ethnografische notizen 251: köln in zeiten von corona

Restaurant Bali im Belgischen Viertel/Köln, 19.03.2020

Die Krise wird die Gastronomie hart treffen! Klar, die Krise wird viele hart treffen – mich als Soloselbstständigen zum Beispiel, dem in wenigen Tagen sämtliche Aufträge für das laufende Jahr weggebrochen sind – aber Gaststätten sind nun mal das gesellschaftliche Feld, in dem ich mich am besten auskenne. Daher werde ich auch jetzt, in Zeiten von Corona, weiter über Restaurants, Cafés und Imbisse schreiben.

Zwei Dinge scheinen mir in diesem Zusammenhang und zu diesem Zeitpunkt wichtig: Zum einen, dass wir uns jetzt schon, in der Krise, gemeinsam Gedanken darüber machen, wie es DANACH weitergehen soll mit der kulinarischen Landschaft dieser Stadt. Zum anderen, dass wir die ganz unterschiedlichen Strategien sammeln, mit denen die Menschen JETZT mit den sehr plötzlichen neuen Herausforderungen umgehen.

Gestern erklärte der Medizin-Historiker Karl-Heinz Leven von der Universität Erlangen-Nürnberg im Deutschlandfunk, dass die Auseinandersetzung mit einem viralen Erreger immer auch Impulse gibt. „Man kann damit rechnen, dass solche Katastrophen, solche Krisen, so schlimm sie dann auch jeweils einschlagen, auch Innovationsprozesse in Gang setzen.“

Derzeit haben hier in Köln alle Restaurants auf Dauer geschlossen. Niemand weiß, wie lange diese Schließungen dauern werden, aber klar ist jetzt schon – sie werden einerseits einen großen Schaden verursachen, andererseits aber auch eine außergewöhnliche kreative Energie provozieren.

Die kann man jetzt schon spüren. Mit viel Fantasie und Flexibilität werden gerade Botschaften an die Gäste ausgedruckt, Schilder gemalt und innovative Konzepte ausgetestet, um den Laden vielleicht mit einem Liefer- oder Abholservice über Wasser zu halten. Diese Anstrengungen will ich dokumentieren.

In den nächsten Wochen werde ich daher immer wieder Runden durch die verschiedenen Veedel in der Stadt drehen – alleine, mit dem Rad, im gebotenen Abstand zu anderen Menschen und mit dem Presseausweis in der Hand. Heute zum Beispiel war ich im Belgischen Viertel unterwegs und habe mir angeschaut, wie viele Menschen in eine Bäckerei passen, wo man Cocktails bestellen kann und wer gerade die Zeit zur Renovierung nutzt.

Aber irgendwann möchte man ja auch mal wieder mit Menschen sprechen, deshalb wird es ein zweites Format geben. Ich werde mit Gastronom*innen telefonieren und immer die gleichen drei knappen Fragen stellen. Wie war das, den Laden zuzuschließen? Was machst du jetzt gerade? Was wirst du als erstes tun, wenn die Krise vorbeigeht?

Den Anfang macht morgen Eric Werner mit seinem Restaurant „astrein“ auf der Krefelder Straße, der mich in einem Telefonat auf die Idee gebracht und der mir eben erklärt hat, warum er glaubt, dass wir mit zwei blauen Augen davonkommen werden.

Bleibt gesund und bleibt zuhause!