miniportion 261: quittenbrot

14 Okt
Birnenquitten vor der Verarbeitung, Königswinter 2013

Birnenquitten vor der Verarbeitung, Königswinter 2013

Quittenbrot ist ein fester Bestandteil des weihnachtlichen Kanons meiner Familie. Auch wenn mein Mann es nach alle den Jahren noch immer nicht leiden mag, findet es sich in größeren Mengen auf dem Weihnachtsteller im Wohnzimmer. Aber ich will nicht vorgreifen und von Weihnachten sprechen, sondern vielmehr von der komplexen Zubereitungsweise des Quittengelees, denn das dazugehörige „Brot“ ist ja gewissermaßen sein Abfallprodukt.

Die Quitte selbst hat ein eigenwilliges Wesen. Ihre ansprechend gelbe Farbe ist meist von einer etwas fettigen Staubschicht verdeckt, der blumige Duft (drei Quitten in der Obstschale sind wirksamer als jede Lampe Berger) wird überraschend kontrastiert durch die Tatsache, dass man sich am ungekochten Obst die Zähne ausbeißen würde und mehrer Tage vor lauter Pelz auf der Zunge (Oxalsäure) sprachlos wäre. Daher kommt es eben – wie bei den meisten Dingen, die man essen oder trinken kann – auf die richtige Zubereitung an.

Früher kauften meine Eltern ihre Quitten beim „Türken“, zerkochten die geschnittenen Früchte zu Brei, aus dem dann mittels sauberer Küchenhandtücher ein Saft extrahiert wurde, der mit einer Vanillestange zu Gelee verarbeitet wurde. Das Fruchtmark wurde passiert, mit Zucker angereichert, auf einem Backblech ausgestrichen, mit Hagelzucker versehen, in Rauten geschnitten und bis Weihnachten in Metalldosen aufbewahrt.

Mittlerweile bezieht man das Obst allerdings von einem ehemaligen Kollegen meines Vaters, bei dem in Gemeinschaftsarbeit geerntet, geschnitten und mit einer alten Obstpresse gekeltert wird. Wichtig ist, so mein Vater, dass man bei dieser Arbeit Handschuhe trägt, weil die Quitten so hart sind. Umso erstaunlicher sei es dann aber auch immer, wie viel Flüssigkeit in so einer Frucht stecke. Was vor Ort mit den Rückständen passiert ist mir unbekannt, das aus gekeltertem Saft hergestellte Gelee ist aber so gut wie schnittfest. Fehlt nur der Hagelzucker.

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