miniportion 309: paella

1 Dez
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Paella mit Meeresfrüchten, Barcelona 2013

In Deutschland ist die Paella für eine ganze Generation verbunden mit einem Geschirrspülmittel namens Fairy ultra. Hauptdarsteller des über gefühlte Jahrzehnte im Fernsehen gezeigten Werbespots waren zwei riesige Paella-Pfannen, nach denen das Gericht (von lateinisch „patella“ für flache Schüssel) im übrigen auch benannt ist. Villarriba feiert schon und Villabajo putzt noch – oder umgekehrt, so genau weiß ich das nicht mehr. Gegessen wurde das Gericht aber allenfalls mal im Sommerurlaub an der Costa del Sol oder auf Mallorca, obwohl das Gericht ursprünglich aus der Gegend von Valencia kommt. Vermutlich gab es einen Krug Sangria dazu und vermutlich stand eher einer touristenfreundlichen Version auf der Karte, da Meeresfrüchte außerhalb eines Krabbencocktails nicht jedermanns Sache sind und das in der Paella Valenciana enthaltene Kaninchenfleisch bei vielen Menschen eine Menge Mitleid auslöst, dass sie bei einem Ferkel, Kalb oder Hühnchen selten an den Tag legen.

Der Duden definiert „Paella“ als „spanisches Gericht aus Reis mit verschiedenen Fleisch- und Fischsorten, Muscheln, Krebsen und Gemüsen“. Gewissermaßen eine Steilvorlage für die Hersteller von Tiefkühlkost, für die die spanische Spezialität gegenwärtig ein fester Sortimentsbestandteil ist. Viva España!

Zuhause gab es keine Paella – nicht weil wir keine Meeresfrüchte oder kein Kaninchen gegessen hätten, sondern weil Spanien als Urlaubsland für meine Eltern vollkommen irrelevant war. Nun kann man aber fremdes Essen am besten kennenlernen, wenn man es in der Fremde isst. Deshalb gab es nach den wenigen gemeinsamen Urlaubsreisen englischen Tee, französischen Käse und auch mal Honig aus der Lüneburger Heide. Reis mit Muscheln, Shrimps, Huhn und Karnickel gehörte hingegen nicht zum Repertoire. Villarriba und Villabajo – was in etwa Ober- und Unterdorf bedeutet – sind übrigens bloße Erfindungen der Werber. Da hätten wir also auch gar nicht hinfahren können.

5 Antworten to “miniportion 309: paella”

  1. Corinna 3. Dezember 2013 um 13:27 #

    Unsere erste Paella haben wir auch in Barcelona gegessen. 🙂 Interessant zu erfahren, dass es die Werbedörfer gar nicht gab. Diese Werbung hat sich wirklich eingebrannt.

    • johannesarens 4. Dezember 2013 um 07:41 #

      Wobei ich mich frage, ob man sich daran erinnert, weil man mit diesen Spots bombardiert wurde, oder weil sie so gut gemacht waren.
      Ich sollte mal einen Beitrag über Werbung schreiben – bei Mohnbrötchen denke ich an Zahncreme, bei Kaffee an halbleere Tassen und bei Orangensaft an Opis in Obsthainen … 🙂

      • Corinna 2. Januar 2014 um 10:52 #

        Eindeutig: Du bist eindeutig ein Werbeopfer. 😉

        Ich denke, die waren gut gemacht im Sinne, wie Werbung die Menschen ansprechen und sich ins Gedächtnis einprägen sollte.

  2. manuela 3. Januar 2016 um 15:48 #

    ich lese mich jetzt seit etwa drei stunden kreuz und quer durch diesen blog. faszinierend! 😀
    was mich jetzt zu einem kommentar – und den dann auch noch zu einem mehr als zwei jahre alten post – treibt, ist die tatsache, dass ich dich um deine eltern beneide. die brachten etwas aus dem urlaub mit. geschmäcker, erfahrungen, neues.
    meine hingegen – vor allem meine mutter – pflegte stets, den regalinhalt einer kompletten mayener aldi-filiale an die adria zu transportieren.
    wenn ich heute darüber nachdenke, dass wir aus kostengründen alljährlich den kofferraum voller spirelli und spaghetti, tomatenmark und thunfisch in oel über alpenpässe transportierten, während meine schwester und ich mit dem kopf zwischen den knien eingepfercht auf der rückbank des von meinem offensichtlich besessenen – und irgendwann hinter bozen oder mailand dann regelrecht entmenschten – vater gepeitschten peugeots 504 klemmten, tritt mir heute noch der angstschweiß auf die stirn.
    und auf dem rückweg war es nicht besser. da saßen wir auf dutzenden stangen ernte23 😀
    was ich sagen wollte: ich liebe dein blog =) und: endlich noch jemand, der sich ebenfalls beim anblick von in einkaufswagen zurückgelassenen zetteln oder bons passende gerichte zurechtbastelt.

    • johannesarens 3. Januar 2016 um 21:21 #

      Liebe Manuela,
      das freut mich sehr!
      Trotzdem hast du doch bestimmt auch Küchen-Erinnerungen von zuhause, die du nicht missen möchtest, oder? Ich war als Kind manchmal neidisch auf die Familien meiner Mitschüler, in denen es Schweineschnitzel oder Gulasch mit Nudeln gab. Das Gras ist auf der anderen Seite ja bekanntlich immer grüner. In ein paar Tagen gibt’s übrigens den nächsten Kassenzettel … stay tuned!
      Gruß
      Johannes

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