La France en Pâtisserie – 30 Euro für ein bisschen Gebäck?!

La France en Pâtisserie – nach der Schlacht (Foto: Jennifer Braun)

„Das ist für mich eine Erinnerung an eine seltsame Zeit“, antwortet mein Freund Marco als ich ihm den Link zu unserem Startnext-Projekt schicke. „Mein ganzes Leben ist gerade eine Erinnerung an seltsame Zeiten“, schreibe ich gutgelaunt zurück. Denn knapp neun Monate nach Beginn der Pandemie zeigen sich auch beruflich wieder Perspektiven am Horizont. Dabei ist alles ein bisschen anders, vieles neu.

Crowdfunding ist so eine für mich unbekannte Erfahrung. Menschen geben Geld, für etwas das es noch nicht gibt, weil sie es schön oder wichtig finden und weil sie gerne möchten, dass das Vorhaben realisiert wird. Dafür bekommen sie dann ein „Dankeschön“, wie das auf Startnext heißt. In unserem Fall also ein Buch, denn wir crowdfunden ein Buch.

Die Geschichte hinter diesem Projekt ist dabei noch schöner als die Summe seiner Einzelteile. Die Einzelteile bestehen aus 14 Rezepten, 14 Reportagen, 14 eleganten Studiofotografien und einem innovativen Layout. Die Geschichte dahinter ist die einer wundersam organisch gewachsenen kreativen Kooperation.

Hier noch ein weiteres Mal die Genese im Schnelldurchlauf: Reise geplant, Pandemie bricht aus, Reise abgesagt, Fernweh geblieben und Konzept geschrieben. Interessant aber wird es erst, als die Food-Fotografin mich fragt, wer das denn alles fotografieren (und aufessen) soll. Erst dann wird aus der Beschäftigungsmaßnahme mit Bloganschluss ein kreatives Projekt, eine fruchtbare Kooperation, in der wir die Ideen und Visionen des Gegenüber fördern und fordern.

Im August erreichen wir etwas atemlos nach zwei Wochen intensiver Arbeit unser Ziel: die Erkundung der französischen Pâtisserie-Kunst in Wort und Bild, in Gebäck und Selbsterfahrung. Aber schon während wir verschnaufen wird uns klar, dass es schade wäre, jetzt schon aufzuhören. Was, so überlegen wir, wenn wir ein Buch draus machen würden? Das Problem beim Buchmachen ist dabei weniger das Produkt an sich als vielmehr Vermarktung, Vertrieb und Verschickung nach der Drucklegung – also eben das, was normalerweise ein Verlag übernehmen würde. Der aber hat verständlicherweise weniger Interesse an Texten, die schon unterwegs sind und gelesen wurden.

Que faire? Aus dem Dunstkreis des Quartiers am Hafen kommt die Idee des Crowdfundings und wir sagen: Pourquoi pas?

Mit an Bord geht kurz darauf Monika Koch, Kommunikationsdesigner aus Aachen, die ich in meinem letzten festen Job in Aachen kennen und lieben gelernt habe. „Es gibt da zwei Möglichkeiten“, sage ich am Telefon zu ihr, nachdem ich das Projekt erläutert habe, „wir könnten dich einkaufen …“ „Ich nehme die andere Option“, unterbricht sie mich. Und damit steht unser Crowdfunding-Team und ich bin ganz gerührt, wenn ich darüber nachdenke, was aus meiner kleinen Idee geworden ist.

Und während wir mit Sicherheitsabstand zwischen und Kuchen vor uns überlegen, was genau wir da eigentlich machen wollen, wird deutlich, dass wir die Freiheit des Crowdfunding nutzen und keine Kompromisse machen wollen. Nicht in den Texten, nicht in der Fotografie, nicht in der Gestaltung und auch nicht bei der Ausstattung des Buchs.In der ersten Zoom-Konferenz nach dem Angebot der Druckerei gehen wir die erste Kalkulation durch. Das Buch wird teurer werden als wir ursprünglich mal gedacht haben. Obwohl wir für uns drei kein Honorar eingestellt haben, aber eben, weil wir nicht im Internet drucken wollen, sondern in einer regionalen Druckerei, geführt von zwei Schwestern in zweiter Generation. Wir beschließen, dass wir auch hier kompromisslos sein wollen. 30 Euro für ein bisschen Gebäck sind es uns wert!

https://www.startnext.com/la-france-en-patisserie

Von den im August hier publizierten Texten sind vorübergehend nur der Prolog und der Epilog übriggeblieben. Wir sind zwar kein Verlag, aber verkaufen wollen wir ja trotzdem …