miniportion 231: rollmops

11 Sep
Rollmops in delikatem Aufguss mit Süßungsmittel, Köln 2012

Rollmops in delikatem Aufguss mit Süßungsmittel, Köln 2012

Mit Rollmöpsen verbinde ich ein frühes Drama in meiner noch stets andauernden Beziehung. Es begab sich nämlich zu Zeiten, an denen ich im Orientierungsjahr an der Kunstakademie studierte, dass mein Dozent im Fach „Zeichnen nach Wahrnehmung“ uns die Übung auftrug, zuhause ein Glas mit Rollmöpsen zu zeichnen. Wobei es ihm zum einen um die Ellipse des zu zeichnenden Glaskörpers, zum anderen aber um die Reflektionen auf der silbrig-schuppigen Haut der eingelegten Fische ging. Obwohl wir eine ganze Woche Zeit bekamen, machte ich mich erst am letzten Abend an die Aufgabe, was vermutlich auch daran gelegen haben mag, dass „Zeichnen nach Wahrnehmung“ für mich als 3D-Legastheniker nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfächern zählte. Mit einem gewissen Unmut spitzte ich also einen weichen Bleistift und machte mich an die Arbeit, wobei die Tatsache, dass ich im Edeka keine Rollmöpse, sondern nur noch ein Glas mit sogenannten Bratröllchen hatte erstehen können, nicht hilfreich war. Die Hoffnung auf eine einigermaßen korrekte Ellipse hatte ich bereits vorher aufgegeben, und wer einmal versucht hat die Oberfläche eines Bratröllchens nach der Wahrnehmung zu zeichnen, wird schnell festgestellt haben, dass dessen Oberfläche nicht silbrig-schuppig das Licht reflektiert, sondern selbiges aufgrund der aufgeweichten Panade einfach schluckt. Aber Abgabetermin ist Abgabetermin und nach einigen mit hektischem Radieren und wildem Gefluche gefüllten Stunden präsentierte ich das Ergebnis meinem Partner und einer Freundin. Dass daraufhin beide in wildes Gelächter ausbrachen, besserte meine Stimmungslage nur bedingt. An die Reaktion des zuständigen Dozenten kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber, dass ich fortan wie alle anderen auch ein Foto der zu zeichnenden Gegenstände machte und in der klassischen Durchpaustechnik aufs Papier übertrug. Rollmöpse und Bratröllchen zählen seitdem übrigens zu meinen ganz persönlichen Speisetabus.

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