ethnografische notizen 223: kochkäs

7 Dez
Schichtkäse, Edeka Weiterstadt, Dezember 2016

Schichtkäse, Edeka Weiterstadt, Dezember 2016

Während Freund F. Schlange steht, streune ich durch die Gänge des Edeka im hessischen Weiterstadt. Auf der Suche nach regionalen Produkten werde ich hier ziemlich schnell fündig. Kräutermischung für Frankfurter Grüne Soße in der Tiefkühlabteilung, Odenwälder Blutwurst in der Fleischtheke, Frankfurter Äpfelwein im Getränkelager und Schichtkäse bei den Molkereiprodukten.

Handgeschöpfter Schichtkäse nach „altbewährter Tradition“ lese ich auf der durchsichtigen Plastikverpackung. Darin, noch einmal in Papier gepackt, 500 Gramm Edelquark mit zehn Prozent Fett in der Trockenmasse. Der Unterschied, so lese ich später bei Wikipedia, liegt vor allem in den unterschiedlichen Fettstufen der einzelnen Schichten. Bei genauerer Betrachtung entdecke ich an der Seite des Papiers ein Rezept für selbstgemachten Kochkäse. Den kann man zwar auch in rheinischen Supermärkten kaufen, aber meine Neugier ist geweckt. Zumal ich vor gut einer Woche mit einer Original-Odenwälderin im Kölner Exil ein Gespräch über Kochkäs führte. „Kennst du Kochkässchnitzel?“, fragt sie mich, nachdem das Thema auf ihre Heimatregion gekommen ist. Ich nicke und kann ihr mit der Alten Dorfmühle in Auerbach sogar den Ort benennen, an dem ich zum ersten Mal ein solches vorgesetzt bekam. „Endlich mal jemand, der Kochkässchnitzel kennt“, sagt sie erleichtert. „Wir machen Kochkäs“, sage ich zu F., als wir wieder zusammenfinden und lege den Schichtkäse in den Einkaufswagen. „Dann brauchen wir noch Natron“, sagt er, denn auch wenn er bis dato noch nie selbst Käse hergestellt hat, sind ihm als Biologen die Grundlagen der Küchenchemie vertraut.

Zubereitung von Kochkäse, Büttelborn, Dezember 2016

Zubereitung von Kochkäse, Büttelborn, Dezember 2016

Mit Butter, Natron und Salz verrühren wir am nächsten Tag den Quark, den wir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 24 Stunden auf einem Sieb haben abtropfen lassen. Dann muss er noch einmal zwei Stunden stehen und wird dann im Wasserbad auf maximal 42 Grad erhitzt. Zum Mittagessen braten wir Kartoffeln in der einen, sorgsam paniertes Schweineschnitzel in der anderen Pfanne. „Nur das Beste“, sagt F., „nur mit Eigelb paniert!“ Er verschweigt, das selbiges noch vom Lebkuchenbacken am Vortag übrig ist, aber das ist eine andere Geschichte. Ein bisschen später sitzen wir am Tisch und beobachten, wie der Käse langsam in die Panade schmilzt.

Kochkässchnitzel, Büttelborn, Dezember 2016

Kochkässchnitzel, Büttelborn, Dezember 2016

„Jetzt ist unser Magen mit einer resistenten Schicht ausgekleidet“, sage ich nach dem Essen. „Wir könnten Salzsäure trinken“, sagt F., „was essen wir als nächstes?“

Eine Antwort to “ethnografische notizen 223: kochkäs”

  1. Thea 7. Dezember 2016 um 17:54 #

    Ich liebe die Produkte von Hüttenthal. Gott sei Dank ist „mein“ Käsemann umme Ecke quasi der Berliner Vertriebler dafür. Leider wurde hier der Schichtkäse aus dem Angebot genommen; ich war wohl die einzige Kundin dafür. Und Kochkäse beschäftigt mich auch schon eine ganze Weile.

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