ethnografische notizen 62: café le gourmet

4 Mai

Ostbelgien hat vom 26.04. bis zum 11.05.2014 seine Genusswochen ausgerufen. Im Auftrag des Ministeriums esse, trinke und schreibe ich mich durch die Deutschsprachige Gemeinschaft. Dort ganz offiziell  und hier, wie gewohnt, eher privat im Nachschlag. Heute in der Kaffeerösterei „Le Gourmet“ in Eupen.

Kaffeesack-Romantik, Eupen 2014

Kaffeesack-Romantik, Eupen 2014

„Probat“ steht auf der Röstmaschine. Erprobt ist sie sicherlich, auch wenn sie hier vor Ort, in der Eupener Unterstadt, erst seit einem knappen Jahr steht und damit eigentlich noch als vergleichsweise durchgeht. Auch wenn an der Wand ein Zertifikat der Marke „Made in Ostbelgien“ hängt, die Maschine stammt aus Deutschland und sieht sehr solide aus. Probat eben. Anders, als man vielleicht in einer Rösterei erwarten würde, gibt es hier keine Antiquitäten zu besichtigen. Die Kunden erwarten Romantik, erzählte mir einmal ein Kölner Röster, „die wollen Kaffeesäcke und Fotos von glücklichen Kaffeepflückern.“ Davon ist hier, in der Kaffeerösterei „Le Gourmet“ in der Eupener Unterstadt nichts zu entdecken. Stattdessen gibt es transparente Rohrleitungen mit denen die Bohnen – roh und geröstet, gemahlen oder ungemahlen – hin und her transportiert werden. Blaue Elektroleitungen, gelbe Kabel und graue Plastiktonnen auf Rollwagen aus lackiertem Stahl. Diese Produktion hat nur wenig mit den Bildern zu tun, die man beim Stichwort „Kaffeerösterei“ vielleicht im Kopf haben mag. Keine verbeulten Maschinen und selbstgebastelten Anlagen, keine von Generationen von Kaffeeröstern benutzten Gerätschaften und keine Patina. Stattdessen eine ultramoderne Ausstattung. Neben dem Röstofen steht ein schwarzer glänzender Laptop. Die meisten Abläufe sind hier computergesteuert. Daneben führt eine Tür zu den Lagerräumen. Und hier gibt es sie dann plötzlich doch, die Kaffeesäcke. Aber erst hier hinten, wo die rot-schwarzen Tüten mit der Aufschrift „Le Gourmet“ auf den Vertrieb warten und das restliche Sortiment aus Milch und Zucker gelagert wird. Ein Herr verschweißt mehrer Pakete mit Filterkaffee zu transportfähigen Einheiten. Hier gibt es sie gleich palettenweise, die Kaffeesäcke, die der Endkunde so gerne sieht. „Clean Coffee“ lautet ihr Aufdruck, „Crop 2013-2014, Product of Guatemala.” Vorne prüft derweil der Röster Farbe und Aroma der laufenden Bohnen. Er hält sich eine kleine Schütte mit zimtbraunen Bohnen unter die Nase. Ob computergesteuert oder nicht – Kaffee ist und bleibt eben doch eine sinnliche Angelegenheit.

Mehr Text von mir unter www.madeinostbelgien.be

Mehr Infos zur Rösterei unter www.cafelegourmet.be

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