miniportion 260: banane

12 Okt

2005_01_19_porz_001_miniEinmal im Jahr esse ich sehr viele Bananen. Weitaus mehr Bananen, als ich im vergleichsweise obstarmen, gelegentlich von einer Birne oder Mandarine unterbrochenen Büroalltag sonst so zu mir nehme. Einmal im Jahr laufe ich nämlich 42,195 Kilometer am Stück und esse und trinke dabei alles, was mir links und rechts des Weges angeboten wird. Die Getränke variieren dabei von Wasser über Eistee und Coca Cola bis hin zu isotonischen Sport-Drinks, zu essen gibt es eigentlich immer nur Bananen, wenn man den glitschigen, hochkalorischen Power-Schleim aus der Tüte (in diversen Erdbeer-Lime-Granatapfel-Variationen) nicht mitzählt. Die Bananen werden einem dann von den freundlichen Damen und Herren der Versorgungsstationen angereicht – schon geschält und in handliche Stücke geschnitten. Ich bin an diesem Tag, das muss ich leider zugeben, etwas gieriger als sonst. Nicht, weil die Bananen umsonst wären, denn schließlich habe ich ja einiges an Startgeld für den Marathon bezahlt, sondern weil ich immer fürchte, dass ich das Ziel nicht erreiche, würde ich nicht alles essen, was mir entgegengestreckt wird. Die Leute meinen es ja schließlich nur gut mit mir. Diese Schlussfolgerung mag damit zusammenhängen, dass das menschliche Gehirn bei großen körperlichen Belastungen nur bedingt auf vollen Touren läuft. Wenn man wir also ab Kilometer 15 Bananenstücke entgegenhält, nehme ich auch schon mal zwei. Im Laufen eine Banane zu essen ist übrigens leichter als im Laufen aus einem Plastikbecher mit Wasser zu trinken. Obwohl ich, wenn ich denn zwei geschälte Bananenstücke in der verschwitzten Hand halte, zugeben muss, dass reife Bananen in warmen Händen nur bedingt appetitlich sind. Aber was tut man nicht alles, um ins Ziel zu kommen.

Früher übrigens wurden aus braunen oder schwarz-braunen Bananen Bananenmilch gemacht. Das war immer die Aufgabe meines Vaters, der stets auf die korrekte Zugabe von Vanillezucker achtete. Getrunken wurde aber im Sitzen.

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