ethnografische notizen 269: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Silvia Beuchert, Café Jakubowski

Silvia Beuchert, Café Jakubowski, Köln (Foto: privat)

Seit 14 Jahren führt die Initiatorin der Mülheimer Nacht das nach einem ehemaligen Hausbewohner benannte Café auf der Mülheimer Freiheit.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Wir haben die Information am Montagnachmittag bekommen, das war der 16. März – das Datum werde ich nie vergessen. Ich hatte aber am Vortag schon eine Teamsitzung einberufen, weil klar war, dass am Beginn der Woche die Entscheidung getroffen werden würde. Wir haben uns dann Sonntagabend zusammengesetzt und sind schon mal alles durchgegangen, was passieren könnte. Das war gut, dass wir uns in der Runde noch einmal getroffen haben, das hat alle ein bisschen beruhigt. Am Montag dann hatten wir noch normal geöffnet. Als dann irgendwann die Meldung kam, waren wir alle sehr verunsichert. Keiner wusste ja so richtig, was jetzt wann passieren würde. Aber das was kommt, war ja irgendwie klar. Wir haben dann direkt geschlossen und den Verkauf eingestellt. Da sind die meisten vom Team noch einmal gekommen, das war sehr emotional. Wir alle hatten erst einmal Existenzängste, ich selber hatte die Angst, mein Team nicht versorgen zu können. Wir haben dann zusammen aufgeräumt, was wiederum sehr schön war. Wir haben die Lebensmittel aufgeteilt, und einiges noch im Stadtteil an Obdachlose verteil. Als wir irgendwann abgeschlossen haben, da hat sich das sehr komisch angefühlt, gleichzeitig total real und surreal.

2. Was machst du gerade?

Ich nutze die Zeit. Es gibt so viele Dinge, die ich vorher nicht geschafft habe, die mache ich jetzt. Ich wollte schon ganz lange unsere Karte verändern und andere Lieferanten suchen. Das was mir wichtig ist mal zusammenzubringen – fairer Handel, Nachhaltigkeit und Herstellung. Das machen mein Küchenchef und ich beide von zuhause. Das Bürokratische habe ich größtenteils schon erledigt und kümmere mich jetzt um die Dinge, die ich eben schon ganz lange machen wollte. Ich bin aber noch jeden Tag im Café und gucke. Das ist so ein Ritual für mich, irgendwie muss ich da immer hin. Alles ist geputzt und geschrubbt, aber ich muss da trotzdem immer hin und gucken.

Außerdem bin ich gerade sehr eng mit meiner Familie, mit meinem Partner. Es ist sehr ruhig und still hier und das fühlt sich gut an. Seit langer Zeit habe ich mal Momente von Ruhe und Langsamkeit. Ich genieße das sehr, trotz der Krise, die leeren Straßen, kaum Flugzeuge, die wenigen Schiffe auf dem Rhein …

3. Was wirst du als erstes machen, wenn die Krise vorbei ist?

Wir werden uns alle hier im Café treffen. Das fehlt mir sehr, wir sind eine tolle Truppe und ich möchte mein Team hier bekochen. Dann wird‘s einen großen Tisch geben mit Pasta aus der Schüssel und dann werden wir uns begrüßen und in die Arme nehmen. Das haben wir jetzt sehr lange nicht getan. Dann freue ich mich sehr auf die Gäste.

Es wird danach in jedem Fall eine Entschleunigung geben, das ist mir ganz wichtig. Für den Laden, aber auch für mich persönlich möchte ich mehr Zeit. Diesen D-Zug – ich habe das vorher gar nicht gemerkt – den werde ich stoppen. Es fühlt sich gerade an, als würde man wieder mal zu Fuß gehen. Das möchte ich auf das Café übertragen. Ich hoffe, dass wir alle etwas aus der Krise mitnehmen. Das ist mein großer Wunsch.