ethnografische notizen 263: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Marcello Caruso & Anna Siena, Caruso Pastabar

Anna Siena & Marcello Caruso, Caruso Pastabar, Köln (Foto: privat)

Das aus Neapel stammende Paar betreibt seit 2013 die Caruso Pastabar am Barbarossaplatz.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Zuerst wussten wir nicht, wann die Entscheidung für Deutschland kommen würde. Wir haben ja viel aus Italien mitbekommen und haben darauf gewartet, dass irgendwann auch hier etwas passieren würde. Bis zum Wochenende war der Laden immer noch komplett ausgebucht, wir waren da auf einer guten Welle. Freitag und Samstag war das schon komisch, weil trotz der Krise so viele Leute bei uns im Laden waren. Das hatten wir so nicht erwartet. Froh ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber wir waren erleichtert, als der Laden dann zu war. Wir sagen immer: Hauptsache gesund bleiben! Das war also die richtige Entscheidung. Wir haben das als ein positives Signal empfunden, das uns, unseren Gästen und unseren Familien Sicherheit gibt.

2. Was macht ihr gerade?

In der ersten Tagen haben wir uns mit dem Kosten beschäftigt und alles runtergefahren. Wir haben das Kühlhaus ausgeschaltet, die übriggebliebene Ware noch verarbeitet und mit nach Hause genommen. Fast vier Tage haben wir noch Broccoletti gegessen, aber das war trotzdem lecker. Wir genießen die Zeit zuhause. Ehrlich gesagt waren wir noch nie so lange zu dritt zusammen. Noch nie. Das ist für uns etwas Neues, unser Sohn ist gerade mal zwei Jahre alt. Die Zeit ist gut für ihn. Er versteht immer mehr und will mithelfen, wenn Papa kocht. Das ist schön. Wir genießen die Zeit, kochen sehr viel und probieren viele Sachen hier zuhause aus.

Es ist aber trotzdem alles irgendwie absurd, was wir gerade erleben. Wir bekommen von unseren Eltern mit, wie es in Italien gerade läuft. Da darf man gar nicht mehr rausgehen, hier hat man ja noch die Möglichkeit, vor die Türe zu gehen. Wir haben so ein Glück hier – noch! Wir hoffen, dass das noch so bleibt, dass wir auch weiterhin nach draußen gehen können und nicht ganz zuhause eingesperrt werden.

Wir freuen uns gerade sehr über die Rückmeldungen unserer Gäste. Wir bestätigen normalerweise die Reservierungen immer noch einmal mit einer SMS, deshalb haben die unsere private Handynummer. Viele wollen wissen, wie es uns eigentlich geht. Manchen schicken uns Fotos vom Kochen zuhause und sagen: „Wir denken an euch. Unsere Pasta ist aber nicht so lecker wie eure.“  Andere bieten uns Unterstützung an, schlagen uns Gutscheinaktionen vor oder schicken uns Informationen über die Soforthilfen der Bundesregierung. Das ist sehr schön, dass diese Gedanken bei uns ankommen. Das erwarten man in so einem Moment ja nicht, weil eigentlich alle mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt sind.

3. Was werdet ihr als erstes machen, wenn die Krise vorbei ist?

Wir vermissen unsere Familien sehr, deshalb werden wir erst den Laden aufmachen und dann sofort die Besuche organisieren. Wir werden sofort Flüge buchen, entweder kommen die nach Deutschland oder wir nach Italien. Wir möchte alle wieder umarmen, das vermissen wir sehr. Wir wohnen ja hier in Köln, deshalb sehen wir uns nicht so oft. Man denkt in dieser Zeit sehr viel darüber nach, was eigentlich wirklich wichtig ist. Wir werden deshalb ein bisschen mehr Zeit zu dritt verbringen. Jetzt wird uns gerade deutlich, dass die Familie und die Gesundheit die wichtigsten Sachen im Leben sind. Dann erst kommt der Rest.