des Projekts  ist geschafft. Im Auftrag von Düren Kultur habe ich mich ein gutes Jahr auf die Suche nach der kulinarischen Identität gemacht. Das war – obwohl ich die Stadt seit Kindertagen kenne – sehr aufregend und manchmal sogar ziemlich exotisch. An drei Abenden habe ich mich im Talkshowformat mit Dürener*innen über Essen und Trinken, die Stadt und das Leben unterhalten. Danke an Dieter Powitz von Düren Kultur für das Vertrauen, mich einfach so machen zu lassen und an Richard Bühl vom Dacapo-Mobil für die kulinarische Untermalung! Zur Vorbereitung habe ich unzählige Gespräche geführt, war viele Tage in der Stadt unterwegs und habe viel geschrieben.

Jacqueline Derichs, Café Bremen, Aldenhoven 2017

Jacqueline Derichs, Café Bremen, Aldenhoven 2017

Ein bisschen was aus der ersten Runde kommt noch – nämlich die Interviews mit Supermarkt-Chef Pascal Klein-Günnewick, mit Bäcker-Shooting-Star Jacqueline Derichs und dem Pulled Pork-Master Justin Jansen. Aber dabei wird es nicht bleiben, denn auch wenn die Arbeit vor Ort manchmal ein wenig zäh war, ist die Stadt viel zu interessant, um jetzt schon aufzuhören! Mit ein bisschen Glück und Budget wird es neue Termine geben und an neuen Ideen für das Projekt feile ich auch bereits. Düren rocks!

tagnacht und GastroGuide Euregio

Auch wenn ich Restaurant-Kritiken nicht zu meinem Kerngeschäft zählen würde bin ich natürlich gerne beim hauptberuflichen Essen dabei. Seit ein paar Jahren schon beim GastroGuide Euregio – gerade frisch auf dem Markt – und in 2017 erstmals bei tagnacht für Köln. Nicht nur als Tester und Texter („Die Expertise des Gastes“) sondern im Februar sogar vertretungsweise in der Redaktion.

KISD – Köln International School of Design

Eine ganz besondere Ehre wurde mir mit dem Short Term Project „Light oder Zero“ bei der TH Köln zuteil. Dank an Lisa Janßen für die Vermittlung. Zwei Wochen lang habe ich mit Studierenden aus Deutschland, Belgien, Italien, Portugal, Schottland, Japan und Taiwan die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelverpackungen und Genderkonstruktionen untersucht. Herausgekommen sind spektakuläre Produkte für girly girls und tough guys, the undecided & the irritated …

Tea, Yoghurt & Jam für Tough Guys, KISD SS 2017

Tea, Yoghurt & Jam für Tough Guys, KISD SS 2017

Le Petit Appétit, KISD SS 2017

Le Petit Appétit, KISD SS 2017

Wunderpillen für Girly Girls, KISD SS 2017

Wunderpillen für Girly Girls, KISD SS 2017

Als Gastdozent habe ich außerdem einen Beitrag zur Vortragsreihe KISD-talks – Theories and Practice of Design geleistet und einen Vortrag zum Thema „Brötchentüte – Design & Culinary Diversity“  gehalten.

Summer of Supper

Und weil der Mensch nicht nur vom Schreiben lebt, stehe ich mitunter auch immer wieder mal in der Küche. Beispielsweise beim Summer of Supper im Marieneck, Köln-Ehrenfeld. Nach den wunderbaren CoWorking Erfahrungen mit Nata Simons und Margarete Morché in diesem Jahr direkt zwei Mal.

Am 15. Juli mit der wunderbaren Freitagsrunde (Joerg Utecht, Marco Kramer, Nata Simons, Bernd Labetzsch und Torsten Goffin).

„Robert, Suzette und die anderen – eine essbare Zeitreise“

Die 80er sind kulinarisch nahezu in Vergessenheit geraten. Sauce Robert und Crêpes Suzette, Ragout fin und Pommes Duchesse – nur noch vage Erinnerungen. Zu Unrecht! Die Freitagsrunde nimmt die Supper-Gäste mit auf eine Zeitreise in die aufregenden Jahre zwischen Nouvelle Cuisine und Fusion Food.

Und am 29. Juli mit meinem kulinarischem Kumpel Lukas Bontke:

„Das Rumtopf-Prinzip“

Dieses Supper geht weit über den Sommer hinaus! Schon im Januar haben wir angefangen alles zu jagen und zu sammeln, was Feld, Wald und Wiese so hergeben. Seitdem wird unermüdlich gedörrt und geräuchert, eingesalzen und fermentiert. Wie bei einem klassischen Rumtopf, kommt dazu, was gerade Saison hat. Vom schwarzen Rettich bis zum Mangalica, vom Bärlauch bis zum Waldmeister. Am Ende steht ein fulminanter Rückblick auf die erste Jahreshälfte in sieben Gängen.

soulfood düren – #013

3 Mai

Am 10.05. geht SOULFOOD DÜREN in die letzte Runde!

Diesmal dreht sich alles um „heute“ und die Frage, wie Düren morgen essen wird.

Meine Gesprächspartner*innen sind u.a. Thiviy Arichandran vom Restaurant AMMA und Justin Jansen, der bei DaCapomobil eine Ausbildung zum Koch macht.

