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ethnografische notizen 227: sachstand

25 Mai

Es ist viel passiert, auch wenn hier in den letzten Monaten eher wenig zu lesen war. Selbst als Freiberufler muss man sich die Zeit zum Schreiben nehmen! Daher ein dieser Stelle ein Blick zurück und einer nach vorne – bevor es mit den ethnografischen Notizen und anderen Texten weitergeht:

Geländegang

Gelände-Gang: Johannes J. Arens, Jan C. Maier, Tobias Becker und Danny Frede (v.l.n.r.), Köln 2017

Gelände-Gang: Johannes J. Arens, Jan C. Maier, Tobias Becker und Danny Frede (v.l.n.r.), Köln 2017

Ein Jahr lang waren Jan C. Maier und Tobi Becker (Restaurant maiBeck), Danny Frede (Fotografie) und ich unterwegs in der Region, um Menschen zu besuchen, die mit Leidenschaft Lebensmittel produzieren. Ein weiteres Jahr haben wir gebraucht, um Texte, Bilder und Rezepte in Form zu bringen. Wohl in kein anderes Projekt habe ich jemals mehr Herzblut, Liebe, Schweiß und Tränen investiert als in den Geländegang. Und nie habe ich mehr zurückbekommen – danke Boys!

224 Seiten für spektakuläre € 16,80 auf www.gelaendegang.de.

Soulfood Düren

Wiemele & Wormele – Soulfood Düren

Wiemele & Wormele – Soulfood Düren

Die erste Runde des Projekts  ist geschafft. Im Auftrag von Düren Kultur habe ich mich ein gutes Jahr auf die Suche nach der kulinarischen Identität gemacht. Das war – obwohl ich die Stadt seit Kindertagen kenne – sehr aufregend und manchmal sogar ziemlich exotisch. An drei Abenden habe ich mich im Talkshowformat mit Dürener*innen über Essen und Trinken, die Stadt und das Leben unterhalten. Danke an Dieter Powitz von Düren Kultur für das Vertrauen, mich einfach so machen zu lassen und an Richard Bühl vom Dacapo-Mobil für die kulinarische Untermalung! Zur Vorbereitung habe ich unzählige Gespräche geführt, war viele Tage in der Stadt unterwegs und habe viel geschrieben.

Jacqueline Derichs, Café Bremen, Aldenhoven 2017

Jacqueline Derichs, Café Bremen, Aldenhoven 2017

Ein bisschen was aus der ersten Runde kommt noch – nämlich die Interviews mit Supermarkt-Chef Pascal Klein-Günnewick, mit Bäcker-Shooting-Star Jacqueline Derichs und dem Pulled Pork-Master Justin Jansen. Aber dabei wird es nicht bleiben, denn auch wenn die Arbeit vor Ort manchmal ein wenig zäh war, ist die Stadt viel zu interessant, um jetzt schon aufzuhören! Mit ein bisschen Glück und Budget wird es neue Termine geben und an neuen Ideen für das Projekt feile ich auch bereits. Düren rocks!

tagnacht und GastroGuide Euregio

Auch wenn ich Restaurant-Kritiken nicht zu meinem Kerngeschäft zählen würde bin ich natürlich gerne beim hauptberuflichen Essen dabei. Seit ein paar Jahren schon beim GastroGuide Euregio – gerade frisch auf dem Markt – und in 2017 erstmals bei tagnacht für Köln. Nicht nur als Tester und Texter („Die Expertise des Gastes“) sondern im Februar sogar vertretungsweise in der Redaktion.

