miniportion 314: blaukraut

7 Dez
Rotkohl auf der Domäne Dahlem, Berlin 2008

Rotkohl auf der Domäne Dahlem, Berlin 2008

Um das mal direkt klar zu stellen: Rotkohl hieß bei uns Rotkohl und nicht Blaukraut. Auch an einen saarländischen Ausdruck kann ich mich nicht erinnern. Den bayerischen Ausdruck kannte ich natürlich aus dem Zungenbrecher „Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid“, brachte ihn aber eigentlich nicht in Verbindung mit dem Gemüse, dass im Winter an Sonntagen auf den Tisch kam. Kraut ist hierzulande, also im Rheinland, ja eher eine Bezeichnung für den zum Brotaufstrich eingedickten Saft von Äpfeln oder Zuckerrüben. Auch damit hatte ich als Kind so meine Schwierigkeiten, weil ich davon ausging, dass man das Kraut der Rüben, also die oberirdischen Blätter verarbeitet.

Am Gymnasium hatte ich mal eine Kunstlehrerin, der ich gegenwärtig gelegentlich mit ihrem Pudel begegne, wenn ich durch den Wald renne. Einmal befassten wir uns in ihrem Unterricht mit dem Thema Strukturen und bekamen den Auftrag mit einem schwarzen Filzstift einen durchgeschnittenen Rotkohl zu malen. Das hätte an sich ja einen durchaus meditativen Charakter haben können, wäre besagte Lehrkraft nicht ein wenig überfordert mit dem ihr anvertrauten Haufen spätpubertierender Schüler und Schülerinnen gewesen, die auch schon mal im Unterricht rauchten, wenn es darum ging, einen Aschenbecher zu zeichnen. Aber ich schweife ab. Da für besagte Aufgabe im Supermarkt kein Rotkohl zu bekommen war – vermutlich befanden wir uns im Frühling – malten wir einen Radicchio. Dabei handelt es sich zwar um eine Zuchtform der Zichorie und nicht um ein Kohlgewächs, aber die Struktur konnte man immerhin zeichnen.

In Deutschland findet man Rotkohl abseits des Kunstunterrichts zumeist als Beilage zu deftigen Wintergerichten – Gans beispielsweise, Rinderbraten oder Wild. Die meisten mir bekannten Köche und Köchinnen schwören dabei auf die Zugabe von Äpfeln. Die mussten wir, wenn ich mich recht erinnere, auch mal malen.

7 Antworten to “miniportion 314: blaukraut”

  1. giftigeblonde 8. Dezember 2013 um 19:55 #

    Ich hab Rotkraut (so sagen wir dazu hier) heuer das erste Mal mit Äpfeln und selbstgemachtem Quittenmarmelade gekocht….das war wirklich perfekt!

    • johannesarens 8. Dezember 2013 um 21:53 #

      Mit Quittenmarmelade klingt gut – werde ich mal ausprobieren.

      • giftigeblonde 9. Dezember 2013 um 17:57 #

        Unbedingt! Rezept von der Quittenmarmelade ist bei mir im Blog irgendwo!

      • johannesarens 9. Dezember 2013 um 23:22 #

        Da greif ich der Einfachheit halber auf das Quittengelee meiner Mutter zurück.
        Ich werde berichten …

      • giftigeblonde 10. Dezember 2013 um 18:53 #

        Das ist noch besser 🙂
        Gelee, wie macht das deine Mama?
        Meins ist eher marmeladig.

      • johannesarens 10. Dezember 2013 um 22:52 #

        Quittengelee ist eher Sache von Papa. Ich frag ihn morgen mal …

      • giftigeblonde 11. Dezember 2013 um 14:03 #

        Dann warte ich mal geduldig,..bin ja ein geduldiger Mensch ggggg

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