miniportion 342: snack

20 Jan
Belgisches Understatement, Brüssel 2013

Belgisches Understatement, Brüssel 2013

In meinen Amsterdamer Jahren pflegten die Kollegen und ich an Freitagen gelegentlich eine nahegelegene Snackbar zu besuchen. Dabei handelte es sich um einen schlichten Container aus Wellblech auf einem Parkplatz, der den merkwürdigen Namen „de Haven“ trug, obwohl, vielleicht einmal abgesehen von einem kleinen sumpfigen Kanal am Rande des Industriegebiets, kein schiffbares Wasser in der Nähe zu entdecken war. So ist das nun mal in Seefahrernationen. An jenem Hafen verzehrten kurz vor dem Wochenende zahllose Angestellte der unterschiedlichsten Branchen ihren „vette hap“, der in den Niederlanden an Freitagen eben eine gewisse Tradition hat. Wir aber machten uns immer schnell auf den Weg zurück ins Büro, da grundsätzlich ja auch an Freitagen Kantinenanwesenheitspflicht während der Mittagspause bestand. Manchmal aber, wenn wenig Zeit war, verzehrten wir unsere „patat oorlog“ (Fritten mit Mayonnaise und Erdnusssoße) oder den „berenhap“ (einen frittierten Spieß mit abwechselnd Frikadellen- und Zwiebelscheiben) auch schon mal unauffällig am Platz. Ein Umstand, der die aus der Kantine durch unser Großraumbüro an ihre Plätze zurückspazierenden Kollegen anderer Abteilungen zu naserümpfenden Kommentaren über die sogenannte „patatlucht“ verleitete, was zu Deutsch etwa „Frittenluft“ bedeutet und nicht besonders nett gemeint war.

Eines Freitags erkundigte sich mein chinesischstämmiger Kollege K., dessen pubertierender Humor dem meinen entsprach, bei der blonden Dame an der Friteuse nach der Beschaffenheit eines neuen Spießchens in der Kühltheke. Ich erinnere mich nicht mehr genau, um was es sich handelte, nur daran, dass sie darauf hinwies, es sei „een beetje exotisch“, worauf K. hinzufügte „en een beetje erotisch“. Den Rest des Tages verbrachten wir kichernd und den strengen Blicken der Kollegen ausweichend. Aber an Tagen, an denen der Besuch der Frittenbude erlaubt ist, wird man ja wohl noch einen zweideutigen Witz machen dürfen.

2 Antworten to “miniportion 342: snack”

  1. St._Moonlight 20. Januar 2014 um 22:06 #

    Ich kann mir nicht helfen. Irgendwie hat das was von einem Taxi-Schild. 😉

    • johannesarens 20. Januar 2014 um 22:08 #

      Das stimmt! Im Notfall auch mit dem Taxi zur Frittenbude …

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