miniportion 249: teeeier

29 Sep
Teeeier aus eigener Produktion, Bonn 2005

Teeeier aus eigener Produktion, Bonn 2005

Als Freund D. und Freund M. berichten, dass sie gedenken, den folgenden Sonntag mit der Herstellung von vegetarischen Gyoza, japanischen Teigtaschen, zu verbringen, erinnere ich mich an einen denkwürdigen Abend mit meinen chinesischen Studienfreundinnen in einem Bonner Studierendenheim erinnert. Für meine Hilfe bei einer Hausarbeit hatte man mich zum gemeinsamen Kochen und anschließenden Essen eingeladen. Vorab gab es eine Art Wantan, die chinesische Version von Gyoza. Kleine Teigportionen aus Mehl, Salz und Wasser wurden mit einem einfachen Nudelholz ohne Griffe zu platten Kreisen ausgerollt, mit einem Löffel einer Füllung belegt und mit geschickten Fingern zu kleinen Kunstwerken verknotet. Die geschickten Finger gehörten in diesem Fall meinen Freundinnen W. und J., die diese Kulturtechnik in ihrer chinesischen Heimat vermutlich schon im Alter von wenigen Monaten verinnerlicht hatten. Ich hingegen produzierte grobe Klumpen, die mit etwas Phantasie vielleicht noch an verunglückte Thüringer Klöße erinnerten. Dies führte bei den beiden Küchenmeisterinnen dauerhaft zu großer Heiterkeit und dazu, dass sie mir den komplizierten Faltvorgang immer wieder in immer größerer Geschwindigkeit vorführten. Weil ich aber zumindest in der Küche eher uneitel bin, wurde es trotzdem ein lustiger und interessanter Abend, in dessen Verlauf ich 1000-jährige Eier verkostete und lernte, dass der Kopf eines Fisches das Leckerste ist.

Ein paar Tage später überreichte mir Freundin W. – die wahren Gründe werden für immer verborgen bleiben, aber man könnte es als eine Art chinesisch-deutsche Wiedergutmachung interpretieren – ein handgeschriebenes Rezept für sogenannte Teeeier. Für diese muss man die Schale von zuvor hartgekochten Eiern anbrechen und sie dann in einem Sud aus Tee, Sojasoße, Sternanis und weiteren Gewürzen einfärben. Ein Vorgang, den ich mühelos auch ohne weitere Anleitung ganz alleine meistern konnte.

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