miniportion 308: miso

1 Dez
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Misosuppe mit Wakame und Tofu, Aachen 2013

Es gibt Gerichte mit sehr wohlklingenden Namen wie „Crêpe Suzette“ oder „Boeuf Stroganoff“. Andere wiederum hören sich eher neutral an, wie etwa „Frikadellen“ oder „Schnippelbohneneintopf“. Es gibt aber auch Rezepte, deren Bezeichnungen man bei Tisch nun wirklich nicht hören möchte. „Einlaufsuppe“ beispielsweise, die nicht nur sprachlich unappetitliche Assoziationen hervorruft, sondern darüber hinaus auch noch optisch wenig ansprechend ist, da das in die heiße Brühe eingelaufene (daher der Name) und gequirlte Ei derart ausflockt, dass es einen eher an ein misslungenes Experiment denn an ein erprobtes Rezept erinnert.

Damit erschöpfen sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit der japanischen Misosuppe, die zwar auch (wenn auch sehr viel feiner) ausflockt, aber mit „Paste aus Sojabohnen“ immerhin einen einigermaßen passablen Namen trägt. Noch im Studium befindlich kaufte ich einmal helle Misopaste, als ich erstmalig eine entsprechende Suppe gegessen hatte. Nachdem ich jedoch ein oder zwei Mal selber Suppe gekocht hatte, verlor ich schnell wieder das Interesse und hinterließ eine größere Restmenge in meinem Kühlschrank der erneuten Bearbeitung durch einen Schimmelpilz. Diesmal jedoch durch ganz gewöhnlichen Haushaltsschimmel und nicht den Kōji-Schimmelpilz, der neben der Herstellung von Miso auch zur Herstellung von Nattō verwendet wird. Dabei werden gesalzene und mit Pilzsporen geimpfte Sojabohnen in Reisstroh gewickelt und so lange fermentiert, bis sie eine ziemlich schleimige Konsistenz bekommen und dazu auch noch unangenehm riechen. All das weiß ich von N., meiner ehemaligen japanischen Mitbewohnerin, die gerne versuchte, mich mit ungewöhnlichen Lebensmittel aus dem Konzept zu bringen. Das gelang ihr eigentlich nur einmal, mit Gingko-Nüssen, die mit einem kleinen Zettel versehen auf dem Küchentisch auf mich warteten. „Stinkt ein bisschen“ stand wahrheitsgemäß darauf zu lesen. Dann doch lieber Einlaufsuppe.

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