miniportion 280: haxe

1 Nov
Hämmchen gegrillt, Köln 2013

Hämmchen gegrillt, Köln 2013

Mit einem Koch essen zu gehen ist ein zweischneidiges Schwert – beziehungsweise ein zweischneidiges Küchenmesser, um im Jargon zu bleiben. Er habe es sehr genossen, so erzählt in geselliger Runde Freund D., Lebenspartner eines staatlichen geprüften Küchenmeisters, bei seinem einwöchigen Single-Urlaub im Allgäu im Restaurant bestellen zu können, was er wolle. Niemand habe genörgelt und Zutaten oder Zubereitung kritisiert und keiner habe ihm etwas weggegessen. Doch das ist nur eine Seite der Medaille, denn geballte kulinarische Kompetenz an der Seite zu haben, ist viel wert und kann im Alltag die eine oder andere Katastrophe verhindern.

In einem Brauhaus etwas abseits der Kölner Innenstadt kommt der Köbes nach der zweiten Runde Kölsch, um unsere Bestellungen aufzunehmen. „Wir haben auch Grillhaxe“, sagt er, „mit Bratkartoffeln und Rotkraut. Die dauert allerdings 45 Minuten.“ Wir hingegen haben Zeit und entscheiden uns für vier Mal Haxe einmal Roastbeef (welches auf der Karte mit „*hausgemacht“ versehen ist) und eine weitere Runde Kölsch. Als der Kellner wieder weg ist, fällt uns auf, dass niemand gefragt haben, was denn so eine Haxe eigentlich kostet. „Er hat ja nicht gesagt von welchem Tier“, witzelt M., der Koch unter uns und wir überlegen, ob es sich vielleicht um eine überteuerte Wachtelhaxe handeln könnte.

Als die Teller eine Dreiviertelstunde später gebracht werden, lösen sich unsere Befürchtungen in Luft aus. Der Küchenmeister erklärt, bevor er sich selber an sein Roastbeef mit Remouladensoße – ebenfalls „*hausgemacht“ – gibt, die fachgerechte Zerlegung des ziemlich üppigen Schweinebeins. Da weiß man wieder, was man an einem Experten hat. Dass die Grillhaxe eigentlich ein aufgeknuspertes, gepökeltes Hämmchen ist, dass das angekündigte Rotkraut sich als Weißkohlsalat herausstellt und dass Lebenspartner D. seine Portion nicht schafft und er deshalb von seinem Teller mitessen muss – dafür kann er ja nun wirklich nichts.

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