Kas|sen|zet|tel 025

20 Jun

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Alnatura Nippes, Köln 2016

Alnatura Nippes, Köln 2016

Vor dem Eingang des Alnatura-Marktes sitzen Frauen auf den Betonblöcken, die Einkäufe vom naheliegenden Wochenmarkt auf dem Wilhelmplatz in gelben und weißen Plastiktüten in der Hand und warten. Daneben drei Zeugen Jehovas, die den Wachturm in der Hand gegen professionelle Werbestationen auf Rädern getauscht haben. Auch ein mittelgroßer schwarzweißer Hund wartet. Auf was, kann man in allen Fällen nicht wirklich sagen. Auf die Ehemänner, auf das Weltengericht oder vielleicht auf den nächsten Schauer.

„Du meinst also, wir brauchen mehr Tempo“, sagt eine Supermarktangestellte zu ihrer Kollegin, die gerade Waren in eine flache Kühltheke sortiert. Richtig dynamisch wirken beide nicht unbedingt.

Kassenzettel 025, Köln 2016

Kassenzettel 025, Köln 2016

An der Kasse legt eine Mutter, zumindest kauft sie ein paar Kinderprodukte, ein wenig Tempo zu, um vor mir ihre Einkäufe aufs Band legen zu können. Ich halte lediglich zwei Flaschen dunkles bayerisches Bier in der Hand. Soviel Zeit hat sie also nicht gewonnen.Der junge Mann an der Kasse neben uns ruft die Kollegin von vorhin. „Kannst du mal rangehen“, sagt er, „der Markus ist am Telefon.“ Hinter mir klingelt ein Handy. „Wenn sie um die 80 ist, brauchen sie nichts zu machen. Sonst geben sie ihr vorher schon was.“ Offensichtlich eine Ärztin und vermutlich telefoniert sie mit den Angehörigen einer Person mit Diabetes. Als ich mich umdrehe, bin ich überrascht, wie jung sie ist.

Im Warenauffang finde ich einen quadratischen mit Kugelschreiber verfassten, mit Sternchen verzierten Einkaufszettel.

  • 2 x Windeln
  • Gnocchis
  • Champignons
  • Sahne
  • Salat + Beilage
  • Paprika
Kassenzettel 025

Kassenzettel 025

Der Schrift nach zu urteilen eine Frau, die vielleicht beim Verfassen der Liste angerufen wurde und rechts oben gedoodelt hat. Die Windeln sprechen für mindestens ein Kind im Säuglingsalter. Ob die in biologischer Qualität hier gekauft wurden, oder in einem anderen Geschäft lässt sich nicht mehr herausfinden. In jedem Fall sind sie durch zwei Linien deutlich vom Rest der zu kaufenden Produkte abgetrennt, was auf getrennte Geschäfte schließen lassen könnte. Aus Italien scheint die Person in jedem Fall nicht zu stammen, dagegen sprechen der doppelte Plural der Gnocchi und die möglichen Kombinationen der restlichen Einkäufe. „Salat + Beilage“ finde ich in diesem Zusammenhang besonders interessant. Beilage zu was? Zum Salat? Mit dem Salat zu etwas anderem – einem Kalbsschnitzel, einem Lachskotelett oder einem Grünkernbratling etwa? Oder eben eine Beilage zu den Gnocchi?

Dieser Zettel ist eine Steilvorlage für ein Verlegenheitsmenü:

„Schatz, was kochen wir heute Abend?“

„Keine Ahnung, irgendwas mit Gemüse.“

„Willst Du Reis oder Pasta?“

„Nudeln!“

„Oder die Gnocchis hier. Die müssten langsam auch mal weg.“

„Gnocchis sind auch gut. Gehen schnell.“

Paprika, Champignons

Paprika, Champignons

Langsam gebratene Gnocchi mit langsam gegrillter Paprika

  • 3 rote Paprikaschoten
  • 250 g braune Champignons, geviertelt
  • 500 g Gnocchi
  • 1 EL braune Butter / 1 EL Schweineschmalz
  • alternativ 2 EL Olivenöl
  • 1 Knoblauchzehe
  • Pfeffer und Salz
  • 2 EL Sahne

Backofengrill auf höchste Leistung schalten und die kompletten Paprikaschoten langsam grillen, bis die Haut schwarz verkohlt ist. Dabei mindestens einmal drehen. 15 Minuten in einem geschlossenen Gefäß aufbewahren. Haut, Stengel und Samen entfernen. In Stücke schneiden.

Gnocchi in Salzwasser gar kochen, abtropfen lassen. Fett in einer großen Pfanne erhitzen, Gnocchi und Pilze langsam anbraten, bis sich auf den Kartoffeln eine goldbraune Kruste gebildet hat. Paprika untermischen. Mit Pfeffer, Pfeffer und Sahne abschmecken.

Gebratene Gnocchi mit gegrillter Paprika

Gebratene Gnocchi mit gegrillter Paprika

Kas|sen|zet|tel ist, wie alle Texte auf dieser Seite, ein unabhängiges Projekt, das in keinerlei Abhängigkeit zu den beschriebenen Supermarktketten steht.