miniportion 316: frikadellen

9 Dez
Arbeitsplatz Schwiegervater, Aachen 2012

Arbeitsplatz Schwiegervater, Aachen 2012

Zu den unverwirklichten Träumen meines Schwiegervaters gehörte die Eröffnung einer eigenen Frikadellenbude. Dort plante er, eines Tages seine weit über die Familiengrenzen bekannten Miniaturbuletten an den Mann zu bringen. Vielleicht wären sie wirklich der Renner geworden, wer weiß. Aber dafür ist es jetzt leider zu spät.

Nie wieder werde ich wohl Frikadellen essen, die derart kompakt sind, so solide und vollständig ohne Lufteinschlüsse. Fast wie die Klöße seiner Schwiegermutter, die wir immer mal der NASA als Material für die Außenhaut von Raketen vorschlagen wollten. Aber keine Familienzusammenkunft ohne die berühmten Frikadellen, die vor allem bei den beiden Enkeln sehr beliebt waren. Das Geheimnis ihrer Herstellung habe ich nie kennengelernt, denn wenn wir kamen, war immer alles schon fertig. Obwohl wir beide gerne kochten, haben wir nie zusammen gekocht. Vielleicht, weil wir beide gerne die Kontrolle behalten und die Rollen von Chef und Sous-Chef sich nicht wirklich hätten klären lassen. Für ihn (und meine Schwiegermutter) zu kochen, war hingegen kein Problem. Da bekam ich die Küche übergeben und durfte machen. Dem ging allerdings ein langjähriger Lernprozess voraus. Für beide Seiten. Die zunehmende Übung darin, den  anderen so nehmen, wie er war und hin und wieder auch auf seine Ratschläge zu hören, spiegelt sich irgendwie auch in den gemeinsamen Mahlzeiten. Wurde beim ersten Besuch in einem thailändischen Restaurant meine Warnung vor der Fischsoße mit Chilis noch in den Wind geschlagen und anschließend mal ordentlich hyperventiliert, wurde ich im Laufe der Zeit zunehmend auch in kulinarischen Fragen um Rat gefragt.

Und ich – der ich jahrelang über ordentlich durchgebratene Filetstücke nörgelte, mich über Weißwein mockierte, den ich viel zu warm fand und die Augen rollte, wenn der Aufschnitt fürs Frühstück akkurat arrangiert wurde –  ich werde all das sehr vermissen. Und die Frikadellen. Aber vor allem den Koch.

3 Antworten to “miniportion 316: frikadellen”

  1. constantina 10. Dezember 2013 um 00:13 #

    Schöne Erinnerungen sind so wertvoll, sie lassen sich bewahren, besonders an einem Tag wie diesen. Danke für den wunderbaren Beitrag!
    Lieber Gruß, auch an P..

  2. giftigeblonde 10. Dezember 2013 um 23:02 #

    Wieder so eine schöne Geschichte 🙂
    Und ich zieh mir draus, dass es morgen bei uns Faschierte Laibchen gibt, wie die bei uns in Österreich so schön heißen.

    Meine reichen an die von meiner Mama allerdings nicht ran, obwohl ich sie nachdem selben Rezept mache…seufz!
    Liebe Grüße!

    • johannesarens 11. Dezember 2013 um 08:51 #

      Da bin ich ja mal gespannt. Von besagten Frikadellen haben wir leider nie ein Foto gemacht …

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