miniportion 276: weißwurst

28 Okt
Frühstück „Bayern Kurier“ im Café Journal, Würzburg 2013

Frühstück „Bayern Kurier“ im Café Journal, Würzburg 2013

Die Weißwurst ist eine fabelhafte Erfindung. Nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz wörtlichen Sinne – als sogenannte „invention of tradition“. Wenn Deutschland auch in großen Teilen der Welt mit einer Thüringer Bratwurst gleichgesetzt wird – mein persönliches Synonym für Bayern bleibt die am Vormittag im Rahmen eines deftigen Frühstücks verzehrte Weißwurst. Das hat er also gut gemacht, der Münchner Metzger Sepp Moser, der am Faschingssamstag im Jahre 1857 im Gasthaus „Zum ewigen Licht“ die Weißwurst erfunden haben soll, wie Rudolf Mooshammer in seinem leicht exzentrischen Kochbuch namens „Elegant kochen ohne Schnickschnack“ aus dem Jahr 1997 zu berichten weiß. Damals sollen der Legende nach die Saitlinge vom Schaf ausgegangen gewesen sein und die Wurst wurde kurzerhand in einen anderen, dickeren Darm gefüllt und schonend im Wasser erwärmt. Hätte es nicht diese Notlage gegeben, gäbe es heute nicht dieses komplizierte Reglement mit Uhrzeit und Verzehrvorschrift, dass den Verzehr von Weißwürsten so authentisch bayerisch macht.

Beim Frühstück im Café Journal in Würzburg ist mit D. zwar kein Oberbayer aber zumindest ein ortskundiger Franke mit am Tisch, der sich zu seinen Würsten neben einem Milchkaffee auch direkt ein ordentliches Weizen bestellt. Ich bin froh, dass er die seinen Würste nicht auszuzelt, sondern vor dem Essen anschneidet und pellt und ich ihm einfach folgen kann. „Dass mit dem Zuzeln hat man glaube ich für die Touristen erfunden“, vermutet er.  „Zwei davon kann ich morgens gut essen“, sagt Freund A., sein Partner, der ursprünglich aus Sachsen-Anhalt und somit aus einer vergleichsweise wurstarmen Gegend kommt. Ich leere das Tütchen Händlmaiers Süßen Hausmachersenf auf meinen Teller und bin wieder einmal überrascht, wie anders als alle anderen Alltagswürste die Weißwurst schmeckt – nach einem Hauch von Zitrone und Kardamom. Eigentlich eher vornehm als deftig.

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