miniportion 327: aperitif

24 Dez
Einstimmung auf den Abend, Brüssel 2013

Einstimmung auf den Abend, Brüssel 2013

„Aperitif“ zählt zu den im Deutschen gebräuchlichen Wörtern, deren korrekte Schreibweise ich immer wieder nachschlagen muss. Warum ist nicht bekannt, aber ich neige beim schnellen Schreiben dazu, ihn mit zwei „p“ und einem „v“ am Ende zu schreiben. Da ist der Duden anderer Meinung und beschreibt ihn als „appetitanregendes alkoholisches Getränk“, liefert aber immerhin mit dem Hinweis auf „aperire“, lateinisch für „öffnen“ eine etymologische Erklärung.

Als Kind hatte ich ein gespaltenes Verhältnis zum Aperitif, dessen Schreibweise mir damals noch herzlich egal war. Zum einen bedeutete die Tatsache, dass sich die Erwachsenen mit Getränken, die es sonst nicht gab, um den Wohnzimmertisch herum versammelten, unter Umständen eine nicht unbedeutende Verlängerung der Wartezeit auf das Essen, zum anderen lag aber eine spürbare Feierlichkeit in der Luft. Der Aperitif ist nämlich so etwas wie das Vorspiel zum Essen, im Idealfall die Antizipation sorgfältig gekochter Gerichte, guter und anregender Gespräche und vielleicht auch großer Ereignisse.

In sehr eleganten Gläsern der Firma Peill & Putzler wurde dann nämlich Sekt gereicht, Campari Orange oder ein Sherry namens Dry Sack, dessen Stoff-Verpackung ich noch jahrelang in der Küchenbank aufbewahrte. Dazu gab es Nüsschen in einer dunkelbraunen Holzschale und in späteren Jahren für uns Kinder dann auch ein Crodino, ein appetitanregendes nicht-alkoholisches Getränk, das mich weniger durch seinen leicht bitteren Geschmack als durch die grell-rote Farbe und die hübschen kleinen Flaschen begeisterte.

Später dann, in meiner ersten WG, hatte ich eine Zeit lang einen überflüssigen Kühlschrank im Zimmer stehen, in dem wir einen Vorrat an billigen Martini-Imitationen aufbewahrten. Den reichten wir zu allen Tages- und Nachtzeiten als Aperitif. Wenn das Leben anfängt erwachsen zu werden, findet sich nämlich jeden Tag etwas, was das Anstoßen lohnt.

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