KISD – Köln International School of Design

Eine ganz besondere Ehre wurde mir mit dem Short Term Project „Light oder Zero“ bei der TH Köln zuteil. Dank an Lisa Janßen für die Vermittlung. Zwei Wochen lang habe ich mit Studierenden aus Deutschland, Belgien, Italien, Portugal, Schottland, Japan und Taiwan die Zusammenhänge zwischen Lebensmittelverpackungen und Genderkonstruktionen untersucht. Herausgekommen sind spektakuläre Produkte für girly girls und tough guys, the undecided & the irritated …

Tea, Yoghurt & Jam für Tough Guys, KISD SS 2017

Tea, Yoghurt & Jam für Tough Guys, KISD SS 2017

Le Petit Appétit, KISD SS 2017

Le Petit Appétit, KISD SS 2017

Wunderpillen für Girly Girls, KISD SS 2017

Wunderpillen für Girly Girls, KISD SS 2017

Als Gastdozent habe ich außerdem einen Beitrag zur Vortragsreihe KISD-talks – Theories and Practice of Design geleistet und einen Vortrag zum Thema „Brötchentüte – Design & Culinary Diversity“  gehalten.

Summer of Supper

Und weil der Mensch nicht nur vom Schreiben lebt, stehe ich mitunter auch immer wieder mal in der Küche. Beispielsweise beim Summer of Supper im Marieneck, Köln-Ehrenfeld. Nach den wunderbaren CoWorking Erfahrungen mit Nata Simons und Margarete Morché in diesem Jahr direkt zwei Mal.

Am 15. Juli mit der wunderbaren Freitagsrunde (Joerg Utecht, Marco Kramer, Nata Simons, Bernd Labetzsch und Torsten Goffin).

„Robert, Suzette und die anderen – eine essbare Zeitreise“

Die 80er sind kulinarisch nahezu in Vergessenheit geraten. Sauce Robert und Crêpes Suzette, Ragout fin und Pommes Duchesse – nur noch vage Erinnerungen. Zu Unrecht! Die Freitagsrunde nimmt die Supper-Gäste mit auf eine Zeitreise in die aufregenden Jahre zwischen Nouvelle Cuisine und Fusion Food.

Und am 29. Juli mit meinem kulinarischem Kumpel Lukas Bontke:

„Das Rumtopf-Prinzip“

Dieses Supper geht weit über den Sommer hinaus! Schon im Januar haben wir angefangen alles zu jagen und zu sammeln, was Feld, Wald und Wiese so hergeben. Seitdem wird unermüdlich gedörrt und geräuchert, eingesalzen und fermentiert. Wie bei einem klassischen Rumtopf, kommt dazu, was gerade Saison hat. Vom schwarzen Rettich bis zum Mangalica, vom Bärlauch bis zum Waldmeister. Am Ende steht ein fulminanter Rückblick auf die erste Jahreshälfte in sieben Gängen.

ethnografische notizen 226: museum ludwig/köln

5 Feb
Daniel Spoerri | La table de Robert | 1961 Dieter Roth | Schokoladenplätzchenbild | 1969 Jasper Johns | Bread | 1969

Daniel Spoerri | La table de Robert | 1961
Dieter Roth | Schokoladenplätzchenbild | 1969
Jasper Johns | Bread | 1969

Nach meinem Besuch in der Gemäldegalerie Berlin, untersuche ich diesmal kursorisch die Sammlung des Museum Ludwig in Köln auf die Darstellung und Präsenz von Essen und Trinken.

James Rosenquist | Star Thief | 1980 Georg Schrimpf | Schweinehirt | 1923 Francis Bacon | Painting 1946, Second Version | 1971

James Rosenquist | Star Thief | 1980
Georg Schrimpf | Schweinehirt | 1923
Francis Bacon | Painting 1946, Second Version | 1971

Dass in einem Haus mit Schwerpunkt auf Pop-Art einiges zu finden ist, überrascht nicht. Wohl aber, dass genau diese Kunst, deren Motive vielfach aus der Welt der Unterhaltung und des Konsums stammen, eher unappetitlich daherkommt. Das mag an der gesellschaftskritischen Haltung jener Richtung liegen, an der Tatsache, dass Lebensmittel als künstlerisches Material im Laufe der Jahre dem Verderb erliegen und vielleicht auch daran, dass in den 1960er und 70er Jahren, der Begriff „food porn“ vermutlich noch eine ganz andere Bedeutung hatte (die ich an dieser Stelle lieber nicht vertiefen möchte).

