ethnografische notizen 286: frankreich 2021 (6/14)

Oignons de Roscoff, 09/2021

Gegen Mittag, nachdem ich mir im örtlichen Decathlon eine Badehose gekauft habe, begeben wir uns vollständig in die Folklore – wir fahren nach Roscoff.

Die Straße hinaus zur Spitze der Halbinsel ist gesäumt von Gemüsefeldern. Um diese Jahreszeit gibt es vor allem Kohl und Artischocken, deren Köpfe in verschiedenen Formen (schlank und länglich oder rund und dick) und Farben (blassgrün bis tiefviolett) über die Feldränder ragen. Ein riesiges, handgemaltes Schild verweist auf den Verkauf von „oignons – produit de terroir“.

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ethnografische notizen 285: frankreich 2021 (5/14)

Ein gedeckter Tisch und eine Statue.
Pâté Lorrain / Ban-de-Sapt

Auf dem Schrank in der Küche liegt ein Gästebuch, eingebunden in dunkles Leder. Drinnen befinden sich zahlreiche begeisterte Einträge, die meisten davon auf Französisch, gemischt mit ein paar niederländischen und deutschen Danksagungen. „Hier hinten“, sagt Amélie, unsere Gastgeberin, „hier gibt es ein paar Adressen zum Einkaufen. Nichts Großes, aber ein Bäcker, ein Metzger und ein kleiner Supermarkt mit regionalen Produkten.“ 

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ethnografische notizen 284: frankreich 2021 (4/14)

Intermarché, Saint-Dié-des-Vosges (2021)

„Vive la modernité“, sagt die Frau hinter mir lakonisch, als ich zum zweiten Mal in diesem Urlaub die Supermarktkasse lahmlege.

Ein paar Tage zuvor war es ein Patisson, ein weißer, platter Gartenkürbis, den ich kaufen wollte. „Den müssen sie aber wiegen“, sagt die Kassiererin etwas ungnädig und schickt mich zurück zum Gemüse.

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ethnografische notizen 280: köln in zeiten von corona

In insgesamt 22 Interviews haben Gastronom*innen, Köch*innen, ein Konditor, ein Bartender, ein Kochschulinhaber, eine Hoteldirektorin und ein Gastrojournalist erzählt, wie es ihnen während der Schließungen ging. In Phase 2 stelle ich wiederum drei Fragen zur aktuellen Lage.

Interview mit Johannes Langenstück und Felix Schmid, La Fonda

Felix Schmid und Johannes Langenstück, La Fonda (Foto: privat)

Im März haben die beiden jungen Köche die Küchenleitung des Restaurants La Fonda von Daniel Reinhardt (Küchendirektor seit der Eröffnung 2018) übernommen. Im gemeinsamen Interview erklären sie, wie die Pandemie auch nach Wiedereröffnung den gastronomischen Alltag bestimmt.

Wie war die Wiedereröffnung?

Johannes Langenstück: Spannend, weil wir uns in einer Situation befinden, die noch keiner von uns jemals mitgemacht hat. Weiterlesen

ethnografische notizen 279: köln in zeiten von corona

In 20 Interviews haben Gastronom*innen, Köch*innen, ein Konditor, ein Bartender, ein Kochschulinhaber, eine Hoteldirektorin und ein Gastrojournalist erzählt, wie es ihnen während der Schließungen geht. Diese erste Phase ist seit vergangenem Montag nun vorbei. Bevor ich aber mit neuen Fragen an den Start gehe (denn vorbei ist das alles noch lange nicht), verlassen wir kurz die Domstadt und widmen unsere Aufmerksamkeit einem Restaurant auf dem Land.

Interview mit Daniel Lengsfeld, Gasthaus Scheiderhöhe, Lohmar

Daniel Lengsfeld, Gasthaus Scheiderhöhe, Lohmar (Foto: privat)

Nach diversen Stationen in Berlin, u.a. als Küchenchef bei Tim Raue im Hotel Adlon Kempinski und einem Gastspiel in der Kölner Innenstadt übernahm der 35-Jährige zu Beginn des Jahres mit seiner Partnerin Stephanie Schulze das Gasthaus Scheiderhöhe in Lohmar.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Für uns kam das schleichend. Wir hatten noch keine offizielle Information, dass wir zumachen mussten, aber ich hatte von den Kollegen in Köln mitbekommen, dass die Stadt die komplette Schließung verordnet hatte. Weiterlesen