miniportion 209: reisrand

18 Aug
Kampagne der Aktion „Brot für die Welt“, Köln 2011

Kampagne der Aktion „Brot für die Welt“, Köln 2011

Manchmal, zu ganz besonderen Anlässen, formte meine Mutter vor dem Servieren gekochten Reis mit einer Kaffeetasse zu einer kleinen Kuppel. Das fand ich immer besonders hübsch und sehr aufregend, vielleicht, weil mir bewusst war, dass diese Art der Dekoration einen außergewöhnlichen Moment markierte. Im Nachhinein kann ich mich aber in diesem Zusammenhang an keine besonderen Ereignisse erinnern und nehme deshalb an, dass sie einfach gut gelaunt war und dem gewöhnlichen Sonntagsessen einen besonderen Touch verleihen wollte. Die Zubereitung von Reis durchlief in unserer Familie eine nicht uninteressante grundsätzliche Evolution. Diese begann mit der Ausschließlichkeit von im Bioladen in der Stadt gekauftem Vollkornreis, dessen positive Ökobilanz im Anbau durch die ausufernde Kochzeit wieder wettgemacht wurde. Serviert wurden in diesem Fall weichgekochte grau-braune Körner, die mit keiner Kaffeetasse in Form zu bringen gewesen wären. Mit etwas Anstrengung konnte man sie als Reis identifizieren, mit der lockeren Duftigkeit von geschältem Basmati hatten sie aber so gar nichts gemein. Nachdem dann die Ära der ökologischen Bewusstwerdung langsam aber sicher abgeschlossen worden war und sich die Speisekammer auch wieder mit halbkonfektionierten Produkten zu füllen begann, wurde der Reis wieder weiß und kam nicht mehr in umweltschonend abzubauenden Papierverpackungen sondern im praktischem Kochbeutel. Die Entdeckung der noch einfacheren Methode, Reis im Verhältnis von 1:1,5 im geschlossenen Topf auf dem Herd quellen zu lassen, steht übrigens noch aus.

Egal in welcher Zubereitungsart, das Servieren von Reis in Form einer Timbale, was französisch für Kesselpauke ist, gefiel mir als Kind jedenfalls ausnehmend gut. Es wurde nur noch übertroffen von Gerichten im Reisrand – beispielsweise Hühnerfrikassee. Davon las ich manchmal in Kochbüchern, begegnete ihnen bislang aber nie auf dem heimischen Tisch. Auch das steht also noch aus.

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