miniportion 334: mitternachtssuppe

8 Jan
Imbiss nach Mitternacht – statt Suppe, Büttelborn 2014

Imbiss nach Mitternacht – statt Suppe, Büttelborn 2014

Das Fortbestehen des bundesdeutschen Wirtschaftswunders lässt sich hervorragend am Phänomen der Mitternachtssuppe illustrieren. Kaum besteht für den Gastgeber der Anlass zur Vermutung, der Sättigungseffekt des eher reichhaltigen Abendessens einer öffentlichen oder privaten, in jedem Fall aber größeren festlichen Veranstaltung, könnte nachlassen, wird schnell mal wieder was Deftiges auf den Tisch gebracht. Auf das niemand nach Hause gehe und sage, man habe sparen wollen.

Bei der weiteren Beschreibung dieser nationalen Eigenart kann ich allerdings nicht auf lustige Anekdoten aus meiner Kindheit zurückgreifen, da meines Wissens in unserem Haushalt nie eine Veranstaltung stattgefunden hat, die bis nach 24 Uhr gedauert hätte. Wir waren ja schließlich kein Nachtclub. Erst im Laufe meines adoleszenten Lebens kam ich daher in den Genuss diverser Mitternachtssuppen, die zumeist aus einer herzhaften Gulaschsuppe bestand, die mitunter in eigens dafür gebackenen Brottöpfchen serviert wurde. Dieses ebenso herzhafte Roggengebäck möchte kurioserweise nie jemand aufessen, was ich einigermaßen bedauerlich finde, da es für mich persönlich mit einem kleinen Süppchen nach Mitternacht nicht getan ist.

Neulich war ich auf einer Silvesterparty auf der der Gastgeber zwei perfekt auf Gemüsebett gegrillte, mit der Angel gefangene Wolfsbarsche servierte, die alle Anwesenden in den höchsten Tönen lobten und bis auf die letzte Gräte verzehrten. Viele Stunden später, nach Ballern, Bleigießen und Champagner, äußerte der eine oder andere Gast diskret sein Interesse an einer kleinen Zwischenmahlzeit. Ein Wunsch, den der hessische Hausherr mit Freuden erfüllte, indem er eine ordentliche Wurstplatte auf den Tisch brachte. Und während wir uns über den Zenit von Frottée-Hausanzügen unterhielten wurde geschnitten und gespachtelt, als hätte es den ganzen Abend nichts gegeben. Wirtschaftswunder geht eben auch ohne Suppe.

7 Antworten to “miniportion 334: mitternachtssuppe”

  1. Jens Greger 8. Januar 2014 um 09:38 #

    Oh, you are back! Wird aber auch zeit… :-)Noch 1 monat brig?

    Date: Wed, 8 Jan 2014 07:32:10 +0000 To: jensgreger@hotmail.com

    • johannesarens 8. Januar 2014 um 10:10 #

      Yep. Projekt ‚Lexikon‘ läuft noch 31 Einträge. Ein Neues ist aber schon fertig … Über das, was ich gerade tue, darf ich ja noch nicht schreiben! 🙂

  2. giftigeblonde 21. Januar 2014 um 16:20 #

    Lecker sieht das aus Johannes!

    • johannesarens 22. Januar 2014 um 07:27 #

      Das war’s auch! Ich bin ja ein großer Wurst-Fan!

      • giftigeblonde 22. Januar 2014 um 10:10 #

        Gute Wurst mag ich auch gern, leider kriegt man die ja echt schon selten!
        Liebe Grüße!

      • johannesarens 22. Januar 2014 um 10:16 #

        Da hast Du leider recht. Aber wir haben hier gute Metzger!

      • giftigeblonde 22. Januar 2014 um 10:16 #

        Da hast du Glück!

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