miniportion 303: schweineschwanz

26 Nov
Schwein in Berufsbekleidung, Berlin 2010

Schwein in Berufsbekleidung, Berlin 2010

Wie bereits mehrfach beschrieben, stellten die bei meiner saarländischen Tante verbrachten Ferientage immer einen Höhepunkt dar. Nicht nur in kulinarischer Hinsicht mit warmen Fleischkäse und großen Mengen „Hoorischer“ Kartoffelklöße. Und auch nicht nur, weil ich alles durfte, was zuhause verboten war, sondern auch, weil alle großen Spaß daran hatten, mir mit unaufwändigen kleinen Aktionen große Freude zu bereiten.

Einmal zum Beispiel, da brachte meine in der Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin befindliche Cousine E. einen in Papier gewickelten Schweineschwanz aus ihrem Ausbildungsbetrieb mit. Dies tat sie zum einen in der Gewissheit, bei mir ordentlich damit punkten zu können, zum anderen aber auch aus der Überzeugung, ihrer Schwester A. damit ordentlich auf die Nerven gehen zu können. Ich erinnere mich, wie die beiden sich um den Küchentisch herum nachliefen – vorneweg Cousine A. mit einem leicht panischen Ausdruck im Gesicht und hintenan Cousine E. mit einem eher diabolischen Grinsen und besagtem Körperteil in der Hand, während meine Tante und ich in der Mitte saßen und zuschauten. Mal ehrlich, was kann man als Kind mehr von den großen Ferien erwarten?

Gegessen wurde das Mitbringsel übrigens nicht. Worüber ich damals einigermaßen froh war, da ich mir, um ehrlich zu sein, nicht ganz im Klaren war, ob es sich nun um den eigentlichen Schwanz des Tieres oder sein Geschlechtsorgan handelte. Woher hätte ich das auch wissen sollen, das Dschungelcamp mit seinem Aufklärungsauftrag gab es damals ja noch nicht und zu fragen, wäre mir viel zu unangenehm gewesen.

Grundsätzlich jedoch kann man natürlich auch einen Schweineschwanz essen – also den am äußersten Ende des Tieres. Weil man vor der Selbstbeschränkung auf fettfreies Muskelfleisch ja nichts umkommen ließ, kam der früher zusammen mit Schnauze und Ohren in die Suppe. Richtig zubereitet kann das nämlich sehr lecker sein.

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