ethnografische notizen 122: printenwurst

13 Dez
Printenbratwurst, Printe (Kräuter und Prinzess), Printensalami, Aachen 2015

Printenbratwurst, Printe (Kräuter und Prinzess), Printensalami, Aachen 2015

Dass der Rheinländer gerne herzhaft und süß kombiniert ist nichts Neues. Sauerbraten mit Rosinen, mittelalten Gouda mit Marmelade oder Reibekuchen mit Rübenkraut, um nur einige Beispiele zu nennen. Dieser kulinarische Klüngel mag dem Nicht-Rheinländer mitunter befremdlich vorkommen, ist aber durchaus eine nähere Betrachtung wert.

Als „fleischgewordene Printe“ bezeichnete der Aachener Oberbürgermeister vor ein paar Jahren die Aachener Weihnachtsleberwurst. Das klingt irgendwie ein wenig unappetitlich, aber die Verbindung von Weihnachtswurst und Weihnachtsgebäck liegt trotzdem gewissermaßen auf der Hand. Zum einen in der Verwendung von zusätzlich Zutaten wie etwa Honig, Preiselbeeren oder Nüssen, zum anderen in der Bedeutung der Spezialität im Gefüge der Stadt. Durch die jährliche Anschnitts-Zeremonie im Weißen Saal des Rathauses, die Verkostung und Prämierung im Ratskeller und die Tatsache, dass die Aachenerinnen und Aachener ab Ende November unruhig in die Auslagen der Metzgereien starren. Denn die Original Aachener Weihnachtsleberwurst gibt es eben nur in der Original Aachener Weihnachtszeit. Am besten schmeckt die Wurst meiner Meinung nach übrigens auf einer Scheibe Poschweck (Hefegebäck mit kandierten Früchten und eingebackenem Würfelzucker), das es eigentlich nur zu Ostern gibt, aber das ist eine andere Geschichte …

Zurück zur Printe und der Printenbratwurst, die Metzgerfreund R. in diesem Jahr erfand. Um dem Befremden direkt Einhalt zu gebieten – die Printenbratwurst ist nicht süß und sie enthält auch keine Printen. Es handelt sich vielmehr um eine feine, helle Bratwurst, die einen dezenten Anteil einer Gewürzmischung enthält, wie sie auch im Gebäck Verwendung findet. „Da braucht man Nelken aus Sansibar, Zimt aus Ceylon, Ingwer aus China, Kardamom aus Malabar …“, wie es geografisch nicht ganz korrekt ein volkskundlicher Aufsatz über die Aachener Printe aus dem Jahr 1954 beschreibt. Handwerkliche Produktion plus gewürzliche Innovation gewissermaßen.

Selbiges Produkt kam bei den Kundinnen und Kunden – nachdem sie eine Weile mit einer gratis zu den Einkäufen gepackten Probewurst angefixt worden waren – sehr gut an. So gut, dass Freund R. sich seine Erfindung patentieren ließ und in einem Rutsch noch die Printensalami konzipierte. Seitdem ist die Printe für mich eine teiggewordene Wurst.