ethnografische notizen 261: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Mechti Erhard, Bambule Kaffeebar

Mechti Erhard, Bambule Kaffeebar, Köln (Foto: privat)

Die gelernte Kamerabühnenassistentin machte sich 2013 mit einem kleinen Café in Kalk-Kapelle selbstständig.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Das war schwer, weil wir ja immer noch nicht wissen, wie es weitergeht. Andererseits war das eine erlösende Nachricht, dass die Stadt Köln uns verbietet, zu öffnen. Damit wurde uns diese Verantwortung abgenommen. Das war sehr erleichternd, muss ich sagen. Ich konnte den Laden ja nicht schließen. Wenn du freiwillig schließt, verwirkst du damit ja sämtliche Ansprüche an Versicherer, dann bekommst du gar nichts. Deshalb fiel es schwer, die letzten zwei Tage vor Schließung überhaupt aufzumachen, weil man ja eben doch die Verantwortung hat. Ich hatte die Hoffnung, dass wenig Gäste kommen und die sich dann an die Regeln halten. Als dann die Nachricht kam, habe ich gedacht: „Ok, wir können zumachen.“ Das war erleichternd und im nächsten Moment aber emotional. Es ist etwas anderes, als wenn man den Laden für die Betriebsferien zumacht, was wir ja zwei Mal im Jahr für zwei Wochen machen. Diesmal auf unbestimmte Zeit zu schließen, das war schon komisch. In den Tagen danach habe ich gemerkt, wie viel mehr da dazu gehört, wenn man den Laden „coronafest“ machen will.

Im aktuellen Team sind derzeit fünf Mitarbeiterinnen, allesamt Minijobber. Getroffen haben wir uns nicht mehr. Eine von ihnen war eh in Quarantäne, wegen eines Verdachtsfalls, der sich zum Glück nicht bestätigt hat. Eine andere hat mir spontan noch beim Saubermachen und Aufräumen geholfen. Ansonsten sehen wir uns nicht, haben aber ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Wir schreiben uns per WhatsApp und ich versuche, alle auf dem Laufenden zu halten. Gerade ist eh jeder noch mit sich selbst und der eigenen Organisation beschäftigt.

2. Was machst du gerade?

Ich bin jetzt gerade noch dabei, den Laden auf ein Minimum runterzufahren, damit auch die Geräte komplett ausgeschaltet werden können. Ich gucke, dass nicht irgendwas abläuft, was man lieber noch verteilen kann. Ansonsten habe ich viel im Büro gesessen und die Buchhaltung so auf Anschlag gebracht, als würde man den Laden komplett schließen wollen. Um zu gucken, welche finanziellen Mittel ich noch habe, wenn ich alles wirklich zusammenrechne. Ich arbeite eigentlich also noch jeden Tag für die Bambule, da laufen täglich Gespräche mit dem Steuerberater, Gespräche mit der Versicherungsberaterin und mit der Minijobzentrale. Nebenbei initiiere ich gerade ein Netzwerk der Unternehmer*innen hier in Kalk. Da habe ich heute morgen mal eine Verteilerliste angelegt.

Man macht sich so seine Gedanken: Will ich auch eine Crowdfunding-Maßnahme machen? Ist der Zeitpunkt jetzt schon dafür da? Ist das überhaupt richtig? Jetzt müssen wir die nächsten ein, zwei Tage noch einmal abwarten, um zu schauen, was die Soforthilfemaßnahmen bringen.

Ich habe zwei Kinder, ein schulpflichtiges und eins in der Kita. Mein Mann ist Kameraassistent, der ist momentan auch zuhause, weil die ja nicht drehen dürfen. Bei uns ist jetzt home schooling angesagt. Wir stehen alle ein bis anderthalb Stunden später auf und fangen um 09.00 dann mit Schule und Kita an. Das geht dann bis um 12.00, dann machen wir Mittagessen. Das ist schon eine Anstrengung. Wir Erwachsenen sind beide schon sehr gerne beruflich unterwegs, immer schon. Mir blutet da echt das Herz und ich bin froh, wenn ich dann mal für zwei, drei Stunden in die Bambule kann, auch wenn ich selber jetzt mittlerweile seit zwei Wochen gesundheitlich angeschlagen bin. Ich kann aber nicht ganz ohne.

3. Was wirst du als erstes machen, wenn die Krise vorbei ist?

Kaffee! Obwohl ich gestern auch die Maschine anhatte. Ich werde erst einmal alle meine Mitarbeiter umarmen und sowieso alle, die man jetzt nicht in den Arm nehmen kann. Dann werde ich gute Gespräche führen mit den Kunden, in der ersten Zeit vermutlich noch viel über Corona. Ich werde wieder regelmäßig backen, Kaffee machen und meinen normalen Alltag wieder bestreiten. Das sind die Dinge, die ich wieder tun werde. Also eigentlich alles wie vorher.