ethnografische notizen 256: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Marco Kramer, Kochschule Marieneck

Marco Kramer, Kochschule Marieneck, Köln (Foto: privat)

Der IT-Experte und Sommelier betreibt seit 2007 zwei Kochschulen an den Standorten Ehrenfeld und Mülheim.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Ich war gerade bei einem Event, als ich von dieser Verfügung auf Facebook gelesen habe. Das war am Samstag. Am nächsten Morgen hätten wir noch einen Spanisch-Kochkurs gehabt, da wollten alle noch kommen. Gegen 9 war ich dann schon auf dem Weg nach Ehrenfeld als wir entschieden haben, dass wir den Kurs absagen werden. Das fühlte sich dann direkt richtig und auch gut an. Die Entscheidung der Stadt Köln war so geschneidert, dass es da keinen Ausweg gab – alle Veranstaltungen mussten abgesagt werden! Das haben wir dann gemacht. Am Sonntag und am Montag haben wir dann mit den Servicekräften die Location in Ehrenfeld zugemacht. Das war schon ein ungewohnter Abschied, sowas machen wir eigentlich sonst gar nicht. Wir haben die Heizung runtergestellt und alles so weit wie möglich runterzufahren. Das gleiche haben wir dann einen Tag später auch in Mülheim gemacht. Da kannten wir das dann schon, aber für mich war das noch schlimmer, weil ich den Servicekräften Tschüss sagen musste. Wir werden uns lange nicht sehen, das wird mir fehlen.

2. Was machst du gerade?

Ich habe mir eine Liste gemacht mit allem was ich tun muss, mit allem was vorher auf der Halde gelandet ist. Sachen wie Inventur aufbereiten, alles für den Jahresabschluss fertig machen. Ich habe letzte Rechnungen geschrieben und mir Gedanken über die Haftungsverhältnisse unserer oHG klarwerden. Danach habe ich noch ganz viel eingekocht. Ich habe Weckgläser gekauft, um das ganze Obst und Gemüse zu verarbeiten.

Ansonsten mache ich viel mit der Familie und wir versuchen den Tag zu strukturieren. Das ist für die Kinder aber auch für mich selber ganz wichtig, dass nicht schon wieder plötzlich Abend ist.  Wir frühstücken, dann macht der Kleine zwei Stunden Schule. Wir gehen lange mit dem Hund raus, essen zu Mittag und dann kochen wir auch schon fürs Abendessen. Es dreht sich viel ums Essen und Trinken. Mein Motto ist derzeit „schlechte Zeiten, guter Wein“. Ich bin so ein bisschen deprimiert, weil ich die Menschen nicht sehe, die fehlen mir tatsächlich. Da trinken wir dann eine Flasche aus meinen Weinvorräten. Das geht von 1998 bis 2010 etwa. Das ist schon ein teures Vergnügen, macht aber auch Spaß. Endlich hat man einen Grund, die guten Flaschen zu trinken.

3. Was wirst du als erstes tun, wenn die Krise vorbei ist?

Ich werde alle Kunden kontaktieren. Ich habe 21 Events, die ich absagen musste – Junggesellinnenabschiede, Geburtstage. Die werde ich alle kontaktieren. Nicht alle Leute von den Kochkursen haben sich das Geld zurückzahlen lassen. Denen habe ich Gutscheine geschickt und die ersten haben sich für Kochkurse im November angemeldet. Ich werde dann auch Events unter der Woche anbieten und in den Sommerferien. Ich freue mich darauf, wieder ganz viel mit den Leuten zu kommunizieren und zu kochen. Außerdem wird es eine kleine Party mit dem Service geben.