miniportion 186: tomatensuppe

26 Jul
Strauchtomatensuppe mit Basilikum, Aachen 2013

Strauchtomatensuppe mit Basilikum, Aachen 2013

Früher gehörte die Tomatensuppe zum Standardrepertoire eines jeden Restaurants, das etwas auf sich hielt. Meist wurde sie in einer Suppentasse mit zwei Henkeln, auf einem kleinen Serviettchen mit Unterteller serviert. Selten gab es sie ohne Sahnehäubchen und Dekoration aus krauser Petersilie und im Normalfall war sie das preisgünstigste Gericht auf der Karte. Aber nicht nur im gediegenen Speiselokal hatte sie ihren festen Platz, sondern auch in den heimischen Küchen. Als Tütensuppe für den Notfall und später dann als heiße Tasse für die kleine Mahlzeit zwischendurch. Beides befand sich bei uns im oberen Küchenschrank, zweite Tür von links. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Tomatensuppe einmal selbst zubereitet worden wäre.

Gegen Ende der 1980er Jahre besuchte ich auf meiner ersten eigenständigen, mehrtägigen Ferienreise (an deren Ende ich nicht von Verwandtschaft in Empfang genommen wurde) zunächst das Ostseeheilbad Travemünde und dann meine Freundin E. in Hamburg. An der Ostsee saß ich alleine ein Restaurant und fühlte mich plötzlich sehr erwachsen und auch ein bisschen mutig, da ich mit Labskaus ein Gericht bestellt hatte, von dessen Zutaten ich nur eine sehr ungefähre Vorstellung besaß. In der Hansestadt hörten meine Freundin und ich das Debut-Album von Mariah Carey und kochten des Abends eine Tomatensuppe. Das Aufregende an dieser Tätigkeit war nicht nur die eigene Herstellung, sondern vor allem die Tatsache, dass der dortige Haushalt über einen Thermomix der Firma Vorwerk aus Wuppertal verfügte. Nun muss man wissen, dass elektrische Geräte in meiner Familie traditionell auf einem sehr niedrigen Niveau verweilten. Neben Kühlschrank, Herd und Heißwasserboiler gab es einen Mixer, eine Brotschneide- und eine Joghurtmaschine. Ende des Fuhrparks. Dass es ein Gerät geben sollte, das gleichzeitig pürieren, wiegen und kochen können sollte, konnte ich daher kaum glauben. Diese Großstädter!

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