Kas|sen|zet|tel 011

10 Feb

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Caprese Revisited

Caprese Revisited

Im bereits vor geraumer Zeit umgebauten Dumont-Carré in der Kölner Innenstadt sind viele der sanierten Ladenlokale noch nicht bezogen. Im Erdgeschoss wird eine neue Woolworth-Filiale erwartet, im 1. OG ein Outlet-Store von Zalando. Ich fahre mit der Rolltreppe ins Untergeschoss, auf zwei riesige dicke Clownfiguren zu, die etwas verloren an der Stelle stehen, an der sich früher der Asia-Imbiss befand. „Standa supermercati“ steht auf einem Schild über dem weiten Eingang. Eine italienische Enklave mitten in der Innenstadt, wo sich alles andere authentisch-italienische in Köln doch eigentlich eher rechtsrheinisch abspielt, nahe an den Fabriken, für die man ab den 1950er Jahren Arbeiter anwarb. Der große Supermarkt im Keller der in die Jahre gekommenen Mall richtet sich dann aber auch an ein anderes Zielpublikum: Wahlitaliener mit Ferienhaus oder -wunsch in der Toskana, die hier ihre Sehnsucht nach dem Belpaese stillen möchten. Das fand ich bei Eröffnung im Jahre 2001 zunächst sehr interessant, bis mir jemand erzählte, dass die Ladenkette in den späten 1980ern mal Silvio Berlusconi gehört hatte. Danach schien mir, trotz der Zugehörigkeit zur REWE-Group, das Pasta-Sortiment nicht mehr ganz so attraktiv.

Da in der Nähe der Einkaufskörbe gerade ein Mitarbeiter beschäftigt ist, starte ich meine Mission an den Wagen und werde prompt fündig. Dezenter Italo-Pop klingt aus den Lautsprechern als ich meinen Wagen über das Kopfsteinpflasterimitat, an der leeren Salattheke (Karnevalssamstag) vorbeischiebe. „La freschezza é nostra forza“ steht auf einem Schild über dem Gemüse. Ein Stück weiter ist eine knallrote Isetta in kunstvolle Aufbauten aus Tomatenkonserven eingemauert. Vor der Kasse türmen sich ebenso hoch die im Angebot befindlichen, von Weihnachten übriggebliebenen, Panettone zu 20 respektive 38 % billiger. Eine ältere Frau mit einer großen rot-weiß getupften Schleife im Haar kauft Kaffeepads. Der volltätowierte Kassierer wünscht ihr fröhliche Karnevalstage. Auf seinem Namensschild steht „Signor F.“ und über der Kasse „Arrivederci“. „Du hast auch wieder abgenommen“, sagt seine Kollegin zu ihm. Eine weitere Kassiererin nickt. „Wir Frauen sehen sowas.“

Kassenzettel 011, Köln 2016

Kassenzettel 011, Köln 2016

Auch der Inhalt der Einkaufsliste macht Freude. Keine Tiefkühlwahre, kein Billigfleisch und keine Übermengen an Süßwaren. Stattdessen:

  • Rucola
  • Minze
  • Pinienkerne
  • weißer Zucker
  • Mozzarella
  • getr. Tomaten

Die Tatsache, dass jemand „weißen Zucker“ auf seinen Zettel schreibt, bedeutet, dass er oder sie sich bewusst ist, dass es auch braunen Zucker gibt. Damit ist schon mal ein Anfang gemacht. Das Papier scheint mit Lust verfasst zu sein, versehen mit der Überschrift „Einkaufsliste“, die wiederum mit einem schwungvollen Bogen verziert ist. Der längliche Zettel hat drei gerade Schnittkanten, die lange rechte Seite hingegen scheint gefalzt und gerissen. Was man ob der Akkuratesse aber nur bei genauer Draufsicht erkennt. Also kein schnelles Geschmiere, sondern eine ordentlich vorbereitete Liste. Vielleicht für einen Spieleabend mit kleinem Snack. Ein Pastasalat mit Mozzarella, Tomaten und Pinienkernen, danach eventuell ein Mojito (der laut einer schnellen Internetrecherche mit weißem Zucker zubereitet noch aromatischer wird).

Mozzarella, getrocknete Tomaten, Pinienkerne, Rucola

Mozzarella, getrocknete Tomaten, Pinienkerne, Rucola

Aber das – das wird den geneigten Leserinnen und Lesern mittlerweile klar sein – wäre nicht interessant genug für dieses Projekt. Das auf der Hand liegende lassen wir dort liegen und denken uns etwas neues aus. Beispielsweise eine Variante des Klassikers Mozzarella-Tomate:

Caprese revisited

  • 1 Büffel-Mozzarella
  • 4 halbe getrocknete Tomaten
  • Saft einer halben Limette
  • 1 Handvoll Rucola
  • 2 Zweige frische Minze
  • 3 EL Pinienkerne
  • 5 EL Olivenöl
  • 1 EL Zucker
  • Salz

Die Tomaten in einem tiefen Teller mit der Schnittfläche nach unten mit so viel kochendem Wasser übergießen, dass sie gerade bedeckt sind. Einen halben Tag zugedeckt ziehen lassen. Abtropfen, umdrehen und mit dem Saft einer Limette beträufeln. Mindestens eine Stunde ziehen lassen. Abtropfen und den Saft aufheben.

Rucola waschen und sortieren. Pinienkerne unter ständigem Rühren in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten und kurz abkühlen lassen. Minzblätter vom Zweig zupfen und mit dem Rucola, den Pinienkernen, dem Olivenöl und dem Zucker zu einem glatten Pesto pürieren. Zaghaft salzen.

Mozzarella in dicke Scheiben schneiden und auf dem Teller mit den Tomaten abwechseln. Mit dem Pesto garnieren und mit einem TL Limettensaft würzen.

Mozzarella, getr. Tomate, Rucola-Pesto

Mozzarella, getr. Tomate, Rucola-Pesto

Kas|sen|zet|tel ist, wie alle Texte auf dieser Seite, ein unabhängiges Projekt, das in keinerlei Abhängigkeit zu den beschriebenen Supermarktketten steht.

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