ethnografische notizen 085: splashstick

24 Nov
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Tall Hazelnut Soy Latte mit Splash-Stick, Berlin 2014

Drei Barista arbeiten um 14:10 hinter der Theke der Starbucks-Filiale im Berliner Hauptbahnhof. Ganz außen steht Willy, so kann man zumindest auf seinem an der Schürze befestigten Namensschild lesen. Ich stelle mich rechts in die Schlange, denn aus Sicht des Kunden wird man von rechts nach links weitergeleitet.

Willy nimmt meine Bestellung auf.

„Ein Hazelnut Latte mit Sojamilch“, sage ich.

Er zeigt auf die verschiedengroßen Becher vor ihm.

„Die kleinste Größe“, sage ich, weil ich mir die offiziellen Bezeichnungen nicht merken kann und weil ich es unsinnig finde, dass die kleinste Größe „tall“ heißt.

Er kassiert. An den exakten Preis kann ich mich einen Tag später schon nicht mehr erinnern.

Er fragt mich nach meinem Namen – eine Moment in der Bestellung, der mich immer ein wenig peinlich berührt. Ich würde immer gerne mal „Brigitte“ sagen, traue ich mich aber dann doch nie.

Willy schreibt meinen Namen mit einem schwarzen Filzschreiber auf den Becher. Interessanterweise gibt es dafür kein vorgesehenes Feld, wohl aber für alle anderen Details der Bestellung. Bei Syrup/Sirop kritzelt er ein „H“ für Hazelnut, bei Milk/Lait ein „S“ für Soja und bei Drink/Boisson eine römische Eins.

Bevor er den Becher weitergibt, pumpt er aus einer der Sirup-Flaschen neben der Kasse mein Haselnuss-Aroma in den roten, mit seinen angedeuteten Sternen bereits weihnachtlich anmutenden Becher.

„Einen Tall Hazelnut Soy Latte“, ruft er seinen Kolleginnen zu.

Ich bewege mich und mein Gepäck nach links, zum runden Ende der Theke, an dem die Bestellungen ausgegeben werden.

Links neben mir gibt es braunen und weißen Zucker, rosafarbene Süßstofftütchen und Rührstäbchen aus Holz an einer Selbstbedienungstheke. An der Ausgabe selber liegen ebenfalls weihnachtlich gestaltete naturfarbene Wellpappmanschetten, mit deren Hilfe man auch heiße Getränke anfassen kann. Unsere neuen „Splash-Sticks“ steht auf einem Schild neben einem Behälter mit grünen Plastikstäbchen, die der Beschreibung nach verhindern, dass in möglicher Eile Getränk auf die Kleidung verschüttet wird. Eine ungeheuerliche Erfindung, die genau in die Öffnung im Plastikdeckel des Kaffeebechers passt. Auf dem platten Ende des Stäbchen ist eine disneyartige Version der ohnehin züchtigen Meerjungfrau aus dem Starbucks-Logo zu sehen. Später im Internet finde ich unzählige professionelle und unprofessionelle Fotografien von Starbucks-Splash-Sticks.

Zwei Mädchen vor mir bekommen komplizierte Kaffeemilchmix-Getränke ausgehändigt. Zwei weitere Frauen sind unsicher, ob es sich bei dem ihnen vorgesetzten Kaffee um die richtige Bestellung handelt. „Benny“ steht auf dem Becher. „Ich heiße Mandy“, sagt die Kundin. „Das ist ein Versehen“, sagt die Barista und ich weiß nicht genau, was sie jetzt meint. So viel zur Kundenbindung per Vornamen.

„Ist das Hazelnut“, fragt ihre Kollegin Richtung Willy, als sie meinen Becher bearbeitet. „Mit Soja-Milch“, sage ich schnell. „Das steht ja alles drauf“, sagt sie beschwichtigend. Sie wird sich vermutlich auch noch in zehn Jahren erinnern können. Zumindest an meinen Vornamen.

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