miniportion 288: porree

9 Nov
Breitlauchfeld, Berlin 2008

Breitlauchfeld, Berlin 2008

Am Niederrhein, so erzählte mir einmal ein von dort stammender Bekannter in der Mensa, gebe es einen Ort, in dessen Rosenmontagszug von den Festwagen herab nicht die üblichen Kamelle geworfen würden, sondern ganze Porreestangen. So wolle es die Tradition. Auch wenn es sich auf den ersten Blick um einen eher befremdlichen Brauch handelt, erfüllt er doch diverse Kriterien nachhaltiger Ernährung. Es handelt sich nämlich sowohl um ein regionales als auch um ein saisonales Produkt und darüber hinaus auch noch um ein solches, das nicht besonders dick macht. Allerdings ist die Verletzungsgefahr etwas größer – zumindest wenn man die Porreestangen so lange wachsen lässt, bis sie nahezu den Durchmesser eines kräftigen Männerarms haben.

Die Bezeichnung Porree ist übrigens vom lateinischen „porrum“ für eben jenes Zwiebelgewächs abgeleitet. Die Etymologie von Lauch hingegen ist ungesichert, hat aber vermutlich etwas mit dem griechischen Wort „lýgos“ für „biegsamer Zweig“ zu tun. Bedeutenster Schädling ist der sogenannte Zwiebelthrips, ein circa ein Millimeter großes Insekt, dass auch Tabakblasenfuß genannt wird.

Porree gehört mit Rosenkohl so ziemlich zum letzten, was man in den schon zwei Spaten tief umgegrabenen und auch sonst für den Winter fertig gemachten Gemüsegärten noch sehen kann. Blaugrün stehen die beiden Pflanzen reihenweise auf dem Feld und harren dem nahenden Frost. Porree oder Lauch gab es zuhause entweder kleingeschnitten in Suppen und Eintöpfen oder mit Schinken umwickelt, mit Bechamelsoße übergossen und mit Käse bestreut in einer Auflaufform aus Jenaer Glas im Ofen überbacken. Im Dr. Oetker-Schulkochbuch von 1960 findet sich aber lediglich ein einziges Rezept für gedünsteten Porree, gebunden mit angerührtem Gustin, Muskat und Petersilie. Das ist nun wirklich nicht besonders aufregend aber andererseits hat man damals so ziemlich jedes Gemüse mit angerührtem Gustin, Muskat und Petersilie zubereitet.

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