#isswas 007 – kliekjes

21 Jun

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

Jeden Tag stellen wir auf Facebook & Twitter eine andere Frage – heute:

Welche Rezepte zur Resteverwertung habt Ihr noch?

Besser als jedes Resteverwertungsrezept, Köln 2011

Besser als jedes Resteverwertungsrezept, Köln 2011

Zuhause wurden die Reste vom Mittagessen immer in kleine Schüsselchen aus Glas, Porzellan oder Steingut umgefüllt und auf der Küchenanrichte aufbewahrt. Zum einen gab es selten nennenswerte Reste zum anderen konnte man fest damit rechnen, dass irgendwann am Nachmittag jemand weiteressen würde. Eigene Rezepte zur Resteverwertung gab es insofern keine, auch wenn mein Vater uns Kindern immer vorschwärmte, wie gut die Armen Ritter seiner eigenen Kindheit geschmeckt hätten. Die gab’s aber nie – vielleicht, weil selbstgebackenes Weißbrot aus dem Blumentopf für diese Zubereitungsart nur bedingt geeignet ist.

In meiner Austauschfamilie in den USA hingegen wurde meistens mehr gekocht als gegessen wurde. Auf eine mir unerklärliche Art und Weise blieben die Reste dabei mindestens doppelt so lange frisch wie im Alten Europa. Zuviel gekocht wurde nicht etwa, weil man ganz dem amerikanischen Klischee entsprechend kein Maß gekannt hätte, sondern weil man aus den in Plastikdosen im Kühlschrank aufbewahrten „leftovers“ unkompliziert eine schnelle Mahlzeit basteln konnte, wenn’s mal pressierte.

Auf Niederländisch nennt man übriggebliebene Portionen übrigens „kliekjes“. Zumindest im Süden des Königreiches. Das ist ein sehr hübscher Ausdruck, der sich immer freitags auf der Angebotstafel der Kantine der Kunstakademie in Maastricht wiederfand, in der volksnahe Damen mit Namen wie Bea und Margot deftige Hausmannskost für hungrige Studenten herstellten. Nachdem ich – das Wort findet sich nämlich nicht in den geläufigen Handwörterbüchern – einmal verstanden hatte, um was es sich handelte, wurde ich ein großer Fan vom „kliekjesmenu“. Da waren die Portionen nämlich immer etwas größer an den restlichen Tagen. Es sollte ja nichts umkommen. Vorab aber erklärten Margot oder Bea mir ausdauernd auf Maastrichter Dialekt, was ich alles bekommen würde. Davon habe ich das meiste bis heute nicht verstanden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: