miniportion 256: regensburger

8 Okt
Regensburger mit süßem Senf, Meerrettich, Gurke und Kipferl, Regensburg 2013

Regensburger mit süßem Senf, Meerrettich, Gurke und Kipferl, Regensburg 2013

Um halb zwölf ist viel los am Würstelstand auf dem Neupfarrplatz in der Regensburger Innenstadt. An allen sechs roten Stehtischen vor der Bude werden diverse Wurstwaren verzehrt. Eine freundliche Verkäuferin in einer weißen Kittelschürze und mit einem Glasauge bedient mit stoischer Ruhe die Mischung aus Büroangestellten in Mittagspause und amerikanischen Kreuzfahrttouristen mit bunten Sportschuhen. Beim Sprechen dreht sie den Kopf so, dass den Kunden deutlich wird, an welches Auge sie sich richten müssen. „Vier Bratwürstl auf Kraut“, sagt die ältere Dame vor mir mit eindeutig mittelbayerischem Akzent, „würden Sie mir die bitte einmal durchschneiden?“, sie zeigt ihre verbundene Hand, „so kann ich die nämlich nicht essen.“ Die Wurstverkäuferin kann und sortiert die Stücke mit einer Gabel in rasender Geschwindigkeit auf das Sauerkraut. „Danke“, sagt die Dame, „so passt’s.“ Ich komme an die Reihe und entschließe mich in letzter Sekunde nicht für eine Regensburger-Semmel sondern für zwei der einheimischen Würstl. „Mit Breze, Semmel oder Kipferl“, fragt mich die Verkäuferin. „Was ist denn ein Kipferl?“, frage ich zurück. Sie zeigt mir ein dunkles, spitzes Brötchen mit Kümmel. „Nehme ich“, sage ich, aber wir sind noch nicht fertig. „Süßer oder mittelscharfer Senf“, will sie wissen. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht als ich frage, wie man denn in Regensburg die Regensburger isst. „Mit süßem Senf, Meerrettich und Gurke. Ich mach’s ihnen auf einen Teller.“ Während mir der Meerrettich durch die Nase steigt, betrachte ich die Wurstauswahl meiner Tischnachbarn. Currywurst mit Brezen respektive zwei Bratwürstel und eine Regensburger mit Semmel. „One Hot Dog please“, bestellt eine Chinese, als ich meinen Teller zurückbringe. „Which one“, antwortet die Verkäuferin im besten Englisch, „this one or this one?“ Sie zeigt auf die verschiedenen Sorten auf dem Grill und schenkt mir einen letzten Blick. „Hat’s geschmeckt?“

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