Über johannesarens

Johannes J. Arens Journalist und Autor (Jahrgang 1975) • 1996-2002 Studium Mode- und Textildesign in Maastricht und Arbeit als Stylist in Amsterdam • 2002-2006 Zweitstudium Kulturanthropologie, Niederländisch und Kunstgeschichte in Bonn • 2008-2010 Ressort Politik und Leben der Zeitschrift MÄNNER in Berlin • seit 2008 freier Mitarbeit taz und Kölner StadtRevue thematische Schwerpunkte • Esskultur • Kulturgeschichte der Euregio Maas-Rhein • Diskurs um Rassismus, Sexismus und Homophobie

ethnografische notizen 287: frankreich 2021 (7/14)

Merguez & Couscous in Denipaire / French Tacos in Saint-Dié-des-Vosges (09/2021)

Nach der ganzen Frankreichfolklore mit Austern, Paté und Weißwein von der Loire ist mir für abends ausnahmsweise mal nach einem anderen Horizont. In einem der riesigen Supermärkte in den allgegenwärtigen Industriegebieten streife ich durch die Frischeabteilung als mein Blick auf eine schwarze Styroporschale mit Merguez fällt.

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ethnografische notizen 286: frankreich 2021 (6/14)

Oignons de Roscoff, 09/2021

Gegen Mittag, nachdem ich mir im örtlichen Decathlon eine Badehose gekauft habe, begeben wir uns vollständig in die Folklore – wir fahren nach Roscoff.

Die Straße hinaus zur Spitze der Halbinsel ist gesäumt von Gemüsefeldern. Um diese Jahreszeit gibt es vor allem Kohl und Artischocken, deren Köpfe in verschiedenen Formen (schlank und länglich oder rund und dick) und Farben (blassgrün bis tiefviolett) über die Feldränder ragen. Ein riesiges, handgemaltes Schild verweist auf den Verkauf von „oignons – produit de terroir“.

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ethnografische notizen 285: frankreich 2021 (5/14)

Ein gedeckter Tisch und eine Statue.
Pâté Lorrain / Ban-de-Sapt

Auf dem Schrank in der Küche liegt ein Gästebuch, eingebunden in dunkles Leder. Drinnen befinden sich zahlreiche begeisterte Einträge, die meisten davon auf Französisch, gemischt mit ein paar niederländischen und deutschen Danksagungen. „Hier hinten“, sagt Amélie, unsere Gastgeberin, „hier gibt es ein paar Adressen zum Einkaufen. Nichts Großes, aber ein Bäcker, ein Metzger und ein kleiner Supermarkt mit regionalen Produkten.“ 

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ethnografische notizen 284: frankreich 2021 (4/14)

Intermarché, Saint-Dié-des-Vosges (2021)

„Vive la modernité“, sagt die Frau hinter mir lakonisch, als ich zum zweiten Mal in diesem Urlaub die Supermarktkasse lahmlege.

Ein paar Tage zuvor war es ein Patisson, ein weißer, platter Gartenkürbis, den ich kaufen wollte. „Den müssen sie aber wiegen“, sagt die Kassiererin etwas ungnädig und schickt mich zurück zum Gemüse.

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ethnografische notizen 283: frankreich 2021 (3/14)

Pêche a pied, Bretagne 09/2021

„Dahinten buddeln ein paar Leute“, sagt P., nachdem wir beim ersten Strandspaziergang auf einige wenige appetitliche Herzmuscheln gestoßen sind. Ich erinnere mich an die Urlaubsbilder von der Atlantikküste, die uns Freunde im Sommer schickten – mit selbstgesammelten Muscheln und wildem Fenchel, kurz in Olivenöl sautiert. „Dahinten“ aber bedeutet etwa einen Kilometer in die Bucht hinein, denn gerade ist Ebbe. Aber bei den Muschelsuchern bleibt es ohnehin bei zwei einzelnen Herren, die irgendwann zur Aperitifstunde erfolglos wieder abziehen. Vermutlich Hobbyisten, vielleicht sogar Urlauber.

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