ethnografische notizen 254: köln in zeiten von corona

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Jan C. Maier, Restaurant maiBeck

Jan C. Maier, Restaurant maiBeck, Köln

Der 42-Jährige betreibt seit 2013 mit seinem Kompagnon Tobias Becker das Restaurant in der Altstadt. Das Lokal hat über Karneval gerade seine 14-tägige, jährliche Schließung hinter sich.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Wir hatten uns eigentlich schon ein paar Tage vorher überlegt, auf eigene Initiative zuzumachen. Insofern war das für uns kein großer Schock, sondern eher ein logischer Schritt und eine Entwicklung, auf die wir gewartet haben. Wir haben das aber letztendlich bewusst hinausgezögert, bis zu dem Punkt, wo wir amtlich schließen mussten, damit wir eventuell auch Schadensausgleich beantragen können. Der Tag der Anordnung war irgendwie skurril, weil wir am Vormittag erst eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet hatten, um mit allen kommunizieren zu können. Wir hatten ursprünglich für Mittwoch eine Personalversammlung anberaumt, um uns darauf einzuschwören, diese schwierige Zeit gemeinsam zu bestreiten. Dann kam die Mitteilung der Stadt Köln und wir haben einfach alles einen Tag vorgezogen und uns am nächsten Morgen schon getroffen. Wir haben uns dann zusammengesetzt und die notwendigen Maßnahmen besprochen – über die wir viel nachgedacht haben vorher. Dann haben wir den Laden dicht gemacht und alles gemacht, was so zu tun ist –Kühlhäuser versorgt, Waren versorgt oder verschenkt. Brot, Eier, Milch aufgeteilt und die angetrunkenen Weinflaschen leergemacht. Das war eher so eine Art erleichterte Ferienstimmung. Für mich persönlich war das eine große Erleichterung. Am Tag der Schließung sind Tobi und ich dann als letzte gegangen, weil wir noch ein Vorstellungsgespräch geführt haben.

2. Was machst du gerade?

Wir haben in den letzten Tagen eigentlich immer ein paar Stunden gearbeitet – Kurzarbeit beantragt und mit dem Steuerberater gesprochen. Der administrative Bereich geht ja einfach weiter, da gibt es keine große Veränderung. Das operative Geschäft hingegen steht komplett still. Da haben wir uns allen eine vierzehntägige Sperre auferlegt, in der wir uns alle nicht sehen und treffen. Es geht auch um Signale, die wir mit unserem eigenen Verhalten setzen wollen. Wir sehen uns nicht und wir treffen auch niemanden anders.

Privat bin ich gerade sehr viel Zuhause, das hat schon etwas von Urlaubsstimmung. Mit dem Plus, dass man einfach viel nachdenkt und sich unterhält. Man telefoniert auch länger, weil man das irgendwie passieren lässt. Das sind alles positive Faktoren, die irgendwie herzwärmend sind und guttun.

3. Was wirst du als erstes tun, wenn die Krise vorbei ist?

Essen kochen, essen servieren. Es wird einfach wieder losgehen, wir haben keine besonderen Aktionen geplant. Natürlich brennt man darauf, weiter zu machen, aber wir haben nicht vor, alles umzukrempeln. Dafür sind wir viel zu zufrieden damit, wie es vorher war. Wir werden einfach wieder loslegen und es wird voll sein.

Ehrlich gesagt, halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Gastronomie irgendetwas grundlegend ändern wird, für relativ gering. Das ist der Zeitpunkt, an dem man nichts ändern muss, weil sich ja alles andere gerade ändert. Normalerweise musst du in der Gastronomie immer innovativ sein, du musst immer überlegen, was du als nächstes machst. Aber der Moment der Wiedereröffnung ist ja automatisch einzigartig und interessant, weil man wieder unter Leute gehen kann.