miniportion 318: vorsuppe

11 Dez
Vorsuppenteller zu 12 Euro, Aachen 2013

Vorsuppenteller zu 12 Euro, Aachen 2013

Neulich unterhielt ich mich mit einer entfernte Tante über eine hübsche, alte Suppenterrine mit elaborierten Griffen und einem goldverzierten Deckel. Innendrin, so ergab ein schneller Blick, wurden Nähutensilien und diverser Krimskrams aufbewahrt. „So eine habe ich auch noch“, sagte die Tante, „braucht aber eigentlich heutzutage kein Mensch mehr. Aber damals war das so. Da gab’s sonntags ja auch immer noch eine Vorsuppe.“ Da hat sie recht – mit beidem, sowohl mit der Feststellung, dass es früher immer eine Vorsuppe gab, als auch mit der Tatsache, dass heute niemand mehr eine Suppenterrine braucht. Es sei denn um eben Handarbeitszeug, Kekse oder Weihnachtsdeko darin aufzubewahren. Dabei ist die „Vorsuppe“ ein sehr schönes Wort, das den Dreiklang einer gutbürgerlichen deutschen Mahlzeit vor Augen führt: Zunächst gibt es etwas warmes Flüssiges (um eine Grundlage zu schaffen), dann etwas ordentlich Deftiges (um satt zu werden) und schlussendlich etwas kleines Süßes (weil man noch nicht aufhören kann).

Die strenge Speisenfolge am Mittagstisch der Großmutter meines Mannes wurde beispielsweise erst gelockert, als ihr das selbstständige Kochen zu viel wurde. Bis dahin begann jede Mahlzeit mit einer ordentlichen Kraftbrühe nebst einer Einlage aus Eierstich und kleingeschnittenem Rindfleisch. Eine Zeit lang wurde noch mit einer „fetten Brühe“ aus dem Würfel überbrückt und die Vorsuppe schließlich ganz abgeschafft. Dass ich, als ihr Nachfolger im Küchenregiment, kochen konnte, hat sie zwar nie bestritten, eine richtige Suppe wurde mir aber dann vermutlich doch nicht zugetraut.

Überhaupt sind die Suppen heutzutage aber ihrer vorbereitenden Funktion beraubt. Einmal kochten wir in einem exklusiven Kochkurs unter professioneller Anleitung ein Süppchen aus dem Saft von gelben Paprikas, welches anschließend in einer Espressotasse serviert wurde. Das habe ich beim nächsten Kochen mit der Oma wohlweislich für mich behalten.

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