Pablo Picasso | o. A. Renato Guttuso | Caffè Greco | 1976 Howard Kanovitz | The Opening | 1967

Pablo Picasso | o. A.
Renato Guttuso | Caffè Greco | 1976
Howard Kanovitz | The Opening | 1967

ethnografische notizen 225: berlin 2017/02

20 Jan

Garten der Lüste – Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin

Abgelegen zwischen irgendwie Parkplätzen und Baustellen, an denen mit diesen Temperaturen irgendwie niemand arbeitet. Das Niemandsland des Potsdamer Platzes ist nach Wende aus der Mitte hierhergerutscht. Irgendwie, alles irgendwie. Unmengen von Rollsplit, die, auch jetzt, wo das Eis der letzten Wochen nicht mehr da ist, nicht weggekehrt werden. Die beiden älteren Damen vor mir versuchen, das Gebäude durch die mittlere Eingangstüre zu betreten. Die macht aber keine Anstalten sich zu öffnen. Ich halte ihren die rechte Türe auf, während sie sich die Schuhe an der Schmutzmatte abstreifen.

Frans Snyders | Stilleben mit Hummer und Früchten | o.J. Kopie nach Hieronymus Bosch | Der Garten der Lüste | um 1550/60 Jan Davidsz de Heem | Früchte und Blumenkartusche mit Weinglas | 1651

Frans Snyders | Stilleben mit Hummer und Früchten | o.J.
Kopie nach Hieronymus Bosch | Der Garten der Lüste | um 1550/60
Jan Davidsz de Heem | Früchte und Blumenkartusche mit Weinglas | 1651

Am Eingang unterhält sich eine blonde Wächterin (in Zivil) mit ihrem schnauzbärtigen Kollegen (in Uniform) über die Überstundensituation. Weil ich nicht stören möchte, frage ich eine Kollegin im Nachbarraum nach der Hieronymus Bosch-Ausstellung. Da scheine ich nicht der erste zu sein. Sehr verbindlich weist sie mir den Weg und begleitet mich sogar ein paar Schritte. Bevor sie an ihren Platz zurückkehrt, bitte ich noch um Erlaubnis, mit dem Handy und ohne Blitz fotografieren zu dürfen. „Selbstverständlich“, sagt sie.

Frans Hals | Catharina Hooft mit ihrer Amme | um 1619/20 Jan Gossaert | Der Sündenfall | um 1525 Nicolaes Maes | Alte Frau beim Apfelschälen | um 1655 Meister des Gereon-Altars | Marienaltar aus St. Gereon | um 1420/30

Frans Hals | Catharina Hooft mit ihrer Amme | um 1619/20
Jan Gossaert | Der Sündenfall | um 1525
Nicolaes Maes | Alte Frau beim Apfelschälen | um 1655
Meister des Gereon-Altars | Marienaltar aus St. Gereon | um 1420/30

In Raum Römisch Zwei (Deutsche Malerei) berührt ein kleines Mädchen mehr oder weniger unbeabsichtigt den Rahmen eines Bildes und erschrickt ob des durchdringenden Alarmtons. Eine jüngere Frau mit zwei auf den Hals tätowierten Sternen, einem knielangen Pullover (schon wieder ein Pullover) und einer schwarzen Carharrt-Mütze durchquert den Saal.

Joachim Antonisz Wtewael | Küchenstück mit dem Gleichnis vom Großen Gastmal | 1605 Anne Vallayer-Coster, Stilleben mit Schinken, Flaschen und Radieschen, 1767 Pieter Bruegel d.Ä., Die niederländischen Sprichwörter, 1559

Joachim Antonisz Wtewael | Küchenstück mit dem Gleichnis vom Großen Gastmal | 1605
Anne Vallayer-Coster, Stilleben mit Schinken, Flaschen und Radieschen, 1767
Pieter Bruegel d.Ä., Die niederländischen Sprichwörter, 1559

Im der dann doch irgendwie überschaubaren Sonderausstellung sitzen weitere ältere Damen in kurzen Tweed-Jackets und flauschigen Pullovern auf schwarzen Plastikklappstühlen und kleben an den Lippen eines jüngeren Kunsthistorikers. Als er ihre Aufmerksamkeit auf eine Kopie des Gartens der Lüste lenkt, drehen sie ihre Stühlchen synchron um einen Viertelschlag nach rechts.

