danmark #005 – røde pølser

21 Jul
Hotdog, Århus 2016

Hotdog, Århus 2016

Die Bude in der Fußgängerzone von Århus verfügt über eine große Auswahl an Wurstsorten. Frankfurter, Pølser (rote dänische Wurst) und Medister (grobe skandinavische Bratwurst). Außerdem noch einmal alles im Speckmantel, „i svøb“ auf dänisch, was laut Übersetzungsapp „im Grabtuch“ bedeutet. Eine ältere Frau, mit ihren Taschen und Tüten offensichtlich mitten im Einkauf, steht an der Seite des Geschäfts. Sie verzehrt einen Hotdog und trinkt dazu „Cocio“, eine dänische Kakaosorte, aus einer Glasflasche. Ich bestelle zwei Hotdogs. „Ristede eller røde?“ fragt die junge Rockabilly-Style-Verkäuferin. Und wer sich nicht vorstellen kann, wie viele Buchstaben man maximal in einem dänischen Satz weglassen kann, der weiß es spätestens nach dieser Frage. Ob es eine „geröstete“ Wurst sein soll oder eine rote, eine Brühwurst. „Rot bitte.“ Mit einer Zange gibt sie zwei Würstchen von einem Metallbehälter in einen nächsten, dessen Temperatur sie mit einem digitalen Thermometer misst. Weiche Brötchen werden aufgeschnitten und in ein Pølser-Papier gelegt. „Mit allem?“ „Ja bitte.“ „Alles“ besteht in diesem Fall aus Ketchup, Hotdogsoße und Senf aus hängenden Behältern, der Plastikzitzen vage an Kuheuter erinnern. Außerdem ziemlich grob gewürfelte rohe Zwiebeln, gewöhnliche Röstzwiebeln und süßlich eingelegte Gurkenscheiben, die die Wurstverkäuferin sorgfältig mit ihrer Zange in gleichmäßigen Abständen obenauf platziert. Der Mann hinter mir bestellt ebenfalls eine rote Wurst. „Eine dicke!“

Auslage Slagter Riget, Århus 2016

Auslage Slagter Riget, Århus 2016

Als wir später trotz des Regens die Bruunsgade hinauflaufen, werden wir am oberen Ende mit einer großen, traditionellen Metzgerei belohnt. Wir schauen uns die Wurstauslage im Schaufenster an, bis mir auffällt, dass ich – nicht nur für die Recherche, sondern auch für unser Abendessen – genauso gut etwas kaufen könnte. Hinter der Theke wiegt eine junge Frau Fleischwaren. Davor reinigt ein Kollege im gleichen Alter mit einer Sprühflasche die Glasfronten. Beide sagen laut und deutlich „Hej“. Durch eine Türe kann man in die Wurstküche schauen, in der weitere Menschen arbeiten und ebenfalls grüßen. Einen davon finde ich später als einen der beiden tätowierten Metzger auf dem Firmen-Flyer zurück. Unter dem Porträt der beiden schwarz gekleideten Männer sind die Vorteile eines Einkaufs bei „Slagter Riget“ aufgezählt. Aufgelistet wird die Qualität des Fleisches, die Bedienung durch Fachpersonal und die Besinnung auf traditionelles (auf Dänisch „gammeldags“ Handwerk). Außerdem handele es sich um passionierte Wurstmacher mit Schlachter-Charme. Was will man mehr? Wir kaufen vier røde pølser zum Kartoffelsalat.

„I Love Junkfood“ , Århus 2016

„I Love Junkfood“ , Århus 2016

„De gode gamle“, steht auf dem kleinen schwarzen Schild in der Auslage, „die guten Alten“.Und in der Tat sind die dänischen roten Würste ein schönes Beispiel für eine nachhaltige Erfolgsgeschichte. Würste, wenn es sich nicht gerade um sehr ausgefallene lokale Spezialitäten handelt (die zumeist nur vor Ort geliebt werden) sind einander oft sehr ähnlich. Eine Tatsache, die man nicht immer und überall erwähnen darf, da sie bei Produzenten und Verteidigern der Sache zu größerem Unmut führen kann. Aber nehmen wir zum Beispiel ein gewöhnliches Brühwürstchen. Das heißt hier Wiener, dort vielleicht Frankfurter. Es unterscheidet sich vielleicht in der Größe, vielleicht im Holz mit dem es geräuchert wurde, im Feinheitsgrad des Wurstteigs oder in seiner Würzmischung. Aber im Grunde genommen, für den weniger ambitionierten Verbraucher, bleibt es ein Würstchen. Es gilt also, dieses, das eigene Würstchen als unverwechselbar zu markieren, ihm ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen. Nicht leicht, sind die den Kunden zumutbaren Grenzen doch eher eng gesteckt. Eine Wurst dänischer Herkunft (ob Rezept und/oder faktische Herstellung) hingegen ist überall schon durch ihre Farbe als solche zu erkennen.