ethnografische notizen 281: frankreich 2021 (1/14)

Bretagne / Vogesen (September 2021)

Zwei Jahre nicht in Urlaub zu fahren, ist nicht besonders schwierig. Man fährt einfach nicht. Eine Mischung aus nicht dürfen, sollen und/oder wollen. Wohin denn auch?

Und außerdem hatte es immer wieder Jahre gegeben, in denen wir aus ganz unterschiedlichen Gründen zuhause geblieben waren. Nach zwei Jahren wieder in Urlaub zu fahren, ist hingegen ein sehr viel größere Herausforderung. Auch hier erst einmal die Frage nach dem „wohin“, dann aber auch das „wie eigentlich“? Das bisherige Prozedere mit zwei bis drei beieinander liegenden Regionen, einer Route vorbei an Würsten, Käsen und Weinen, sowie ein Maximalaufenthalt von zwei Nächten pro Stadt schien noch nicht wirklich praktikabel. Die Auswahl eines Restaurants für den Abend, so ganz en passant beim Flanieren durch die Stadt, schien trotz sinkender Infektionszahlen auf beiden Seiten der Grenze noch in weiter Ferne zu liegen.

„Weißt du noch“, sage ich, „diese kleine Wohnung am Strand in Saint-Michel-en-Grève?“ Vor vier Jahren, zwei Tage in einer ruhigen Bucht an der Côte d‘Armor im Norden der Bretagne. Ein würfelförmiger Raum mit Blick auf das Wasser, mit Zwischendecke und unten Küche, oben Schlafgelegenheit, das Bad auf halber Treppe. Alles schlicht und trotzdem so luxuriös. Dass wir irgendwann mal wiederkommen würden, sagten wir damals. Gesagt, getan, gebucht.

Anfang September sitzen wir vor dem Haus und schauen auf den Strand. In der zweiten Woche wird es weitergehen zum Wandern in die Vogesen. Und auch wenn ich vor lauter Aufregung die Badehose vergesse – es geht noch, das Verreisen. Man kommt schneller wieder rein als gedacht. Und nicht nur das sich mit den Gezeiten ständig verändernde Meer, sondern auch die zwangsläufige Selbstversorgung auf dem alten Gasherd eröffnen neue kulinarische Perspektiven.