Quinten Massys | Die thronende Madonna | um 1525 Meister des Hausbuchs | Das Abendmahl | um 1475/80 Pieter Aertsen | Marktfrau am Gemüsestand | 1567

Quinten Massys | Die thronende Madonna | um 1525
Meister des Hausbuchs | Das Abendmahl | um 1475/80
Pieter Aertsen | Marktfrau am Gemüsestand | 1567

Ich verlasse die Schau und spaziere chronologisch an den Höhepunkten westeuropäischer Kunstgeschichte vorbei. Dürer, Cranach, Holbein. Einiges kommt mir sehr bekannt vor. Van Eyck, Bruegel, Bosch. „Das auch hier?“, denke ich. Rubens, Rembrandt, Vermeer. Lauter Juwelen, versteckt in einem unscheinbaren, beinahe unsichtbaren Museum mit noch unspektakulärerer Bezeichnung.

Hendrick ter Brugghen | Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht | o.J. Matteus Stom | Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht | o.J. Willem Kalf | Stilleben mit chinesischer Porzellandose | 1662

Hendrick ter Brugghen | Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht | o.J.
Matteus Stom | Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht | o.J.
Willem Kalf | Stilleben mit chinesischer Porzellandose | 1662

„Man müsste“, sage ich wenig später beim Lunch zu meinem Berliner Freund P., „man müsste mal das ganze klassizistische Gerümpel von der Museumsinsel aufräumen.“ Ich gerate in Fahrt. „Antikensammlung interessieren doch eigentlich nur ein Nischenpublikum.“ Relikte fragwürdiger preußischer Ideale, die den Bürger durch die Erbauung vor griechischen Statuen zum Maßhalten aufriefen und ihn so regier- und beherrschbar machen sollten. „Edle Einfalt, stille Größe“, oder so. Und irgendwie immer noch.

Denn die Dicken und die Alten, die Hässlichen und die Gierigen, die Maßlosen und die Fleischigen, die Obszönen und die Geilen – wohnen weiterhin unbemerkt irgendwo zwischen Parkplatz und Baustelle im Zonenrandgebiet am Potsdamer Platz. Es lohnt sich, sie dort einmal zu besuchen!

Jan Steen | So de Ouden songen, so pypen de jongen | u, 1663 Jan Vermeer | Das Glas Wein | um 1661|62 Simon Marmion | Szenen aus dem Leben des hl. Bertin | 1459

Jan Steen | So de Ouden songen, so pypen de jongen | u, 1663
Jan Vermeer | Das Glas Wein | um 1661|62
Simon Marmion | Szenen aus dem Leben des hl. Bertin | 1459

Gemäldegalerie

Staatliche Museen zu Berlin | Kulturforum

Matthäikirchplatz 6 | Berlin

ethnografische notizen 224: berlin 2017/01

17 Jan

Nach dem Kino laufen wir über den Kottbusser Damm zurück nach Neukölln. J., der eine Woche gefastet hat, spricht den ganzen Abend schon von einem halben Döner, den er gerne essen möchte. Mir jedoch ist nicht nach der anderen Hälfte. Auf halbem Weg landen wir als Kompromiss im Burrito-Fenster. Mit einem Beef und einem vegetarischen Burrito – beide scharf und mit extra Guacamole – nehmen wir im Verkaufsfenster des ehemaligen Spätis platz. „Nix los heute Abend“, sagt J. und schaut über die Straße in Richtung des koreanischen Grillrestaurants.