Und weil Justin nächste Woche auch für’s Essen zuständig sein wird, erklärt er uns schon heute, was es geben wird …

 

soulfood düren – #012

29 Mrz
Carbonara im Il Piacere, Düren 2017

Carbonara im Il Piacere, Düren 2017

Il Piacere

„Schön habt ihr’s hier“, sage ich und setze mich an einen der Tische mit den rot-weiß-karierten Decken. Ein bisschen Italo-Folklore, aber eher dezent – der Name des Restaurants als Schriftzug aus Weinkorken und ein paar Schilder mit Pizza und Pasta hier und da. „Ja“, sagt Georg Mierau, „man könnte noch so einiges machen, optisch verkleinern oder so, aber ist schon schön.“ Vorher, so erfahre ich, war hier auch ein italienisches Restaurant. „Portofino, bestimmt 30 Jahre lang – sah aus wie in den 70er Jahren.“ Er geht mit meiner Bestellung in die Küche. Im Hintergrund laufen italienische Pop-Klassiker. Dass das 70er-Ambiente definitiv weg ist, denke ich, während ich die schöne Theke aus roh gezimmertem Holz betrachte. Lediglich die Musik lässt noch erahnen, wie das hier mal ausgesehen haben muss.

Georg – wir einigen uns schnell auf’s duzen – kommt eigentlich aus Estland, aus Tartu, um genau zu sein. „Bin aber schon seit über 30 Jahren in Düren“, sagt er und erzählt, wie er durch einen Job in der Systemgastronomie zur italienischen Küche gefunden habe. Erst in Mönchengladbach und dann in Köln. Eigentlich hätte er eines der Lokale übernehmen sollen. „Hat nicht geklappt. Da haben meine Frau und ich beschlossen, dass wir selbst ein Konzept machen.“ Ein Pilotprojekt in Düren., zwischenzeitlich gab es auch mal einen Laden in Zülpich. Der lief zwar gut, weil es kaum Konkurrenz gab, war aber letztlich zu klein, um wirklich Gewinn zu machen. Deshalb konzentrieren sich die beiden jetzt auf Düren. Da haben wir also etwas gemeinsam.

Der Erst-Kontakt war überraschend: „Hallo Herr Arens, danke für den Blog, den Sie machen. Da Düren sehr italienisch-lastig ist – möchten Sie sich nicht mal an italienische Restaurants machen? Originale Rohes Ei-Speck-Parmesan-Lecker-Echt-Carbonara oder handgemachte Ravioli? Mit kulinarischen Grüßen Georg Mierau“

„Hallo Herr Mierau, das Thema „italienisch“ habe ich in der Tat noch nicht angepackt. Ganz spontan: Morgen Mittag bin ich in Düren. Da könnte ich mal vorbeischauen …“

Jetzt bin ich hier und freue mich auf die Carbonara. Ein Mann ein paar Tische weiter bestellt eine Flasche Wein. Offensichtlich ein Stammgast, der dem Padrone erklärt, dass er gerne jedes Mal an einem anderen Platz sitzt. „Dann schmeckt’s irgendwie auch jedes Mal anders“, sagt er und lacht. Ich probiere die hausgemachte Limonade – nicht zu süß, mit einer angenehmen Minz-Note. Der Chef bringt einen Teller mit meiner Carbonara, was übrigens soviel bedeutet wie „nach Art der Köhler“. Diese hier sind die besten, die mir seit langem auf den Teller gekommen sind – fest, aber nicht hart, mit würzigem Speck und Parmesan und zusammengehalten von einem Hauch Ei. „Wie werden die denn bei euch gemacht?“, will ich wissen. „Also die Pasta machen wir auch selber“, beginnt ein Plädoyer, dass in seiner Leidenschaft dem eines Italieners vermutlich in nichts nachsteht. Die hausgemachte Pasta werde al dente gekocht, währenddessen der Speck in nativem Olivenöl angebraten und beides wird dann mit den Eiern vermischt. „Das ist ziemlich original. Die Italiener machen den Parmesan noch ins Ei. Das stockt aber sehr schnell. Darum lege ich den obendrauf.“

Georg Mierau – Il Piacere, Düren 2017

Georg Mierau – Il Piacere, Düren 2017

Dass Georg Mierau eine kulinarische Mission verfolgt, wird nicht nur im Gespräch deutlich. Vor der Theke steht eine Tafel, auf der handschriftlich erklärt wird, warum die Nudeln al dente gekocht gehören (Aufnahme der Soße durch die raue Oberfläche) und was eine gute Pizza ausmacht (u.a. Mozzarella statt Gouda). 70:30 ist hier das Verhältnis zwischen Kochtopf und Ofen. Eigentlich würde er lieber mehr Pasta verkaufen. „Aber die Leute gehen für Pizza zum Italiener“, sagt er und wirkt dabei trotzdem nicht ganz unzufrieden.

Il Piacere | Weiherstraße 16 | Düren | http://www.il-piacere17.de

 

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“. Am kommenden Freitag sind eine Konditorin, ein Supermarktleiter und eine Mitarbeiterin der VHS dabei.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Und hier noch eins.

 

Soulfood Düren II

  1. März 2017 | 19.00 Uhr | Bistro im Haus der Stadt

Tickets € 1 5 | iPUNKT Düren | Markt 6 | Tel. 02421 252525

soulfood düren – #011

22 Mrz

Am 31.03. geht’s weiter mit der Suche nach der kulinarischen Seele der Stadt.

Hier erklären der wunderbare Gastronom Richard Bühl und ich noch einmal kurz, was Soulfood eigentlich bedeutet …

Wir sehen uns am 31.03. im Haus der Stadt!

SOULFOOD DÜREN – Thema „heute“

Freitag, 31.03.2017
19.00 | Bistro im Haus der Stadt
Tickets € 15 | iPUNKT Düren | Markt 6