miniportion 211: rollkuchen

20 Aug
Deutsche Rosinenschnecke, Köln 2013

Deutsche Rosinenschnecke, Köln 2013

In vielen Ländern Europas bezeichnet man aufgerollten und in Scheiben geschnittenen Teig mit einer süßen Füllung als „Schnecke“. In Deutschland gibt es Rosinenschnecken, Streuselschnecken oder Kirschschnecken. In Frankreich aß ich Escargots aux raisins, in Dänemark Kanelsnegler und in einem kleinen Ort auf der Insel Odense sogar einmal eine Directorensnegl – letztere gab es aber nur mittwochs. Die Zubereitung unterscheidet sich allerdings von Land zu Land. Mal handelt es sich, wie in Deutschland und den skandinavischen Ländern, um einen Hefeteig, mal hat das Gebäck, wie in Frankreich oder Belgien, eine blätterteigartige Konsistenz. Mal besteht die Füllung nur aus Rosinen, Gewürzen und ein bisschen Butter, mal wird (wie mein Mann aus seiner früheren Berufserfahrung als Konditor zu berichten weiß) zerkleinertes Gebäck vom Vortrag verarbeitet. Bei uns ist der Guss eher dünn und durchscheinend, in Dänemark hingegen handelt es sich um eine dicke, weiße Masse … und so weiter und so fort. Wäre ja auch bedauerlich, wenn es keine innereuropäischen Unterschiede geben würde. Geeint wird die Gebäckvielfalt ja wie beschrieben durch eine an das Gehäuse landlebender Mollusken angelehnte Bezeichnung. Wäre da nicht die Nordeifel, südlich von Aachen, in der man nur bedingt von Schnecken spricht, sondern zumeist einen Rollkuchen bestellt. Das führt schon in der nahegelegenen Kreisstadt zu sprachlicher Verwirrung. Zum Rollkuchen gibt es nicht nur keinen Wikipedia-Eintrag, sondern gleich auch noch zwei Varianten. Zum einen bezeichnet er nämliche jene bereits erwähnte Rosinenschnecke (bei deren korrekter Zubereitung übrigens auf einen gewissen Grad der Feuchtigkeit in der Mitte geachtete werden muss), zum anderen handelt es sich bei einem Rollkuchen um einen ebenso mit Füllung aufgerollten, aber im Ganzen in einer Kastenform gebackenen Kuchen. Mag sein, dass es den aber wirklich nur in meinem Heimatdorf gegeben hat.

2 Antworten to “miniportion 211: rollkuchen”

  1. Dominik 12. Mai 2014 um 14:19 #

    Als Quasi-Aachener ist mir die Veriwrrung um den „Rollkuchen“ bekannt. Witzig, dass ich scheinbar nicht der Einzige bin, der oft schräg angeguckt wurde, wenn er außerhalb der Heimat einen Rollkuchen in der Bäckerei bestellt hat. Rollkuchen sind zudem auch nicht zu verwechseln mit der Biskuitrolle 😉

    • johannesarens 12. Mai 2014 um 20:01 #

      Außerhalb Aachens bekommt man ja auch oft fragwürdige Dinge als Streuselbrötchen angeboten. Vom Poschweck mal ganz zu schweigen …

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