Burritofenster Berlin, Januar 2017

Burritofenster Berlin, Januar 2017

Die Tortilla kann, wenn sie von feiner und gut durchgequetschter Masse, gut gebacken ist und ganz frisch in einer sauberen Serviette geboten wird, vollkommen befriedigen (…) Da man aber leider nicht immer frische Tortillas bekommt, wenn man keine eigene Tortillera zur Verfügung hat, so hilft man sich, indem man die kalt gewordenen am offenen Feuer röstet (…)“

Cäcilie Seler, Mexikanische Küche. In: Zeitschrift für Volkskunde 19 (1909)

Mehr zum Burrito hier.

ethnografische notizen 223: kochkäs

7 Dez
Schichtkäse, Edeka Weiterstadt, Dezember 2016

Schichtkäse, Edeka Weiterstadt, Dezember 2016

Während Freund F. Schlange steht, streune ich durch die Gänge des Edeka im hessischen Weiterstadt. Auf der Suche nach regionalen Produkten werde ich hier ziemlich schnell fündig. Kräutermischung für Frankfurter Grüne Soße in der Tiefkühlabteilung, Odenwälder Blutwurst in der Fleischtheke, Frankfurter Äpfelwein im Getränkelager und Schichtkäse bei den Molkereiprodukten.

Handgeschöpfter Schichtkäse nach „altbewährter Tradition“ lese ich auf der durchsichtigen Plastikverpackung. Darin, noch einmal in Papier gepackt, 500 Gramm Edelquark mit zehn Prozent Fett in der Trockenmasse. Der Unterschied, so lese ich später bei Wikipedia, liegt vor allem in den unterschiedlichen Fettstufen der einzelnen Schichten. Bei genauerer Betrachtung entdecke ich an der Seite des Papiers ein Rezept für selbstgemachten Kochkäse. Den kann man zwar auch in rheinischen Supermärkten kaufen, aber meine Neugier ist geweckt. Zumal ich vor gut einer Woche mit einer Original-Odenwälderin im Kölner Exil ein Gespräch über Kochkäs führte. „Kennst du Kochkässchnitzel?“, fragt sie mich, nachdem das Thema auf ihre Heimatregion gekommen ist. Ich nicke und kann ihr mit der Alten Dorfmühle in Auerbach sogar den Ort benennen, an dem ich zum ersten Mal ein solches vorgesetzt bekam. „Endlich mal jemand, der Kochkässchnitzel kennt“, sagt sie erleichtert. „Wir machen Kochkäs“, sage ich zu F., als wir wieder zusammenfinden und lege den Schichtkäse in den Einkaufswagen. „Dann brauchen wir noch Natron“, sagt er, denn auch wenn er bis dato noch nie selbst Käse hergestellt hat, sind ihm als Biologen die Grundlagen der Küchenchemie vertraut.

Zubereitung von Kochkäse, Büttelborn, Dezember 2016

Zubereitung von Kochkäse, Büttelborn, Dezember 2016

Mit Butter, Natron und Salz verrühren wir am nächsten Tag den Quark, den wir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 24 Stunden auf einem Sieb haben abtropfen lassen. Dann muss er noch einmal zwei Stunden stehen und wird dann im Wasserbad auf maximal 42 Grad erhitzt. Zum Mittagessen braten wir Kartoffeln in der einen, sorgsam paniertes Schweineschnitzel in der anderen Pfanne. „Nur das Beste“, sagt F., „nur mit Eigelb paniert!“ Er verschweigt, das selbiges noch vom Lebkuchenbacken am Vortag übrig ist, aber das ist eine andere Geschichte. Ein bisschen später sitzen wir am Tisch und beobachten, wie der Käse langsam in die Panade schmilzt.

Kochkässchnitzel, Büttelborn, Dezember 2016

Kochkässchnitzel, Büttelborn, Dezember 2016

„Jetzt ist unser Magen mit einer resistenten Schicht ausgekleidet“, sage ich nach dem Essen. „Wir könnten Salzsäure trinken“, sagt F., „was essen wir als nächstes?“

ethnografische notizen 222: muschelessen

18 Nov
Oh les belles moules, Muschelabend in der Vincaillerie, Köln, November 2016

Oh les belles moules, Muschelabend in der Vincaillerie, Köln, November 2016

Wir sind früh dran in Ehrenfeld und somit die ersten. Von der Venloer biegen wir in die Leostraße. Vor der Vincaillerie, in der heute ein experimentelles Miesmuschel-Dinner mit Weinbegleitung stattfindet, sitzen Leute auf dem Fensterbrett. In der Dämmerung kann ich nichts genaues erkennen. Weiterlesen

