ethnografische notizen 234: france 2017/07

18 Jun
Andouillette/Andouille, Brest, Juni 2017

Andouillette/Andouille, Brest, Juni 2017

Zu jeder ordentlichen Frankreichreise gehört ein weiterer Selbstversuch in Sachen Andouillette. Für die glücklichen Unwissenden: Dabei handelt es sich um eine „saucisse cuite à base de tube digestif de porc dans un boyau“ um es einmal wohlklingend auszudrücken (Kalicky/de la Forest, Les meilleurs produits francais, Vanves 2015). Zu deutsch: Kochwurst aus dem Verdauungstrakt von Schweinen in einem Darm. Das Problem dabei ist – Frankreich liebt seine Andouillette und ich würde so gerne verstehen warum! Seit Jahren schon. Aber jedes Mal, wenn ich wieder einen Versuch starte, ist das Essen gelaufen, weil ich den Geschmack nicht mehr loswerde. Und jedes Mal gibt es danach einen Franzosen oder eine Französin, die dann mit mitleidiger Miene sagen: „Dommage, dann war die wohl nicht gut zubereitet.“ Mehr über mein zwiegespaltenes Verhältnis zu verzehrfähigem Darm an dieser Stelle.

Nun denn, auch in diesem Jahr denke ich wieder „une dernière fois“ und fasse nach der zweiten Tasse Cidre Mut. In der Crêperie Le Roi Gradlon bestelle ich ein Crêpe (interessanterweise sagt man hier in Brest nicht mehr Galette) aus Buchweizenmehl, gefüllt mit Camembert, Kartoffeln und Andouille. Also keine Andouillette, sondern die kleine Schwester, die laut Wikipedia stärker gewürzt ist, wodurch der Eigengeschmack der Innereien weniger im Vordergrund stünde.

Die Crêperie ist offensichtlich ein Familienbetrieb. Maman steht hinter der Crepière, Sohn und Tochter stemmen den Service des an diesem Samstagmittag fast voll belegten kleinen Restaurants. Die Familie neben uns bestellt eine zweite Flasche Cidre, die älteren Herrschaften nach je einem herzhaften und einem süßen Crêpe noch ein Dessert. Der junge Mann bringt unsere Teller. Vorsichtig schneide ich das Paket auf. Kartoffeln und Käse … und dann die typische Struktur der hauchdünn gerollten Innereien. Ebenso vorsichtig führe ich eine erste Gabel zum Mund. Butter, Kartoffeln, Käse … und dann, weit entfernt, der Geschmack von Innereien. Mit Abstand gar nicht mal so schlimm.

Crêperie LE ROI GRADLON | 19 Rue Fautras | Brest

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