ethnografische notizen 257: köln in zeiten von corona

24 Mrz

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Valentine Mühlberger, Bar Rix

Valentine Mühlberger, Bar Rix, Köln (Foto: privat)

Der Önologin eröffnete vor zwei Jahren ihre Weinbar in der Kölner Innenstadt.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Ich hatte am Freitag noch eine Veranstaltung und am Samstag wollte ich eigentlich schließen, dann kamen aber doch noch Leute. Da war mir schon ein bisschen unwohl bei. Das Zumachen habe ich dann ein bisschen wie in Trance erlebt. Ich fand das jetzt nicht wahnsinnig traurig, weil es ja eine zwangsläufige Maßnahme war. Weil ich aber ja erst vor zwei Jahren aufgemacht habe, fühlte sich das schon komisch an und ich erinnere mich gerade oft an diese Zeit. Damals habe ich auch renoviert und war voller Vorfreude auf die Eröffnung. Beim mir ist das Zumachen ansonsten im Prinzip einfach, ich habe ja nur Wein und nichts Verderbliches. Ein paar Sachen, ein bisschen Käse und Schinken, habe ich mit nach Hause genommen und mir ein paar hübsche Flaschen rausgesucht.

2. Was machst du gerade?

So eine Bar, so ein Gastrobetrieb, das ist ja ein lebender Organismus. Ich habe da schon ein sehr intensives Verhältnis zu, weil ich da so viel Zeit verbringe. Heute war ich mal nicht im Laden, ansonsten versuche ich schon täglich hinzugehen und vor Ort was zu machen. Ich habe sofort mit den Renovierungsarbeiten angefangen zu denen man sonst nicht kommt – Parkett ölen zum Beispiel. Am Montag war ich direkt nochmal im Baumarkt, das war ja auch nicht klar, wie lange das noch alles aufhaben würde. Der Schreiner hat mir so einen Kasten für den Fernseher gebracht, damit ich bei den Weinproben auch Bilder zeigen kann. Den habe ich erst mal montiert. Ich habe neue Weinregale besorgt und müsste auch meinen Keller mal aufräumen. Sachen, die man halt so macht.

Dann bereite ich mich intensiv auf die Weinproben vor, die ich irgendwann machen werde – wann auch immer. Außerdem habe ich – das darf man ja kaum laut sagen – ein paar Biohöfe kontaktiert, in Sachen Erntehilfe. Ich werde auch noch ein paar Winzer an der Ahr ansprechen, ob die da Leute brauchen. Es ist schon dramatisch, wenn man von heute auf morgen kein Einkommen mehr hat.

Die Hilfen, die man bekommt, dämmen die Ausgaben, aber bringen ja trotzdem keine neuen Einnahmen. Da muss man sich was einfallen lassen.

3. Was wirst du als erstes tun, wenn die Krise vorbei ist?

Momentan schwanke ich noch zwischen „mich ins Bett legen und richtig losflennen“ – was ich immer noch nicht gemacht habe – und der klassischen Vogel-Strauß-Politik, zwischen „jetzt erst recht“ und „wie soll das alles werden?“.

Was ich als erstes tun werde, weiß ich noch nicht. Ich mache auf jeden Fall eine Flasche Wein auf. Vielleicht denke ich mir eine Aktion aus, einen Prickler für fünf Euro das Glas oder so. Und dann werde ich natürlich die neuen Events und Proben bewerben. Ich habe noch zwei Winzer, die im Juni kommen wollen. Das sind tolle Sachen und es ist ja doch eine Community, die Freude am Wein hat. Das werden wir dann ganz bewusst zelebrieren müssen.