ethnografische notizen 221: schwarzmarkt

26 Sep

6. Schwarzmarkt | 25.09.2016 | Marieneck | Köln-Ehrenfeld 

Marieneck, September 2016

Marieneck, September 2016

Vom halbjährlichen Schwarzmarkt gibt’s diesmal keinen Erfahrungsbericht und auch kein Video, sondern eine schlichte Auflistung aller Produkte, die getauscht wurden – weil man viel zu schnell vergisst, was die anderen (und manchmal auch was man selbst) mitgebracht hat. Weiterlesen

ethnografische notizen 220: AHOI 3 – kochen mit geflüchteten jugendlichen

3 Aug

Es regnet in Strömen. Als ich am Ludwig Forum ankomme, habe ich bereits nasse Füße. Ein Junge steht in der Tür der Museumsschreinerei und mustert mich, wie ich mit Taschen und Tüten über den Hof laufe. Ich grüße und gehe nach hinten in die temporäre Küche, krame unsere Einkäufe auf den großen Tisch in der Mitte. Die Messer im Schrank sind nicht sonderlich scharf, aber das hatte ich auch nicht erwartet in einer improvisierten Küche. Zwei Induktionsplatten, eine große und eine kleine Elektroplatte und ein ziemlich professioneller Ofen gibt es. Die ersten Jugendlichen treffen ein und begutachten die Zutaten auf dem Tisch. Mexikanische Mole soll es geben, gemischtes Gemüse aus dem Ofen, Korianderreis und Pickled Onions. Vegan muss es sein (für das Ordnungsamt) und irgendwie kompatibel für Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft (für die hungrigen Jugendlichen). Eine kleine kulinarische Brücke in die Region wollen wir bauen, mit rheinischem Rübenkraut, Aachener Pflümli und Kräuterprinten.

Mole, Gemüse, Korianderreis und Pickled Onions – AHOI 3, Aachen (August 2016)

Mole, Gemüse, Korianderreis und Pickled Onions – AHOI 3, Aachen (August 2016)

„Sind Sie Koch?“, werde ich gefragt. „Nein“, antworte ich, „ich koche aber gerne.“ Für den Rest des Nachmittags bin ich „der Chef“. „Die hier ist die Chefin“, sage ich und zeige auf Christiane V., Geschäftsführerin der Region Aachen, die gerade mit dem geputzten Gemüse aus dem Waschraum kommt. „Aha“, sagt einer der Jungs, „sie ist DER GENERAL.“ Das ist zwar überhaupt nicht zutreffend, aber auch irgendwie sehr lustig. Weiterlesen

ethnografische notizen 219: diner en blanc de cologne 2016

30 Jul

Auch in diesem Jahr blieb das „Diner en Blanc“ für eine Stadt wie Köln verhältnismäßig klein. (Notiz für 2017: Als „Ovendesse en Wieß“ kommunizieren und Kölsch-Ausschank ankündigen!).

Nichtsdestotrotz entpuppte sich der Mediapark als entzückende Location; Essen, Stimmung und Wetter waren hervorragend und unten am Wasser kamen wir auch der benachbarte Pokemon-Arena nicht ins Gehege.

Die statistische Auswertung der servierten Speisen dauert noch an. Demnächst mehr auf dieser Seite …

 

 

danmark #005 – røde pølser

21 Jul
Hotdog, Århus 2016

Hotdog, Århus 2016

Die Bude in der Fußgängerzone von Århus verfügt über eine große Auswahl an Wurstsorten. Frankfurter, Pølser (rote dänische Wurst) und Medister (grobe skandinavische Bratwurst). Außerdem noch einmal alles im Speckmantel, „i svøb“ auf dänisch, was laut Übersetzungsapp „im Grabtuch“ bedeutet. Weiterlesen