soulfood düren – #001

8 Jun

Düren. Bis zum Herbst mache ich mich auf die Suche nach den kulinarischen Vorlieben, Erinnerungen und Gewohnheiten dieser Stadt mit deutschem Durchschnitt. Zwischen Köln und Aachen, zwischen hier und da. Ungeliebte Stadt, weggebombt und Annakirmes, Underdog, Papier. Reden wir drüber, denn sprechen über Essen und Trinken heißt sprechen über das Leben, die Liebe und die Stadt …

Soulfood Düren

Düren, Juni 2016

 

Filiale Bäckerei Moss

In der Filiale einer Aachener Bäckerei-Kette erklärt eine junge Verkäuferin einer offensichtlich neuen Kollegin, wie bestimmte Gebäcksorten in der Theke abzulegen sind. Lang – kurz – lang – kurz. Die dritte Servicekraft platziert meine Mohntatze mit einer Zange auf einen Teller und bittet mich zur Kasse.

Draußen gehen Männer und Frauen, in unterschiedlichen Sprachen telefonierend, an meinem Tisch vorbei, dessen gediegener Landhausstil seltsam deplatziert wird. Auf der anderen Straßenseite ist ein italienisches Eiscafé ohne Namen gut besucht. Zahlreiche Tische auf dem Gehweg, vorbei am City-Friseur, einem Tee- und einem Spielzeugladen. Wachstuchtischdecken mit großen roten Blumen. Zwischen den beiden Sonnenschirme eine gespannte Plane gegen den Regen. Eine Mülltonne in Form eines unten abgeschnittenen Eishörnchens. Ein Kellner mit zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Locken und einer roten Schürze bringt große Eisbecher mit hohen Bergen aus Sahne und tiefen Tälern aus Amarena. Darin stecken Waffeln in Herzform. Eine dünne Papierserviette mit einer aufgedruckten bunten Eistüte ist über die Straße geweht.

In einem der Geschäfte bellt ein heiserer Hund. Der Teeladen wirkt mit einem Plakat für Ice-Tea im Tetrapak. Über dem zweigeschossigen Nachkriegsgebäude ist ein Hinweis auf die nächstliegendste Mc Donald’s-Filiale angebracht. „Im StadtCenter Düren“, steht auf dem Schild, „1 Minute.“ Zwischen den gestutzten Platanen in der Mitte der Fußgängerzone wartet ein Verkaufsstand in Form einer riesigen Erdbeere auf Kundschaft. Eine mittelalte Frau in einem weiten, bunten Oberteil geht langsam Richtung Kreuzung, in der Hand einen länglichen Karton mit Erdbeeren.

Auf dem Vordach des Spielzeugladens grast eine als bunte Wiese angemalte Kuh aus Kunststoff. Die Straße rechts vom C&A heißt Kuhgasse und lässt vermuten, dass an dieser Stelle einmal etwas anderes verhandelt wurde als Billigbekleidung. Eine Handvoll Inder, Pakistani oder Bangladeshis geht Richtung Bahnhof. Die Männer, die sich angeregt unterhalten, nehmen keine Notiz von der älteren Frau mit einer Fair-Trade-Baumwolltasche, die ihnen entgegenkommt. Ein brauner UPS-Wagen biegt um die Ecke. „Weltweite Dienstleistungen“, steht auf der Seite, „wir synchronisieren die Welt des Handels.“ Eine junge Frau mit einem Pappbecher von Subway geht an mir vorbei. Ansonsten sind die Menschen hier, wie anderswo auch, mit ihren Smartphones beschäftigt.