Kas|sen|zet|tel 019

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Türkischer Supermarkt am Adalbertsteinweg, Aachen 2016

Türkischer Supermarkt am Adalbertsteinweg, Aachen 2016

Und dann geht es plötzlich doch. Während ich Ende Januar noch ohne brauchbaren Kassenzettel wieder abzog, hat mein türkischer Supermarkt inzwischen hochtechnologisch aufgerüstet. Die junge Frau an der Kasse gibt die Preise nicht mehr aus dem Kopf ein, sondern bedient einen Scanner und ein Touchscreen. Auf dem Bon stehen fortan nicht mehr nur „Obst/Gemüse“, sondern „Blumenkohl“, „Bohnen“ oder „Äpfel“. Abseits des Kaufbelegs mag es also jetzt ein bisschen unpersönlicher zugehen, aber für dieses Projekt ist die neue Kasse allemal eine gute Investition. Aber der Reihe nach.

Ich parke mein Fahrrad vor dem ehemaligen Tedi, der früher mal ein Lidl war. Zu Zeiten, als ich hier auf der anderen Straßenseite meine allererste eigene Wohnung bezog. Die paar Meter bis zum Supermarkt muss ich aufgrund fehlender Fahrradständer laufen. Weil das Klientel nicht unbedingt mit dem Rad unterwegs ist und weil es grundsätzlich wenig Platz gibt. Auf dem Bürgersteig ist nämlich schon der größte Teil des Obst-Angebots untergebracht. Momentan vor allem Orangen.

Kassenzettel im türkischen Supermarkt, Aachen 2016

Kassenzettel im türkischen Supermarkt, Aachen 2016

Beim Betreten des Geschäfts fällt mir plötzlich wieder ein, dass hier der Fahrradladen gewesen sein muss, in dem ich mir als Jugendlicher mein zweites Fahrrad aussuchen durfte. An Sätzen wie diesen erkennt man das Alter des Autors. Nun denn. Heute suche ich mir einen Blumenkohl aus, den ich aber nicht direkt finde, weil er, anders als in deutschen Supermärkten, noch ziemlich viel Blätter drumherum hat. Ein junger türkischer Mann mit sehr exakt geschnittenen Haaren und einem eleganten Mantel begrüßt den Mann an der Gemüsewage, nimmt sich zwei Ayran aus dem Kühlregal und geht zur Kasse. Einer, der es geschafft hat. An der Fleischtheke erklärt der vermutlich aus Nordafrika stammende Verkäufer im weißen Berufskittel einer Kundin, dass man nur das Fleisch von Lämmern, nicht von ausgewachsenen Schafen im Angebot habe. Ein junger arabischer Mann legt fünf Pakete Fladenbrot auf das Band. Der Kassenzettel im Warenauffang gehört ihm nicht.

  • Speisekartoffeln 10 kg
  • Strauchtomaten 3,915 kg
  • Türkische Rote Capia (2x)
  • Minze
  • Spanische Auberginen 0,975 kg
  • Kiwi (6x)
  • Zitronen (4x)

Nachdem ich bei den meisten Kassenzetteln Probleme habe, verwertbare Produkte zu finden, erlebe ich hier eine große Überraschung. Keine Convenience, kein Fett und kein Zucker. Stattdessen Obst und Gemüse! Nicht unbedingt meinen eigenen Ansprüchen an regionale und saisonale Produkte entsprechend, aber immerhin: Obst und Gemüse! Und auch wenn in diesem Laden der eine oder andere vegane Studierende mit Single-Haushalt seine Einkäufe tätigt, hier scheint eine ganze Familie satt werden zu wollen. Dafür sprechen zumindest die zehn Kilogramm Kartoffeln, die knapp vier Kilogramm Tomaten und die 6 Kiwis. „Das muss man erst mal nach hause bekommen“, denke ich. Vielleicht in einem der zu meinem Missfallen auf der Bus- und Fahrradspur geparkten großen Autos mit meist türkischstämmigen Fahrern. Vielleicht im Einkaufswagen einer der afrikanischen Frauen, die hier zu zweit einkaufen kommen. Auf eine wie auch immer geartete ethnische Zugehörigkeit würde ich mich nicht festlegen wollen. Ist aber auch egal, denn das Recht auf gesunde Ernährung sollte überall gelten.

Joghurt, Zitrone und Paprika

Joghurt, Zitrone und Paprika

Ich ergänze nur durch zwei ganz elementare türkische Zutaten – Tahin (Sesampaste) und Joghurt, weil Kollegin M. mir wenige Stunden zuvor von einem Tahin-Joghurt-Dip erzählt hat. Außerdem nehme ich Zucchini, weil’s beim Einkauf für diese Produktion gerade keine Auberginen gab.

Ofen-Gemüse mit Joghurt-Tahin-Soße

  • 500 g kleine, festkochende Kartoffeln
  • 2 rote Paprikaschoten
  • 1 Zucchini
  • 4 Schalotten
  • 3 EL Olivenöl
  • Saft einer Zitrone
  • 1 EL Minze (vorzugsweise im Sommer aus eigener Produktion getrocknet, frische Blätter gehen auch, zur Not einen Teebeutel nehmen)
  • Salz und Pfeffer
  • 150 g Joghurt
  • 3 EL Tahin
  • 2 EL Zitronensaft
  • Pfeffer und Salz

Gemüse waschen und vorbereiten: ungeschälte Kartoffeln vierteln, Paprika entkernen und in dünne Streifen schneiden, Zucchini in grobe Stücke schneiden, Schalotten schälen und vierteln. In einer Schüssel mit dem Olivenöl, dem Zitronensaft und der Minze vermischen. Kräftig salzen und pfeffern. Auf einem Blech 30 Minuten bei 200 Grad im Ofen garen. Anschließend 15 Minuten auf der obersten Schiene unter den Grill schieben.

Joghurt, Tahin und Zitronensaft verrühren. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Ofen-Gemüse mit Joghurt-Tahin-Soße

Ofen-Gemüse mit Joghurt-Tahin-Soße

Kas|sen|zet|tel ist, wie alle Texte auf dieser Seite, ein unabhängiges Projekt, das in keinerlei Abhängigkeit zu den beschriebenen Supermarktketten steht.