ethnografische notizen 68: römisch-germanisch

1 Jun
Sog. Trierer Spruchbecher mit der Aufschrift „VITVLA MEA“ (mein Kälbchen), Köln 2014

Sog. Trierer Spruchbecher mit der Aufschrift „VITVLA MEA“ (mein Kälbchen), Köln 2014

Auf der Domplatte isst eine Familie ihre Butterbrote auf einem Mäuerchen vor einem Beet mit verschiedenfarbigen Stiefmütterchen. Ein asiatisches Pärchen knabbert derweil an den Domkeksen, die es um die Ecke zu kaufen gibt und behält ein wenig ängstlich den Obdachlosen im Auge, der mit einer Taschenlampe gründlich die Mülleimer nach Pfandflaschen absucht. Der Mann bittet um ein Foto mit dem Dom und ein weiteres mit dem Römisch-Germanischen Museum im Hintergrund.

Ein Teil des Untergeschosses, im Halbdunkel hinter dem berühmten Dionysosmosaik, auf dem 1999 das spektakuläre G8-Dinner stattfand, ist dem römischen Alltag gewidmet. Eher gelangweilt ausschauende Schülergrüppchen trotten träge hinter ihrem Lehrkörper durch niedrige Räume mit terrakottafarbenem Anstrich. Die in hell beleuchteten zweigeschossigen Glasvitrinen untergebrachten Objekte sollen ihnen das Leben in der Antike näherbringen. Ein amerikanischer Tourist liest seiner Frau die an den Vitrinen angebrachten Kurztexte in englischer Sprache vor.

Drei Einzelvitrinen mit den Titeln „Kostbares Tafelgeschirr“, „Feines Geschirr“ und „Glas- und Tongeschirr“ widmen sich im weitesten Sinne der Esskultur. Beispielsweise in Form eines großen Bronzeeimers mit der Inventarnummer 8956, eine schwarz gefirnisste Dellenschale, Inventarnummer 27, 102, N8055 und ein ovales Glastablett mit der Nummer Glas 869. „Zur Veranschaulichung römischer Speise- und Trinksitten dienen die aufgestellten Tische“, heißt es in einem an einer Glasscheibe befestigten Text, hinter der sich schwarze und rote Keramik, Glasgefäße und zwei aus Stein gehauenene Korbsessel befinden, „nach römischem Brauch lagen in den gallischen und germanischen Provinzen die Männer auf Speisesofas, während die Frauen auf Korbsesseln saßen.“

„Krass“, sagt eine der Schülerinnen zu ihrer Freundin, „gleich gehen wir aber zu Mäckes!“

 

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