miniportion 337: sambal

13 Jan
Sambal im China-Imbiss, Essen 2014

Sambal im China-Imbiss, Essen 2014

Beim Einkauf von Lebensmitteln gibt es in Deutschland bestimmte Formeln, die die Kommunikation zwischen Kunde oder Kundin und Verkäufer oder Verkäuferin erleichtern. In großen Teilen der Republik beispielsweise fragt das Personal in einer Bäckerei oder einer Fleischerei: „Darf es sonst noch etwas sein?“. Es gibt allerdings auch Städte (deren Namen ich an dieser Stelle nicht nennen werde, um mich nicht wieder dem Vorwurf des Berlin-Bashings auszusetzen) in denen man sich auf ein schlichtes „Noch?“ beschränkt. Immerhin, man spricht miteinander.

Ebenfalls in Berlin erstand ich unlängst einen Kühlschrankmagneten, auf dem ein stilisiertes Döner Kebab zu sehen ist. Die darunter befindliche Bildunterschrift lautet: „Wolle scharfe Soße?“ und ist ebenfalls ein anschauliches Beispiel für die Verknappung von Kommunikation unter verschärften Bedingungen. Für Einwanderer stellt nämlich die Tätigkeit in der Gastronomie oder sogar die Eröffnung eines eigenen Lokals eine nicht unattraktive Möglichkeit der Integration und des sozialen Aufstiegs dar. Man verkauft seine eigene Expertise und muss, zumindest im Verkauf, nicht perfekt Deutsch sprechen, um Erfolg dabei zu haben. „Wolle scharfe Soße?“ ist da für den Anfang vollkommen ausreichend.

In den Niederlanden entspricht aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes die Dichte chinesisch-indonesischer Imbisse in etwa der unserer Dönerbuden. „Sambal bij“ ist eine Frage die man dort mitunter gestellt bekommt – ob man in kleinen Plastikdöschen abgepackte Chili-Gewürzmischung dazu haben möchte. Ein Satz, der sich zu einem flächendeckenden Stereotyp entwickelt hat und der die Universalität der Begegnung in Form von Essen und Trinken deutlich macht. Indonesisches Sambal oder türkische scharfe Soße sind nur zwei von vielen aktuellen Beispielen. „Ein wenig frischer Parmesan?“ beim Italiener wird irgendwann einmal genau so exotisch geklungen haben.

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