miniportion 289: sushi

10 Nov
Sushi aus Papier, Köln 2010

Sushi aus Papier, Köln 2010

In den anderthalb Jahren, in denen ich während meines Studiums mit meiner einer jungen Dame aus Tokio zusammenwohnte, sah ich sie nie Sushi essen. Aber schließlich habe ich auch noch nie zuhause eine Bratwurst selbst gefertigt, die auf einem Bett aus Sauerkraut ja nicht nur in der Vorstellung von Ostasiatinnen die klassische Alltagsnahrung der Deutschen ist. Trotzdem sprachen wir aber häufiger über Qualität und Beschaffenheit japanischer Spezialitäten. Eigentlich jeden Tag, denn obwohl sie sich über meine europäischen Kochkünste stets höflich-wohlwollend äußerte, kam für die eigentliche Ernährung nur Japanisches in Frage. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Diskussion, in der sie schlussendlich erklärte, dass sie nach langer und eingehender Prüfung zu dem Urteil gekommen sei, dass man koreanischen Reis durchaus essen könne – wozu sie ja aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von heimatlichem Getreide gewissermaßen gezwungen war. Gelegentlich kochten wir auch zusammen, zumeist aus einem etwas zerfledderten japanischen Kochbuch, das ein wenig an die für europäische Augen ziemlich unübersichtlich wirkenden japanischen Modemagazine erinnerte und im Wesentlichen aus kleinen Fotografien befand. Ob sich darunter auch Anleitungen für die Herstellung von Sushi befanden, vermag ich nicht mehr zu sagen.

Mein erstes Sushi aß ich mit Freund M. im Jahr 1999 in Amsterdam. Wir besuchten eine entsprechende Bar am Ufer der Amstel, in der eine Vielzahl von Reis-Fisch-Happen auf Tellern mit unterschiedlich farbigen Rändern auf einem Band vor uns herumfuhren. Damals war ich sehr von der Expertise meines Freundes beeindruckt, auch von der Selbstverständlichkeit mit der er Sojasoße, Wasabi und Ingwer hantierte. Von Sushi hatte ich natürlich bereits gehört, wobei man damals noch gerne darauf hinwies, dass der Genuss von rohem Fisch nicht ohne Risiko sei. Dabei kann man ja sogar koreanischen Reis essen.

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