miniportion 355: abendbrot

9 Feb
Abendbrot mit Aufschnittplatte, Köln 2014

Abendbrot mit Aufschnittplatte, Köln 2014

Eine Frau aus Kamerun erzählte mir einmal, dass ihr erstes richtiges deutsches Abendbrot ein ziemlicher Kulturschock für sie gewesen sei. Sie sei damals bei einer Deutschen in Dresden eingeladen gewesen und habe ziemlich gestaunt ob der vielen unterschiedlichen Dinge, die da auf dem Tisch gestanden hätten, die man zu zweit niemals an einem Abend hätte aufessen können und die somit verderben sicherlich verderben würden. An die Vorstellung, Lebensmittel mehrmals auf den Tisch zu bringen habe sie sich mittlerweile gewöhnt, fasste sie ihre Ausführungen zusammen, aber es falle ihr nach all den Jahren immer noch schwer, belegte Brote und warmen Tee als eine vollständige Mahlzeit zu betrachten.

So hatte ich das Abendbrot noch nie betrachtet. Die interkulturellen Unterschiede scheinen mir bei genauerer Analyse vor allem in der dauerhaften Konservierung von Lebensmitteln zu liegen und natürlich in der deutschen Fixierung auf gutes und vor allem sättigendes Brot. Wenn man die nicht hat, kann einem das mit dem Abendbrot schon mal schwer fallen.

In meinem ganz persönlichen Tagesablauf habe ich das Abendbrot übrigens auf den Mittag und somit in den meisten Fällen ins Büro verlegt. Da esse ich nämlich fast täglich mein Müslibrötchen aus der Bäckerei schräg unter meiner Wohnung – mit Käse, Senf und zwei Scheiben Schwarzbrot. Damit sorge ich seit Jahren für die Erheiterung des einen oder anderen Kollegen. Wenn ich dazu auch noch Kräutertee trinke, werde ich meist gefragt, ob mir unwohl sei. Abends hingegen sind mir belegte Brote nur in Ausnahmefällen genehm – beispielsweise als schwedisches Smörgåsbord, dass mir zumeist für mich alleine aber ein wenig zu aufwändig ist. Grundsätzlich aber bin ich in dieser Angelegenheit ganz bei der kamerunischen Kollegin, die es mit einem leider nur schwer in Buchstaben zu fassendem Akzent folgendermaßen formulierte: „Essen muss warm sein und heftig sein!“

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