Kas|sen|zet|tel 018

23 Mrz

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Albert Heijn am Plein 1992, Maastricht 2016

Albert Heijn am Plein 1992, Maastricht 2016

Der Platz heißt „Plein 1992“ und erinnert an die Maastrichter Verträge, die vor einem knappen Vierteljahrhundert ein paar Meter weiter die Maas hinauf unterzeichnet wurde. Hier standen damals noch die Reste einer einst blühenden Keramikindustrie – Fliesen, Badkeramik und ein bisschen Essgeschirr. Davon zeugt noch die sogenannte Bordenhal, in der damals Teller (niederländisch: borden) von Hand bemalt wurden. Heute befindet sich hier ein Theater. Der Platz selbst ist trotz seiner absoluten Künstlichkeit ziemlich belebt und über eine elegante Fußgängerbrücke mit der eigentlichen Stadt auf der anderen Seite des Flusses verbunden. Am Fuße der Brücke liegt in einem auffälligen weißen Gebäude das Restaurant Beluga – zwei Sterne. Das ist den Schülerinnen und Schülern, die gegenüber ihre Mittagspause verbringen, offensichtlich ziemlich egal. Sie trinken Energydrinks und essen gekauften Quatsch aus dem Albert Heijn, dem Inbegriff holländischer Supermarktkultur auf der anderen Seite des Platzes. Ein Junge rülpst laut und ausdauernd. Die ihn umgebenden Mädchen stieben kreischend-kichernd auseinander.

Vor dem Eingang des Geschäfts sitzt eine alte Frau hinter einem Campingtisch und verkauft Nippes, Spielzeug und Selbstgestricktes. Neben sich ein Rollator und ein Grill. Im Laden begrüßt mich ein Ständer mit Prospekten, die das gesamte Ostersortiment enthalten. Entlang der Fensterfront Obst und Gemüse in den für die Niederlande typischen Singlepackungen. Gegenüber eine für deutsche Verhältnisse riesige Auswahl an Gewürzmischungen und Zutaten für südostasiatische Gerichte. Indonesien, Thailand, Indien. Ich suche nach Papiertaschentüchern, kann aber keine finden. Stattdessen kaufe ich Küchenpapier der Hausmarke.

Kassenzettel 018

Kassenzettel 018

An der Kasse legt die Frau vor mir neben vielen anderen Dingen mehrere Packungen Oxy Vanish auf das Band. Ob sie an der moestuijntje-Aktion interessiert sei, möchte die Kassiererin wissen. Kleine Pappschachteln mit Blumentopf und –erde en miniature und diversen Gemüsesamen. Zum selber züchten. Die Kundin nickt und die Verkäuferin lädt ihr mit beiden Händen große Mengen der Gimmicks auf die Einkäufe. Ich bekomme keins, weil ich unter 15 Euro liege. Stattdessen bücke ich mich nach einem gefalteten Papier, dass sich jedoch als abgenutztes Ticket zu einem Fußballspiel herausstellt. Manchester gegen Leicester, am 6. Februar in Manchester. Vielleicht eine wichtige Erinnerung, jetzt in meinem Archiv. Außerdem ein ordentlicher Kassenbon, den ich aus dem Warenauffang fische.

  • Arla Skyr
  • Lay’s Oven
  • Chio Pombar
  • L P Boulogne
  • Venco Drop
  • Milka Tablet
  • Milka Choc
  • Chocopinda’s
  • AH Eieren
  • Bifi Junior
  • Ger Kipfilet
  • Bananen
  • Paddenstlmix
  • Kiphaasjes
Joghurt, Bananen und Palmzucker

Joghurt, Bananen und Palmzucker

Die Waren – 15 Positionen zum Gesamtpreis von € 25,23, mit Karte bezahlt an einem Freitagnachmittag um halb vier – lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Zum einen Süßigkeiten, Chips und Schokolade, zum anderen Monoprodukte wie Eier, Bananen, eine Pilzmischung und Hühnerfilet. Die einen bestimmt fürs Wochenende, die anderen für ein Gericht, das sich nur schwerlich nachvollziehen lässt. An dieser Stelle daher noch ein paar niederländische Eigenheiten. Die dritte Position auf dem Bon ist nämlich kein Produkt, sondern die gescannte hauseigene Bonuskarte. Anders als unsere Payback-Systeme ist sie nur auf eine Supermarktkette beschränkt und gewährt Rabatt auf ganz bestimmte, gekennzeichnete Waren. Kann man die Aufmerksamkeit der Kunden noch besser lenken? Im vorliegenden Fall scheint es funktioniert zu haben, denn die für die Besitzer von Bonuskarten im Angebot befindlichen Artikel (Schokolade und Lakritz) werden gleich doppelt gekauft. Gesamtersparnis in Höhe von € 2,46.

Weil ich Pilze und Huhn nicht sonderlich interessant finde, kapriziere ich mich auf Bananen, Eier und Skyr. Dabei handelt es sich um ein ursprünglich isländisches, joghurtähnliches Produkt, das bei mir jedoch zu einer wiederum sehr typisch niederländischen Angelegenheit wird: Hangop (zu deutsch: Aufgehangen). Joghurt, dem man auf sehr einfache, mechanische Weise einen Teil der enthaltenen Molke entzieht. Dazu Bananen in nussig-malzigem Palmzucker, den man in Deutschland nur im Asia-Laden bekommt.

Hangop mit in Palmzucker karamellisierten Bananen

  • 500 g magerer Joghurt
  • 1 EL Zitronensaft
  • 3 EL Puderzucker
  • (1 Eigelb)
  • 2 kleine, nicht zu weiche Bananen
  • 1 EL Butter
  • 20 g Palmzucker (Kommt regulär in steinharten Blöcken. Wer keine Aggressionen abbauen muss, kauft ihn schon zerkleinert)
  • 2 EL Wasser

Ein dünnes Küchentuch auswaschen und auswringen, in ein Sieb über eine Schüssel legen, Joghurt einfüllen, abdecken und über Nacht abtropfen lassen. Joghurtcreme mit Zitronensaft und Puderzucker verrühren. (Weil meine Freundin M. das mit ihrem Quark so macht, rühre ich an dieser Stelle auch noch ein Eigelb unter.)

Butter in einer Pfanne schmelzen und Palmzucker auf kleiner Flamme darin auflösen. Mit dem Wasser verrühren. Die in Scheiben geschnittenen Bananen ein paar Minuten darin ziehen lassen. Auf dem Hangop anrichten und mit Palmzucker bestreuen.

Hangop mit in Palmzucker karamellisierten Bananen

Hangop mit in Palmzucker karamellisierten Bananen

Kas|sen|zet|tel ist, wie alle Texte auf dieser Seite, ein unabhängiges Projekt, das in keinerlei Abhängigkeit zu den beschriebenen Supermarktketten steht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: